24 angehende Landwirte messen sich beim Kreisleistungspflügen

Furchenkritik in Schnepke

Bild links: Konzentriert ziehen die Auszubildenden Furchen in den Ackerboden. Bild oben: Arndt Frederik Lahmann. Fotos: Luka Spahr

Schnepke - Von Luka Spahr. „Pflügen ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Arndt Frederik Lahmann, während er mit konzentriertem Blick nach hinten schaut und den Rückwärtsgang einlegt. Langsam schwenkt das tonnenschwere, blaue Arbeitsgerät herum. Der junge Mann bewegt einen kleinen Schaltknüppel und die glänzenden Schare des Pflugs versinken im lockeren Ackerboden. Lahmann ist einer von 24 Auszubildenden, die am Kreisleistungspflügen in Schnepke teilgenommen haben.

Am Donnerstagvormittag bietet sich ein skurriles Bild in dem kleinen Syker Ortsteil. Auf dem Acker von Wilken Hartje stehen querfeldein verteilt zahlreiche Trecker. Auf kleinen mit Stöckchen und Pfeilern abgesteckten Gebieten brausen sie hin und her. Die Fahrer der PS-starken Arbeitsmaschinen: oft noch nicht mal 20 Jahre alt.

Das Kreisleistungspflügen ist kein verrückter Wettbewerb wie Handyweitwurf oder Nacktrodeln. Dabei ist Präzision gefragt. Deswegen ist der Wettkampf der Landwirtschaftskammer Niedersachsen seit etwa zehn Jahren fester Bestandteil der Ausbildung. 22 Männer und zwei Frauen, die konzentriert aus ihren kleinen, grünen Aussichts-Türmen die Ackerfurchen im Blick haben, sind allesamt Auszubildende im dritten Lehrjahr.

„Es geht nicht nur darum, ein Arbeitsgerät durch den Boden zu ziehen“, erläutert Jochen Kinne. Er ist Lehrer am Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup in Sulingen, viele der Landwirte auf dem Acker sind seine Schüler. Es gehe darum, den Pflug präzise auf den Boden und die gewünschte Breite und Tiefe der Furche einzustellen, so Kinne. Auf dem Bewertungsbogen der rund 20 Prüfrichter gibt es in sechs Kategorien insgesamt 100 Punkte zu holen. Es geht um gerade, gleichmäßige und aufgeräumte Furchen.

Wie wichtig das im späteren Arbeitsleben sein kann, hat auch Arndt Frederik Lahmann schon verstanden. Wenn man nur einen Zentimeter zu tief pflügt, bewege man viele überflüssige Tonnen Erde, erklärt er. Und: „Ein Fehler ist schwer auszugleichen.“ Deswegen macht Arndt bei seinen Erklärungen immer wieder kurze Pausen, um den Pflug im Blick zu behalten. Er ist noch ein wenig unsicher. Lachend gesteht er, dass er gerade zum zweiten Mal in seinem Leben einen Acker pflügt. Auf seinem Betrieb sei man auf alternative Arten der Bodenbearbeitung umgestiegen.

Während er und die anderen Azubis unter den Augen der Punktrichter pflügen, messen und durchrechnen, stehen ein paar Meter weiter auf dem Hof von Wilken Hartje Bodenqualität und Pflanzenbedürfnisse im Mittelpunkt. Für die Auszubildenden im ersten und zweiten Lehrjahr haben angehende Ausbilder den Pflanzenbautag organisiert. Dort geht es an verschiedenen Stationen um Bodenartbestimmungen mit dem Finger, das Entnehmen von Bodenproben oder das Erkennen von Unkräutern.

Gegen Mittag ist die letzte Furche schließlich gezogen. Nach einer kurzen Furchenkritik folgt die Siegerehrung. Der 18-jährige Pius Rasche vom Stuhrer Milchviehbetrieb André Mahlstedt hat mit seinem Vier-Schar-Pflug die besten Furchen gezogen. Für ihn geht es nun in den Landesentscheid.

Und Arndt Frederik Lahmann? Hat einen beachtlichen sechsten Platz gemacht. Nicht schlecht für einen, der bisher kaum gepflügt hat. Unter Landwirten würde man wohl sagen: ein Naturtalent.

Fotos und Video auf

www.kreiszeitung.de

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