Gästeführung: Türkisch-islamische Ditib-Gemeinde öffnet ihre Moschee

Herzlichkeit statt Prunk

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Gemeinsam heißen (hinten l.v.) Gästeführerin Christiane Tesch, Imam Abdurrahman Emin, Habibe Öztürk und Atilla Öztürk die Besucher der Moschee willkommen.

Syke - Von Frank Jaursch. Beinahe ein bisschen ehrfürchtig blickten Habibe und Attila Öztürk auf die Menschen vor dem Eingang ihres Gemeindehauses. Fast 70 Frauen und Männer waren gekommen, um einen Einblick in die Moschee an der Bahnhofstraße zu gewinnen. Die große Resonanz auf dieses Angebot hatte auch Christiane Tesch „ungeheuer überrascht“. Doch gemeinsam und mit viel Herzlichkeit bewältigten die Gästeführerin und das Gastgeber-Ehepaar der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde auch diese Herausforderung.

„Wir schicken niemanden nach Hause“: Kurzerhand bildete Tesch drei Gruppen. Eine konnte sich bei Tee und kleinen Köstlichkeiten – die Frauen der türkisch-islamischen Gemeinde hatten wieder Kurabiye (Kekse) und Tulumba (Spritzgebäck), Simit (Sesamringe) und Lokum (süße Würfel) „gezaubert“ – im Gartenbereich erholen, eine andere erfuhr von dem Imam Abdurrahman Emin viel Wissenswertes rund um den Glauben und das Beten.

Den dritten Teil übernahmen die Öztürks: Das Ehepaar, das sehr aktiv im Vorstand des Gemeindevereins tätig ist, brachte den Teilnehmern die Geschichte ihres Vereins näher.

„Wir haben jahrelang eine Gemeinschaft gesucht“, berichtete Habibe Öztürk, Frauenbeauftragte der Gemeinde. Schließlich habe man selbst den Verein gegründet und aus Spenden den Kauf der alten Villa finanziert. Der Kauf und Umbau zur Moschee „für alle Muslime aus Syke und Umgebung“ war ein Kraftakt, an dem sich viele der 80Mitgliedsfamilien aktiv beteiligten.

Ausgiebig hatten die Besucher die Möglichkeit, die Räume in Augenschein zu nehmen: Aus der Küche wurde der Waschraum, in dem die Männer vorm Gebet ihre rituelle Waschung vornehmen können. Aus zwei Räumen wurde ein großer Gebetssaal für die Männer, ein weiteres Zimmer wurde als Gebetsraum für die Frauen eingerichtet.

„Ein bisschen mehr Prunk und Glanz“ hätte sie schon erwartet, räumte eine Sykerin anschließend fast etwas enttäuscht ein. „Es ist doch sehr schlicht gehalten.“

Das stimmt: Holzvertäfelung und weiße Raufasertapete erwarten die Besucher, rote Teppich-Streifen auf der grünen Auslegeware geben die Richtung an, in die fünfmal täglich gebetet wird. An kleinen Haken in Kniehöhe hängen die schmucklosen Gebetsketten mit 99 Perlen. Auffallendstes Raumelement ist die Gebetsnische, in welcher der Imam während der Gebete kniet.

Klar, dass alle Teilnehmer die Moschee ohne Schuhe betraten. „Reinheit ist die Hälfte des Glaubens“, betonte der Syker Imam. Auch Disziplin gehört dazu, wenn früh morgens zum ersten Mal gebetet werden muss. „Wenn man damit aufwächst“, sagt Habibe Öztürk, „wird es zur Selbstverständlichkeit.“

Wann die richtige Zeit zum Gebet ist – die sich am Stand der Sonne orientiert – geben Tageskalender an. Und unterwegs? „Hat jeder heutzutage eine App auf dem Handy“, lächelt sie.

Offen und herzlich zeigen sich die Syker Muslime. Den Besuchern zeichnet sich so ein vielschichtiges Bild vom Gemeindeleben – mit Jugend- und Sozialarbeit, Seelsorge und Rentenbeauftragter, Frauenkreis und Fußball-Team.

Sykes Integrations-Tausendsassa Johannes Huljus, der Ditib-Gemeinde seit Jahren zugetan, zeigt sich sehr zufrieden mit der Resonanz. „Die Bereitschaft, sich zu informieren, ist da.“ Für den Syker Theo Lanfermann spielt auch die Identitätsfrage eine wichtige Rolle. Es sei wichtig zu erkennen, so erklärte er, dass die in Syke lebenden Muslime als Syker wahrgenommen werden.

Für Habibe und Atilla Öztürk ist die Gemeindearbeit fast ein Full-Time-Job – und zwar einer, den sie zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit ausüben. „Es ist anstrengend“, räumt Habibe Öztürk ein. Und fügt mit Blick auf die vielen freundlichen Gäste-Gesichter um sich herum hinzu: „Aber die positiven Rückmeldungen bauen einen auf. Das ist ein sehr schönes Gefühl.“

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