Begegnung mit einem Guru

„German Guru G-Punkt Erleuchtung?: Gefaltete Unterhosen inklusive

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Vorleserin Helke Hoff blättert lächelnd in dem Buch „German Guru G-Punkt Erleuchtung?“ Eine Sykerin hat darin ihre bizarren Erfahrungen mit einem narzisstischen spirituellen Lehrer niedergeschrieben.

Syke - Von Frank Jaursch. Nur das Beste für den Meister: Frische Blumen, liebevoll zubereitetes und dekoriertes Essen, frisch gewaschene und gefaltete Unterhosen. Es lebt sich gut als Guru in der Toskana. „Mr. Nice Guy“ hat eine ganze Traube an hingerissenen Verehrerinnen um sich geschart. Gut für ihn – und reichlich irritierend für Lena, die sich aus Syke auf den Weg in die Toskana gemacht hat, um dort bei einer dreiwöchigen spirituellen Auszeit zu entschleunigen.

Diese Lena gibt es tatsächlich, und den Guru auch. Sie heißen nur nicht wirklich so. „Lena“ ist eine Psychotherapeutin aus Syke. Sie hat ihre Erlebnisse mit dem Guru und seinen Groupies unter Pseudonym niedergeschrieben. Auszüge aus ihrem Buch „German Guru G-Punkt Erleuchtung?“ wurden kürzlich im Barrier Café Seitenblick gelesen.

Der echte Name von Lena bleibt im Dunkeln. Um sie vor unerwünschten Reaktionen von Klienten zu schützen – und vor der Rache der Guru-Jünger. Denn „wer das liest und sich auskennt in der Szene, der wird ihn erkennen“, sagt sie.

Erst Feuer und Flamme, dann Stirnrunzeln

Als ihr Partner mit der Idee von dem dreiwöchigen „Retreat“ ankommt, ist Lena schnell Feuer und Flamme. „Endlich mal rauskommen, Yoga, die Sonne – da war die Vorstellung von purer Entspannung.“ Doch die Wirklichkeit präsentiert sich völlig anders: Noch bevor sie „den Meister“ selbst zu Gesicht bekommt, nimmt sie mit Stirnrunzeln die Schwärmereien der anderen Teilnehmerinnen wahr.

Und der Meister selbst? Stellt sich als ein narzisstischer Charmeur heraus. Gutaussehend und wortgewandt, umgarnt er die Teilnehmerinnen. Ein Egozentriker, ein Macho wie aus dem Bilderbuch.

Doch in der Gruppe von gut einem Dutzend Frauen löst er Erstaunliches aus. Mit Wonne essen sie die Reste dessen, was zunächst er vorgesetzt bekommen und dann übrig gelassen hat. Der Swimmingpool ist tabu, wenn Mr. Nice Guy darin schwimmen will. Und immer wieder bittet er einzelne Damen in sein Gemach. Was dort passiert? Lena lächelt. „Wer weiß? Ich war nicht da.“

Schnell wird sie gemeinsam mit Kiki, einer holländischen Teilnehmerin, zur Rebellin. „Wir haben uns den Regeln widersetzt. Wir sind in den Swimmingpool gesprungen, wenn davor das Verbots-Schild lag.“ Als der Meister ihr eines Abends gönnerhaft den Platz neben sich anbietet, lehnt sie ab: „Das passt mir heute aber nicht.“

Dabei erlag auch die Sykerin durchaus ein Stückweit dem Charme des Gurus, räumt sie rückblickend ein. „Ich habe mich schon aufgewertet gefühlt“, sagt sie. Seine Avancen hätten ein „Gefühlschaos“ in ihr ausgelöst. Die Gespräche mit ihrer neu gewonnenen Freundin Kiki hätten ihr aber geholfen, immer wieder Distanz zu gewinnen.

„Die müssen das doch raffen!“

Dennoch schüttelt Lena noch heute mit dem Kopf, wenn sie an das Anhimmeln des Gurus durch die übrigen Teilnehmerinnen denkt. „Ich spreche von Menschen, die fast alle einen akademischen Titel haben“, bemerkt die Sykerin. „Die müssen das doch raffen!“

Tun sie aber nicht. Nach einer Woche zieht die Sykerin die Reißleine, fährt bei Nacht und Nebel ab. Und verarbeitet in den folgenden beiden Jahren ihre Erlebnisse, indem sie ihre Notizen aus der Toskana zu einem Gesamtkunstwerk auf 200 Seiten aufbaut. Was sie in ihrem Buch schildert, „ist 1:1 so passiert – von einer einzigen Szene abgesehen“.

Ihre wichtigste Erkenntnis: „Ihr braucht keinen Guru, das ist alles in euch selbst.“ Sie will andere Menschen davor bewahren, solche Erfahrungen machen zu müssen. Mit ihrem Buch schaffte es Lena bis in die „Brigitte: Woman“. Die Esoterik-Magazine, die sie ebenfalls anschrieb, hatten kein Interesse. „Die wollten das Thema nicht. Die wollen lieber weiter Wattebäuschchen werfen und die Leute vernebeln“, sagt sie.

Für Lena, die Syker Psychotherapeutin bleibt eine Erinnerung „mit einem Lächeln auf den Lippen“ – und eine Frauenfreundschaft zu Kiki (die natürlich im echten Leben nicht Kiki heißt). Und was sagt ihr Freund dazu, der ja die Idee zu dem Retreat hatte? Lena lacht. „Der bereut das bis heute.“

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