Der ganz normale Wahnsinn

Vogelwilde Elterntaxis und unklares Tempolimit: Gefahr vor Montessorischule

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Nur aus Richtung Schnepke herrscht Klarheit: Dort steht das 30er-Schild vor der Freien Schule (im Bild links). Aus der Gegenrichtung ist die Lage weniger eindeutig. 

Syke - Autos, die an den unmöglichsten Stellen den Anker werfen und unvermittelt stehen bleiben, Parken im absoluten Halteverbot mit Behinderung des übrigen Verkehrs – dieses Bild bietet sich im Grunde überall, wo Schulen sind. In Syke ist es an einer wohl besonders schlimm: Vor der Montessorischule. Die liegt am Ortsausgang in Richtung Schnepke. Und zwar in einer unübersichtlichen Kurve an einer Hauptverkehrsstraße.

„Schon mehrfach sind mir Mütter mit Kindern im Schlepptau fast vors Auto gelaufen, weil sie sich zwischen den Fahrzeugen hindurch auf die Fahrbahn begeben“, sagt der Syker Dieter Penderak, der dort regelmäßig unterwegs ist. „Da hilft auch Tempo 30 nichts.“

Zumal das Tempolimit in diesem Bereich auch nur teilweise ausgeschildert ist. Einen Steinwurf vor der Montessorischule – in Höhe der Seniorenresidenz Deutsche Eiche – gabelt sich die Straße in drei Richtungen. Nur am Hauptzweig Syke-Schnepke stehen Tempo-30-Schilder. Wer aus Richtung Okel oder Osterholz nach links abbiegt, kann also nicht erkennen, dass dort bis zum Ortsausgangsschild Tempo 30 gilt. Und wer nach rechts Richtung Stadtmitte fährt, darf sogar ganz regulär mit Tempo 50 am Altenheim vorbei. „Dort laufen aber die gleichen Schüler über die Straße“, sagt Dieter Penderak. „Und für die Bewohner vom Altenheim macht es beim Queren der Straße eigentlich keinen Unterschied, woher ein Auto kommt.“

Stadt nur für Schulwegsicherung zuständig

Die Syker Stadtverwaltung kennt das Problem, hat aber selber ein ganz anderes: Zwar ist die Stadt für die Schulwegsicherung zuständig, nicht aber für die Verkehrsregelung an Kreis- und Landesstraßen. Im konkreten Fall ist der Landkreis Diepholz die zuständige Verkehrsbehörde.

Die Straßenverkehrsordnung gebe den Behörden vor, nur da Verkehrszeichen aufzustellen, „wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend geboten ist“, erklärt der stellvertretende Fachdienstleiter Volker Töllner. „Dem Auswuchs des Schilderwaldes sollen damit Grenzen gesetzt werden.“

Im Bereich Deutsche Eiche /Montessorischule stellt sich für ihn die Situation so dar: „Der aus Okel oder Osterholz kommende Verkehrsteilnehmer ist gegenüber dem aus Schnepke kommenden Fahrzeugführer wartepflichtig, mindert seine Geschwindigkeit, ist aufmerksam und hält an. Die dann im Bereich der Schule/des Altenheims nach dem Anfahren erreichte Geschwindigkeit überschreitet die 30 km/h kaum. Weitere Verkehrszeichen hingegen würden den Bereich unübersichtlicher gestalten und keinesfalls der Verkehrssicherheit dienlich sein. Von einer Wiederholung wurde daher abgesehen.“

Waldparkplatz soll zur Hol- und Bringzone werden

Beim Thema Elterntaxis ist – siehe oben – dann aber die Stadtverwaltung gefordert. Bürgermeisterin Suse Laue verweist auf das Schulwegkonzept, das für das gesamte Stadtgebiet gerade in Vorbereitung ist. „Unser Ansatz war, den Waldparkplatz hinter der Deutschen Eiche als Hol- und Bringzone einzurichten. Dann bräuchten wir aber eine Querungshilfe in Höhe der Einmündung Am Amtmannsteich.“ Laues zuständige Sachbearbeiterin Freya Söchtig plädiere sehr für eine Bedarfsampel.

Insgesamt sei man im Rathaus mit der Verkehrssituation vor der Montessorischule „sehr unglücklich“, bekräftigt Suse Laue. Sie kommt auf dem Weg zur Arbeit selbst jeden Morgen an dieser Ecke vorbei. Und sie hat selbst wiederholt beobachtet: „Da werden die Kinder sogar zur Straßenseite aus dem Auto gelassen.“

Sollte es auf eine Bedarfsampel hinauslaufen, müsste die Stadt die selbst bezahlen. An der eigentlichen Ursache würde das vermutlich nur wenig ändern. Dieter Penderak bringt das auf den Punkt: „Da wirbt die Montessorischule mit bilingualem Unterricht, aber viele Eltern trauen ihren Kindern nicht einmal zu, vom Parkplatz neben der Deutschen Eiche bis zum Schulgebäude zu laufen. Das Problem sind die Eltern.“

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