Gedankenlosigkeiten von Passanten

Respekt vor Landwirtschaft? – Fehlanzeige!

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Idyll in der modernen Zeit: Schafe sind nach wie vor Hingucker für Jung und Alt. Allerdings gibt es im Umgang mit Weidetieren Dinge zu beachten – und genau dazu, so sagt Schäfer Kay Trinler, sind immer mehr Menschen offenbar nicht bereit.

Syke - Von Frank Jaursch. Eigentlich ist Kay Trinler ein ganz entspannter Typ. Mag sein, dass es an seinem Beruf liegt: Der 33-Jährige ist Schäfer. Bei einem Thema allerdings verliert er seine Gelassenheit – und das ist nicht etwa, wie man vermuten mag, der Wolf. Das Hauptproblem hat nicht vier Beine, sondern nur zwei. „Den Menschen ist der Respekt vor landwirtschaftlich genutzten Flächen und vor Weidetieren verloren gegangen“, sagt Trinler.

Der Barrier hat für seine Aussage massenhaft Belege parat. Passanten, die den Tieren Brötchen zuwerfen, um sie zu füttern. Hundehalter, die ihre Tiere auf Futterwiesen spielen und ihr Geschäft verrichten lassen. Gras- und Strauchschnitt, der auf Weiden abgekippt wird – und bei den Tieren zu Schlundverstopfung oder Vergiftungen führen kann. Menschen, die Elektrozäune abstellen und versetzen, um eine Abkürzung zu nehmen.

Das hat es auch früher immer mal wieder gegeben. „Aber in den letzten drei Jahren ist es mehr geworden, intensiver“, sagt Trinler. Nahezu wöchentlich kommt es zu solchen Erlebnissen.

Ein besonderes Problem stellen einige Hundehalter dar. Im Herbst habe ihn eine Frau angeschrien, weil ihr Hund einen Schlag bekommen hatte, als er den unter Strom stehenden Weidezaun berührt hatte. Dabei machen stets Schilder auf die Elektrozäune aufmerksam. Trinler, als Schäfer selbst Besitzer eines Hundes: „Die Tiere können nicht lesen, das müssen schon die Hundehalter übernehmen.“

2014 musste Trinler einen Zuchtbock einschläfern lassen, weil der in Panik vor einem Schäferhund geflohen war und sich in einem Drahtzaun verfangen hatte. Der Hundehalter „wollte mal testen, ob sein Hund auch Schafe hüten kann“, erzählt Trinler. Nach dem Vorfall wollte ihm der Hundehalter einen 50-Euro-Schein in die Hand drücken – „Stimmt so, oder?“ Ein Rassebock ist laut Trinler 500 bis 1800 Euro wert.

Seit neun Jahren ist der Barrier als Schäfer tätig. Er weiß, dass für den normalen Passanten Schafe meist nur „niedliche Dinger auf der Weide“ sind. „Die sehen natürlich nicht den Wert dahinter.“

Dass die Probleme in den vergangenen Jahren größer geworden sind, bestätigt auch Hans Lampe. Der Gesseler Landwirt vermisst das Gespür für das richtige Verhalten. Wenn auf den Futterflächen für seine Milchkühe jede Menge Hundehaufen liegen, „ist das für die Milcherzeugung absoluter Nonsens“.

Lampe fehlt bei vielen der Anstand, den die Landwirtschaft verdient hätte. „Der Verbraucher will Qualität, tut aber nichts dafür, dass uns das leicht gemacht wird.“ Das gelte zum Beispiel auch für Gartenschnitt, der mitunter achtlos ins Maisfeld geworfen wird. „Sieht ja keiner – bis nach der Ernte.“

In einem anderen Fall hörte Lampe eines Mittags gewaltiges Getöse im Kuhstall – und fand eine sechsköpfige Familie vor, die sich die Kühe mal aus der Nähe ansehen wollte. Auf die Frage, ob sie denn das Verbotsschild mit dem „wertvollen Tierbestand“ am Stalleingang nicht gelesen hätte, antwortete ein Besucher, man sei schließlich nicht vorn, sondern durch den Hintereingang hereingekommen…

Enttäuscht ist Schäfer Kay Trinler auch über das Verhalten vieler, die er mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert: Auf Verständnis ist er nur in Einzelfällen gestoßen, ganz im Gegenteil: Meist überwiegt Aggressivität. Erfahrungen, die Hans Lampe bestätigt.

Dutzende Einzelfälle zeichnen für Trinler und Lampe ein Bild mangelnden Respekts gegenüber der Landwirtschaft. „Für viele ist das ein Kavaliersdelikt“, ist sich Trinler sicher. Sie seien sich oft der Folgen nicht bewusst. Der 33-Jährige appelliert an Passanten, mehr Verständnis für die Sichtweise der Landwirte aufzubringen – und im Zweifelsfall das Gespräch mit den Weidetierhaltern zu suchen, wenn etwas Unerfreuliches passiert sein sollte.

„Wir würden alle Fragen aufnehmen und beantworten“, versichert Trinler. „Ich reiße niemandem den Kopf ab.“ Und dabei wirkt er schon wieder ein bisschen entspannter.

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