Genickbruch 2Gplus

Nostalgie-Museum Okel steht mit dem Rücken zur Wand

Elke und Wolfgang Kaeding schieben Frust: Kilometerweise haben sie Lichterketten aufgehängt, Christbäume geschmückt, Räume und Fenster dekoriert – und dank 2Gplus kommt jetzt kaum einer. Das ist auf der einen Seite schade um den Aufwand, auf der anderen aber ein echtes Problem für die Betreiber des Nostalgie-Museums in Okel. Denn wenn keine Besucher kommen, können Kaedings die Kosten nicht erwirtschaften.
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Elke und Wolfgang Kaeding schieben Frust: Kilometerweise haben sie Lichterketten aufgehängt, Christbäume geschmückt, Räume und Fenster dekoriert – und dank 2Gplus kommt jetzt kaum einer. Das ist auf der einen Seite schade um den Aufwand, auf der anderen aber ein echtes Problem für die Betreiber des Nostalgie-Museums in Okel. Denn wenn keine Besucher kommen, können Kaedings die Kosten nicht erwirtschaften.

Okel – Nein: Vorwürfe kann und will Elke Kaeding niemandem machen. Der Frust sitzt nur sehr, sehr tief.

Die Nächte haben sie und ihr Mann Wolfgang sich um die Ohren gehauen, um möglichst viel weihnachtliche Stimmung ins Nostalgie-Museum in Okel zu bringen: Drinnen und draußen gefühlt kilometerweise Lichterketten aufgehängt, Christbäume geschmückt, Schaufenster dekoriert und die Ausstellung an vielen Stellen umgestaltet. Und dank 2Gplus kommt jetzt kaum jemand.

Das ist kein subjektiver Eindruck, sondern nachweisbarer Fakt: Zum 1. Advent hatten sie ihren „Weihnachtszauber“ präsentiert und ein den Umständen nach ordentlich volles Haus gehabt. Da galt noch 3G. Am vorigen Wochenende war dann 2Gplus das Maß der Dinge. „Wir hatten ganze acht Besucher“, sagt Elke Kaeding. „Vier davon hatten sich kurzfristig noch angesagt. Sonst hätten wir gar nicht erst aufgemacht.“ Und vor dem 3. Advent hat sie schon regelrecht Angst.

Aus Sicht ihrer Gäste kann Elke Kaeding das verstehen. „Ich würd’s ja selber nicht anders machen“, sagt sie. „Ich würde mich ja auch nicht extra erst testen lassen, nur um irgendwo einen Kaffee zu trinken.“ Dass da viele Leute sagen „dann lass ich’s halt gleich ganz bleiben“, kann sie nachvollziehen. Für sie persönlich hat das Ausbleiben der Besucher aber Folgen.

Da ist einmal der wirtschaftliche Aspekt: Elke und Wolfgang Kaeding betreiben das Nostalgie-Museum in der ehemaligen Gaststätte Winkelmann seit viereinhalb Jahren. Privat und ehrenamtlich, quasi als Hobby. Er ist Rentner, sie ist Angestellte. Beide haben ein bisschen was für schlechte Zeiten gespart. Aber eben keine Reichtümer. Das Museum – das war von Anfang an klar – muss die laufenden Kosten selbst erwirtschaften. Durch Spenden, durch den Verkauf von Kaffee und selbstgebackenen Kuchen und durch Überschüsse von Veranstaltungen. Veranstaltungen gibt’s seit Corona praktisch gar nicht mehr. Die Besucherzahlen sind drastisch zurückgegangen, und jetzt brechen sie vollends ein.

Dazu kommt der seelische Aspekt: „Wir sind an der Belastungsgrenze“, sagt Elke Kaeding. „Es macht einfach keinen Spaß mehr. Alles, was wir an schönen Sachen für andere machen wollten, wird von Corona kaputtgemacht. Ich bin völlig deprimiert, sitze zu Hause und weine.“

Ein bisschen Wärme, ein bisschen Stimmung, ein bisschen was Schönes: Das war auch die Idee hinter dem „Weihnachtszauber“ im adventlich geschmückten Museum. Vieles fällt erst auf den zweiten Blick auf: hier und da ein Weihnachtsengel in einer Vitrine. Da und dort ein Nikolaus oder ein Weihnachtsstern. Manches ist komplett neu. Etwa die liebevoll gestalteten Vitrinen mit historischem Blechspielzeug. Und manches fällt sofort ins Auge, wie der umgebaute Tresen im ehemaligen Gaststättensaal: Aus dem hat Wolfgang Kaeding mit ein bisschen Holz, viel Fleiß und etwas Fantasie einen schicken Weihnachtsmarktstand gezimmert. Die Freude daran hat 2Gplus den Kaedings jetzt verhagelt. „Die Leichtigkeit ist weg“, sagt Elke Kaeding. „Die Gedanken kreisen nur noch um: Verordnungen einhalten, Hygienekonzept und Desinfizieren.“ Ihr ist klar: „Wir müssen uns damit abfinden und arrangieren. Und unser großer Vorteil ist: Wir müssen vom Museum nicht unseren Lebensunterhalt bestreiten. Aber das nimmt einem die Freude. Wir haben so viel Arbeit hier hineingesteckt. So viel Herzblut!“

Wie geht es weiter? Geht es überhaupt weiter? „Ich weiß es nicht“, sagt Elke Kaeding. Fest steht: „Die Adventssonntage bleiben wir geöffnet. Das sind ja nur noch zwei.“ Auch den geselligen Treff unter dem Motto „Heiligabend im Museum“ soll es geben. Etliche Anmeldungen dafür sind schon da. „Mitte Januar sehen wir dann weiter“, sagt Elke Kaeding. „Für uns ist das jetzt das dritte Hungerjahr in Folge. Erst die Baustelle, als die Ortsdurchfahrt neu gemacht wurde, und dann zwei Jahre Corona. Wir wollten nächsten Sommer eigentlich fünfjähriges Bestehen feiern.“

Von Michael Walter

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