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Für ukrainische Flüchtlinge: Syke stellt Koordinatorin ein

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Von: Michael Walter

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Narine Klinskiy ist seit wenigen Tagen Koordinatorin bei der Stadtverwaltung für die Betreuung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Die 39-Jährige ausgebildete Sozialassistentin lebt seit 1997 in Deutschland und ist als gebürtige Armenierin mit der russischen Sprache aufgewachsen.
Narine Klinskiy ist seit wenigen Tagen Koordinatorin bei der Stadtverwaltung für die Betreuung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Die 39-Jährige ausgebildete Sozialassistentin lebt seit 1997 in Deutschland und ist als gebürtige Armenierin mit der russischen Sprache aufgewachsen. © Michael Walter

Narine Klinskiy ist im Syker Rathaus die neue Koordinatorin für Ukraine-Flüchtlinge. Die Sozialassistentin war zuvor ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung tätig.

Syke – Ab sofort hat die Stadt Syke eine offizielle Koordinatorin für die Betreuung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine. Sie heißt Narine Klinskiy, ist 39 Jahre alt und gelernte Sozialassistentin. Ehrenamtlich hat sie in der Flüchtlingsbetreuung schon gearbeitet, seit die ersten Ukrainer in Syke angekommen sind. Jetzt macht sie das beruflich bei der Stadtverwaltung im Rathaus.

Kirchengemeinde empfiehlt der Stadt Narine Klinskiy

Narine Klinskiy ist sozusagen auf Empfehlung der Freien Evangelischen Gemeinde gekommen. „Deren Mitglieder haben 50 bis 60 Flüchtlinge privat aufgenommen“, erklärt Bürgermeisterin Suse Laue. „Da ist man natürlich in Kontakt und tauscht sich aus.“ Pastor Michael Martens kannte Narine Klinskiy aus der Gemeindearbeit, wusste um ihre Fähigkeiten und dass die Stadtverwaltung genau so jemanden dringend sucht.

„Wir brauchten dringend jemanden, der übersetzten kann“, erklärt die Bürgermeisterin. Bisher hatte das laut Laue vor allem eine Auzubildende des Landkreises geleistet, die einen Teil ihrer Ausbildung bei der Stadt Syke absolviert hat – ein durchaus übliches Verfahren. Jetzt musste sie aber zurück zum Landkreis und hinterließ im Rathaus eine deutlich spürbare Lücke. Die kann Narine Klinskiy jetzt füllen.

Die Stelle für sie hat die Stadt geradezu mit Lichtgeschwindigkeit geschaffen. Ohne Ausschreibung und ohne Bewerbungsverfahren. Eigentlich nicht mal denkbar im öffentlichen Dienst. „Das war auch nur möglich, weil es uns so pressiert hat und unser Personalrat sich einverstanden erklärt hat“, sagt Suse Laue. „Und weil ohnehin kein großes Bewerberfeld zu erwarten gewesen wäre.“

Narine Klinskiy ist selber Flüchtlingskind ‒ ihre Familie kam 1997 aus Armenien

Narine Klinskiy ist selber Flüchtlingskind: Geboren und aufgewachsen ist sie in Armenien. Im Krieg zwischen Armenien und Aserbaidjan musste ihre Familie fliehen. 1997 kam sie nach Deutschland. Syke wurde das neue Zuhause. „Ich kam in die achte Klasse und konnte kein Wort Deutsch“, erzählt sie. Ein Jahr musste sie wiederholen, aber den Realschulabschluss hat sie trotzdem geschafft und anschließend Sozialassistentin gelernt. Dann folgten Heirat, Umzug und drei Kinder. Seit 2017 lebt sie mit ihrer Familie jetzt wieder in Syke.

Kontakt

Mobiltelefon: 0160 / 94 69 85 85

E-Mail: Narine Klinskiy

Als gebürtige Armenierin ist Narine Klinskiy mit Russisch als Amts- und Geschäftssprache aufgewachsen. Das kommt ihr jetzt bei der Flüchtlingsarbeit zugute.

Nein: Ukrainisch ist nicht Russisch. Aber beide Sprachen sind sich sehr viel ähnlicher als beispielsweise Deutsch und Niederländisch, und wer die eine Sprache kann, kommt mit der anderen gut klar. Und auch wenn Russisch jetzt die Sprache des Aggressors ist: „Ich frage die Ukrainer immer gleich zu Anfang, ob es in Ordnung ist, wenn wir Russisch miteinander sprechen. Bisher hat noch niemand damit ein Problem gehabt“, sagt Narine Klinskiy.

Aktuell sind laut Suse Laue 225 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Syke. Und es ist ein ständiges Kommen und Gehen: „Manche ziehen mit Verwandten zusammen. Manche ziehen in eine größere Stadt. Und einige wenige sind auch schon wieder in die Ukraine zurückgegangen.“

Die erste Frage der allermeisten Flüchtlinge: „Wo kann ich hier arbeiten?“

Die ersten „dienstlichen“ Kontakte hat Narine Klinskiy schon gehabt. „Ich erzähle jetzt nicht die nächsten 14 Schritte, die auf die Flüchtlinge zukommen, sondern immer nur die ersten zwei oder drei“, sagt sie. Und was sie dabei beobachtet hat: „Die erste Frage am ersten Tag lautet fast immer: Wo kann ich hier arbeiten? Und die zweite: Wo kann ich Deutsch lernen? – Die wollen sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und nicht von Sozialhilfe leben.“

Mit zwölf Stunden pro Woche hat Narine Klinskiy ein paar weniger im Arbeitsvertrag als Suse Laue sich gewünscht hätte. Mehr war aus privaten Gründen aber nicht drin, lassen beide durchblicken. Der Vertrag ist bis Ende des Jahres befristet. Die Bürgermeisterin hofft, dass mehr daraus wird. Und wenn nicht auf der Koordinatorenstelle: „Wir brauchen auch Sozialassistentinnen.“

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