Gesangverein löst sich im 170. Jahr seines Bestehens auf / „Die Stimmen sind nicht mehr da“

Vorhang zu für Germania Syke

+
Mit einem Blumenstrauß verabschiedete Jutta Scharnau (links) als letzte Vorsitzende des Gesangvereins Germania Syke ihre Dirigentin Daniela Predescu.

Syke - Von Dieter Niederheide. Den Gesangverein Germania Syke gibt es nicht mehr. In einer außerordentlichen Sitzung, die der Vorstand im Anschluss an die Jahreshauptversammlung am Mittwoch in Wessels Hotel legte, wurde die Auflösung beschlossen. Und das ein Jahr vor dem 170-jährigen Bestehen.

In geheimer Abstimmung votierten die anwesenden Mitglieder mit 18 Ja-Stimmen bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung für die Vereinsauflösung. Damit wurde Wirklichkeit, was bereits seit Sommer vorigen Jahres immer mal wieder hinter vorgehaltener Hand zur Diskussion stand.

Offizieller Grund für die Auflösung ist laut Kassenwart Kurt Wohlers „die finanzielle Seite“. Heißt: Der Verein kann durch seine Mitgliedsbeiträge nicht mehr die Kosten decken, die beispielsweise durch die jährlichen Abgaben an den Dachverband entstehen.

Auf Nachfrage der Kreiszeitung räumt Vorsitzende Jutta Scharnau jedoch ein: „Mit ein Grund ist auch, dass die Stimmen nicht mehr da sind. Es wird schwierig, im Alter die Töne zu treffen.“ Allerdings seien die Finanzprobleme durchaus real und alles andere als ein Feigenblatt. Zwar wären die mit einer Beitragserhöhung oder einer Umlage in den Griff zu bekommen. „Das hätte uns aber nur kurzfristig, und nicht langfristig weitergeholfen“, so Scharnau.

Der Vorstand trat am Ende der außerordentlichen Versammlung geschlossen zurück. Als Liquidatoren werden Jutta Scharnau und Kassenwart Kurt Wohlers die noch anfallenden Aufgaben erledigen. Bleibt am Ende unterm Strich noch Geld übrig, soll das einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden. Das vereinseigene Klavier wird als Dankeschön an Wessels Hotel vererbt.

Dirigentin Daniela Predescu schätzt den Chor als „noch singfähig“ ein. „Es ist wirklich schade“, bedauerte sie die Auflösung und lobte ein letztes Mal: „Der Chor ist kleiner geworden, hat sich bei seinen Auftritten bis zuletzt aber gut präsentiert“. Sie verstehe auch die Art und Weise nicht, mit der die Auflösung jetzt vonstatten geht. „Es hätte Germania gut angestanden, sich mit einem Konzert aus der Öffentlichkeit zu verabschieden.“

Diese Meinung vertritt auch Manfred Barg: „Wir schaffen uns einen unrühmlichen Abgang. Das finde ich nicht gut.“ Enttäuscht verließ Barg den Saal.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Flammenhölle von Malibu trifft auch Promis

Flammenhölle von Malibu trifft auch Promis

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

Brexit: Neue Dynamik, aber kein Durchbruch

Brexit: Neue Dynamik, aber kein Durchbruch

Meistgelesene Artikel

Immer gleich, immer anders

Immer gleich, immer anders

Aschener Vereine rollen den roten Teppich aus

Aschener Vereine rollen den roten Teppich aus

Batterie explodiert – Feuerwehr rückt an

Batterie explodiert – Feuerwehr rückt an

Zimmerbrand in Kirchweyhe - Feuerwehr schnell vor Ort

Zimmerbrand in Kirchweyhe - Feuerwehr schnell vor Ort

Kommentare