Comedian erklärt, weshalb er zum Lachen auf die Insel gegangen ist

Gelesen hat Christian Schulte-Loh auch ein bisschen

Christian Schulte-Loh bot den Besuchern in der rappelvollen Stadtbibliothek einen unterhaltsamen Überblick über das, was ein deutscher Comedian im Mutterland der Comedy so an Skurrilitäten erleben kann. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Michael Walter. Also, was war das jetzt eigentlich, das die gut 80 Zuschauer da am Dienstag Abend in der rappelvollen Stadtbibliothek erlebt haben? Eine Lesung jedenfalls nicht. Dazu wurde zu wenig gelesen.

Ein Plauderabend war es auch nicht. Dazu wurde zu viel gelesen. Ein Comedy-Abend war es ebenfalls nicht, denn dazu hätte es sowas wie eines Programms bedurft. Auf jeden Fall war es lustig. Und schuld daran war Christian Schulte-Loh.

„Christian wer?“ – Diese Frage hört Schulte-Loh in England weitaus seltener als daheim in Deutschland. Denn dem gebürtigen Halterner ist gewissermaßen ein kleines Kunststück gelungen: Sich als Deutscher in der britischen Comedy-Szene zu etablieren. Worüber er gerade ein Buch geschrieben hat. Was ihn jetzt nach Syke geführt hat. Und weswegen das da am Dienstag Abend eigentlich eine Lesung hätte sein sollen. Was es ja aber nicht war. Weil: Siehe oben. Egal...

„Zum Lachen auf die Insel“ heißt das Buch, das Schulte-Loh in Syke vorgestellt (ah!) hat. Und ein bisschen daraus vorgelesen hat er auch. Weit mehr hat er aber einfach erzählt. Wie alles gekommen ist, wie es ihn nach England verschlagen hat und warum er überhaupt Comedian geworden ist. Frisch von der Leber weg und über keinen dummen Spruch verärgert, dem ihm sein Publikum mit einem im Verlauf des Abends wachsendem Selbstbewusstsein an den Kopf warf. Schließlich hatte er die Syker zu Beginn ja auch geradezu dazu aufgefordert. „In England wird immer dazwischengerufen. Vor allem im zweiten Teil, wenn die Leute nach der Pause schon betrunken sind.“

Davon waren die Syker weit entfernt. Aber nach und nach stellte sich eine gewisse Vertrautheit ein, die den einen oder anderen Gast ermutigte, einfach mal ein paar Sprüche in Richtung Podium abzugeben. Der Stand-up-Comedy erprobte Schulte-Loh nahm diese verbalen Steilpässe dankbar auf und spielte den Ball meist umgehend zurück.

Die Anfänge seiner Bühnenkarriere liegen übrigens in Belgien. Als Schüler war er über das Erasmus-Programm zu einem Austausch in Gent. Und aus Langeweile hat er sich dort einfach aufs Geratewohl in Comedy-Clubs beworben, ob er da nicht mal auftreten dürfte. Er durfte. Und ist nach der Premiere sogar von anderen Clubs gebucht worden. „Die Sachen, die ich lustig fand, fanden die Leute da gar nicht witzig. Aber wenn ich gesagt habe, ich bin ein deutscher Komiker, haben immer alle gelacht. Da dachte ich mir: Das könnte man doch ausbauen.“

Und so hat er das gleiche wie in Belgien einige Zeit später in England versucht. Mit Erfolg. Heute spielt Christian Schulte-Loh dort regelmäßig vor bis zu 500 Zuschauern. Eine Zahl, die ihm in den Anfängen noch utopisch erschienen war.

Sein Syker Publikum erfuhr im Lauf des Abends einiges über die Eigenarten der Briten im Allgemeinen und der Comedy-Szene im Speziellen. Von Veranstaltern, die zielsicher jeden Saal leermoderieren. Von Ein- und Ausbrüchen aus der eigenen Wohnung. Und von spleenigen Lords, die nach zwölf Stunden Tontaubenschießen eigentlich nur noch auf die Jazzband warten, aber den drolligen Deutschen dann doch ganz lustig fanden, nachdem der sie (aus reiner Verzweifelung) eine halbe Stunde lang am Stück nach Kräften beleidigt hatte.

Und das alles in einem atemberaubenden Tempo. Warum er denn nur so schnell reden würde, wollte eine Frau aus dem Publikum wissen. Antwort Schulte-Loh: „In meiner Familie hatte die Generation vor mir eine sehr geringe Lebenserwartung.“

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