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Schüler erhalten Geschichten aus erster Hand

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Von: Fabian Pieper

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Hermann Hillmann zeigt Amelie Fiefeick und Marah Choura Fotos.
Die Anfangsjahre: Hermann Hillmann (r.) zeigt Amelie Fiefeick (v.l.) und Marah Choura © Fabian Pieper

Zeitzeugen wie Hermann Hillmann bieten Schülerinnen Einblick in die Gründungszeit der Syker Lebenshilfe. Möglich wird das durch ein Projekt der Handwerkskammer Hannover, das sich „Digitale Lernallianzen“ nennt. Damit sollen junge Menschen Einblicke in eine spätere Arbeitswelt bekommen, um sich in der Berufsfindung zu orientieren.

Syke – Neugierig lauschen Amelie Fiefeick und Marah Choura den Geschichten, die Hermann Hillmann ihnen erzählt. In seinen Händen hält der 63-Jährige vergilbte Fotos, teilweise schon 50 Jahre und mehr alt. Er erzählt von seiner Jugend und den Anfängen der heutigen Lebenshilfe Syke.

Hermann Hillmann gehörte zu den ersten Kindern, die seinerzeit in der 1966 gegründeten Einrichtung betreut wurden. Amelie und Marah sind Elftklässlerinnen des Graf-Friedrich-Gymnasiums Diepholz. Die beiden nehmen gemeinsam mit ihren Klassenkameraden an einem Projekt zur Berufsorientierung der Handwerkskammer Hannover teil, das sich „Digitale Lernallianzen“ nennt. Dabei sollen Schüler und regionale Unternehmen zusammengebracht werden. Die Unternehmen stellen den Schülern Aufgaben, die sie im Laufe des Projekts lösen sollen.

Amelie und Marah haben sich gemeinsam mit vier Mitschülerinnen für die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Syke entschieden. „Es ist das einzige Projekt im sozialen Bereich“, erklärt Lebenshilfe-Pressesprecherin Laura Lahrs. Sie erhofft sich über die digitalen Lernallianzen Synergie-Effekte, da auch die Lebenshilfe Syke „total vom Fachkräftemangel“ betroffen sei. Daher freue sie sich, sechs „aufgeschlossene und motivierte Schülerinnen“ an diesem Mittwochvormittag im Café Delcasy in Syke mit Zeitzeugen aus den Anfangsjahren der Syker Lebenshilfe zusammenbringen zu können.

Denn die Aufgabe der sechs Jugendlichen besteht darin, Interviews mit Zeitzeugen zu führen und diese im Anschluss medial aufzuarbeiten. Die Ergebnisse sollen Mitte Juli auf einer schulinternen Messe präsentiert werden, gemeinsam mit allen anderen Mitschülern des elften Jahrgangs, die sich in anderen Unternehmen mit ähnlichen Aufgaben beschäftigen.

Und deshalb hören Amelie und Marah sehr aufmerksam zu, während Hermann Hillmann die Geschichten hinter den Fotos erzählt. Gelegentlich machen sie sich Notizen. „Wir haben richtig schöne Geschichten gehört“, sagt Marah, „etwa von einem Ausflug mit einem kleinen Elefanten.“

Wir haben richtig schöne Geschichten gehört.

Marah Choura, Schülerin am Gymnasium Diepholz

An einem Nachbartisch sitzen Tamara Hinsch und Julia Heinrich. Die beiden 17-Jährigen unterhalten sich mit Eberhard Hasper und Friederike Meyer. Letztere gehörte, wie Hillmann, zu den betreuten Kindern der Anfangsjahre. „Wenn wir spazieren gegangen sind“, erinnert sie sich, „haben uns die Leute immer angeguckt. Das fand ich nicht so gut.“ Doch Meyers Augen leuchten, als sie sagt: „Aber ich habe dort auch meinen Freund kennengelernt! Damals war ich 20 – das ist jetzt 45 Jahre her.“

Auch Eberhard Hasper hat eine direkte Verbindung zur Gründungszeit: Seine Mutter Margret Hasper hatte die damalige Lebenshilfe Grafschaft Hoya 1966 aufgebaut – „zu einer Zeit, als es noch nichts gab, außer viele behinderte Kinder, die zu Hause aus Scham versteckt worden sind“, sagt er. Friederike Meyer pflichtet ihm bei, als sie von ihrer Zeit in den Rotenburger Anstalten erzählt: „Es war keine schöne Zeit, ganz bestimmt nicht“, sagt sie kopfschüttelnd. Laut Hasper habe sich „damals noch die Haltung der Hitler-Zeit ausgedrückt“.

Dies sei mit der Gründung der Lebenshilfe schlagartig besser geworden. Einblicke, die auch Julia Vogelsang und Joana Moor erhalten haben: „Für mich würde es in Frage kommen, mit Kindern in diesem Bereich später zu arbeiten“, sagt Joana. Auch Julia nickt; sie sei „unvoreingenommen“ in das Projekt gegangen, „jetzt würde ich in diesen Bereich gehen“, verrät sie. Dann wenden sich beide wie ihre Mitschülerinnen wieder den Geschichten der Zeitzeugen zu – denn nach mehr als 55 Jahren Lebenshilfe gibt es noch einige Anekdoten, die erzählt werden wollen.

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