Nostalgiemuseum lädt zu Sonderausstellung zur analogen Fotografie ein

Das Geheimnis des alten Holzkoffers

Die ersten Besucher konnten sich an den Osterfeiertagen bereits die kleine, feine Sonderausstellung in Okel ansehen. Foto: Heinfried Husmann

Okel - Von Heiner Büntemeyer. Blitzwürfel, Belichtungsmesser und Rollfilme gehörten noch vor wenigen Jahrzehnten zu unentbehrlichen Requisiten eines jeden Fotografen. Inzwischen liegen diese Utensilien bereits neben einem Heft mit der Aufschrift „Belichtungstabellen“, einer Box mit Plattenmagazin, Baujahr 1900, und einem 35-Millimeter-Film-Projektor aus den 30er-Jahren im Museum. Elke und Wolfgang Kaeding zeigen diese und zahlreiche weitere Exponate in der Sonderschau “Einblicke in die analoge Fotografie“, die noch bis zum 15. September sonnabends und sonntags sowie an jedem Feiertag von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist.

Sie haben dafür in ihrem liebevoll eingerichteten Nostalgiecafé in Okel Vitrinen eingeräumt, eine Dunkelkammer eingerichtet und in die Saalmitte zwei Schautische gestellt. Zahlreiche ausgestellte Objekte schlummerten in Kaedings Kartons. Sie hätten aber kaum für mehr als eine nostalgische Erinnerung an die Anfänge der Fotografie ausgereicht.

Aber erneut machte Wolfgang Kaeding die faszinierende Erfahrung, dass sein Museum lebt. Allein der Hinweis darauf, dass er beabsichtigt, Relikte aus der „Steinzeit der Fotografie“ auszustellen, reichte aus, weitere Besitzer von alten Fotoapparaten, Fotozubehör, Projektoren und ähnlichen Schätzen zu veranlassen, sich bei ihm zu melden. „Dadurch erweitert sich unsere Ausstellung fast wie von selbst“, freuen sich Elke und Wolfgang Kaeding.

Daher kann diese Sonderausstellung auch regelmäßig verändert und durch neue alte Exponate ergänzt und erweitert werden. Interessant wird ein Besuch dieser Ausstellung aber erst, wenn ein Rundgang von Wolfgang Kaeding selbst oder einem Experten begleitet wird.

Die teilweise sehr spezielle Bedeutung verschiedener Geräte erschließt sich dem Besucher erst, wenn er darauf hingewiesen wird, weil auf den kleinen Schildern neben den Geräten meistens nur der Herstellername, technische Details und das Baujahr stehen.

Welche Bedeutung der “Ica“-Projektor für den Hersteller Zeiss-Ikon hatte, wie sich der Übergang von der Box mit Plattenmagazin bis zur Erfindung des Kodak-Films vollzog, dass ein unauffälliger Holzkoffer mit einem Repro- und Vergrößerungsapparat mit kyrillischer Aufschrift wahrscheinlich einst vom russischen Geheimdienst für Spionagezwecke verwendet wurde, erschließt sich aus der Objekt-Beschreibung nicht. Erst im Gespräch erfährt der Besucher, dass die Kodak-Kamera für Sofortbildaufnahmen aus dem Jahre 1957 eine große Rarität darstellt, weil Polaroid das Prinzip des Sofortbildes bereits 1948 erfunden hatte. Als Kodak es neun Jahre später wirtschaftlich nutzen wollte, erwirkte Polaroid aus Gründen des Urheberrechts ein Herstellungsverbot und die Kameras durften nicht verkauft werden. Trotzdem steht so ein Gerät bei Kaedings in der Vitrine und diese und ähnlich spannende Hintergrundinformationen gibt‘s bei einem Besuch gratis dazu.

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