Fotoausstellung „Objekte im Detail“ von Karl Wilhelm Henke

Das Geheimnis: Der Blick für die Kleinigkeiten

Karl Wilhelm Henke stellt Fotos im Kreismuseum aus. - Foto: hu

Syke - Von Angelika Kratz. „Oft übersehen“ steht über der aktuellen Ausstellung im Ackerbürgerhaus des Syker Kreismuseums und hatte zur Eröffnung eher unfreiwillig eine zweifache Deutung. Während nebenan auf der Museumsdiele der Bücherflohmarkt die Menschen anzog, fand am Nachmittag nur ein kleines Grüppchen den Weg in den hinteren Teil des Museums.

Fotograf und ausstellender Künstler Karl Wilhelm Henke nahm dies mit der Gelassenheit eines älteren und lebenserfahrenen Menschen. Schließlich hat sich der 69-jährige ehemalige Berufsschullehrer, Verfasser unzähliger Fachbücher zur Text- und Datenverarbeitung und Seniorenmeister der Kurzschrift lebenslang mit vielen kleinen Details beschäftigt.

Die stehen auch im Fokus seiner Makroaufnahmen, denn seit 30 Jahren ist die Fotografie eine weitere große Leidenschaft des zwischen Oldenburg und Soest pendelnden Unruheständlers. Die großformatigen, auf Leinwand aufgezogenen Bilder, zeigen sich wie eine wunderbare Hommage an all die kleinen alten und vergammelten Dinge im täglichen Lebensumfeld.

„Stark brüchig“ heißt es bereits im Eingang des Ackerbürgerhauses. Allerdings nicht als Warnung sich auf die steile Treppe nach oben zu begeben, sondern gerade dem Rost und dem damit verbundenen Verfall des Materials einen besonderen Blick zu schenken. Zu maroden Schönheiten im richtigen Licht werden gebrochenes Holz, geborstene Fenster einer einstigen Fabrik oder ein mit Algen und Rost bedeckter Poller im Hafen von Hooksiel.

Rucksack mit der Ausstattung stets dabei 

Dr. Ralf Vogeding begrüßte als Hausherr des Kreismuseums den Autodidakten in Sachen Fotografie, Karl Wilhelm Henke und den kleinen Kreis von Gästen. „Der Mann des Wortes“ würde auch in Sachen der Fotografie ganz bewusst auf Schaffensreise gehen. Stets dabei für ein waches Auge sei der Rucksack mit einer professionellen „großen“ Kamera und dem richtigen Objektiv für die geliebten Makroaufnahmen.

Der Computer mit der Möglichkeit zur Bildbearbeitung und künstlerischen Verfälschung einer Aufnahme hat bei Karl Wilhelm Henke nur eine geringe Bedeutung. „Meine Manipulation geschieht vorher mit der richtigen Wahl der Temperatur“, erklärt der Künstler seine Arbeitsweise, mit einem sicherlich angeborenen Blick sein ausgewähltes Objekt gleichsam auf ein Siegertreppchen zu stellen.

Er macht aus einem Aschenbrödel eine Prinzessin

So wird aus einer simplen, maroden Ankerkette im richtigen Licht der spritzende Guss aus einem Hochofen. Henke verleiht den kleinen Dingen ein neues Ansehen, macht aus einem Aschenbrödel eine Prinzessin und öffnet beim Betrachter den Sinn für die versteckten Schönheiten, die von einem Prinzen mit seiner Kamera wach geküsst werden möchten.

Strukturen und Farbübergänge lassen Henkes Fotografien wie gemalte Bilder erscheinen. Trotz aller technischer Möglichkeiten gibt es bei ihm keine grundsätzliche Neubearbeitung oder Verfremdung, denn bei ihm sei die Vorarbeit bereits mehr als die halbe Miete. Mit einer noch so teuren Kamera einfach draufzuhalten bringe nichts, wie der Fachmann ausführlich aus seinem reich bestückten Nähkästchen noch viele Anleitungen verriet. Zu sehen ist die empfehlenswerte Fotoausstellung noch bis zum 7. Januar im Ackerbürgerhaus des Kreismuseums.

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