Nutzer des Pilgerzimmers im Hachehuus machen schon mal bei Chorproben mit

Für eine Nacht ein Teil der Gemeinde

Bild oben: Pilger Hans-Georg Lück macht es sich auf dem Bett im Pilgerzimmer des Hachehuuses bequem. Pastorin Susanne Heinemeyer und Pilger-Betreuer Rainer Ochmann freuen sich auf die gute Resonanz auf das neue Angebot im Barrier Gemeindehaus. Bild rechts: Einblick in das Gästebuch, in dem sich mittlerweile fast 70 Pilger verewigt haben.
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Bild oben: Pilger Hans-Georg Lück macht es sich auf dem Bett im Pilgerzimmer des Hachehuuses bequem. Pastorin Susanne Heinemeyer und Pilger-Betreuer Rainer Ochmann freuen sich auf die gute Resonanz auf das neue Angebot im Barrier Gemeindehaus. Bild rechts: Einblick in das Gästebuch, in dem sich mittlerweile fast 70 Pilger verewigt haben.

Barrien – Fast hätte Hans-Georg Lück das Pressegespräch verpasst: Am Ende seiner Pilgeretappe hatte es sich der Goldenstedter für einen Moment auf dem Bett in seinem Pilgerzimmer bequem gemacht – und wäre um ein Haar eingenickt. Die Unterkunft des 59-Jährigen für diese Nacht hat eine Besonderheit: Sie ist eigens zu dem Zweck gebaut worden, Wallfahrern in Barrien eine Unterkunft zu bieten.

Als das neue Gemeindehaus der Bartholomäus-Gemeinde – das spätere „Hachehuus“ – konzipiert wurde, war ein Pilgerzimmer ein ausdrücklicher Wunsch vieler. „Es ist schon was Besonderes, wenn man als Kirchengemeinde direkt am Jakobsweg liegt“, erklärt Pastorin Susanne Heinemeyer. „Wenn wir jetzt schon so groß und schön bauen , wollten wir das auch weiter verfolgen.“

Also richtete man am hinteren Ende des Hachehuuses ein kleines Zimmer ein: ein Tisch, ein Regal, ein Etagenbett. Schmucklos, aber sauber. „Wenn wir eine gastfreundliche Gemeinde sein wollen, gehört so was dazu“, findet Heinemeyer.

Natürlich hatten Pilger auch in den Jahren zuvor in Barrien stets eine Bleibe für eine Nacht gefunden: Eine ganze Reihe von Mitgliedern der Gemeinde hatte sich in einer Gruppe organisiert; sie erklärten sich bereit, den Gästen eine Unterkunft anzubieten. Auch im alten Pfarrhaus konnte man – theoretisch – übernachten. Auch wenn das ohne richtiges Bett und ohne warme Dusche am nächsten Morgen keine so verlockende Aussicht war.

Zur Eröffnung im Februar 2019 war das Pilgerzimmer im Hachehuus dann fertig eingerichtet. Und das war gut so. Denn am Tag der großen Feierlichkeiten stand plötzlich eine Pilgerin vor der Festgemeinde. Mit Hund. Sie war die erste, die das Angebot annahm – und die erste, die sich auch im Pilgerbuch verewigte.

Das bordeauxrote Büchlein liegt im Pilgerzimmer aus, und alle Gäste sind aufgefordert, ein paar Sätze darin zu hinterlassen. Nicht alle, aber die meisten Besucher machen davon Gebrauch. Viele loben die herzliche Aufnahme und die moderne Unterkunft.

Es gibt Einträge auf Spanisch und Französisch, Grüße mit kleinen Zeichnungen oder – sehr oft – Worte des Dankes an die Gastgeber. Manche schreiben nur einen kurzen Satz, andere lassen den Leser einen Einblick ins eigene Seelenleben gewinnen. Sogar ein Landwirt auf der Wanderschaft fand im Hachehuus einen Platz für die Nacht.

So unterschiedlich wie die Einträge im Gästebuch sind auch die Menschen, die das Angebot annehmen. Manche bleiben gern für sich, andere suchen aktiv den Kontakt. „Es gab mehrere, die abends bei unserer Chorprobe im Hachehuus mitgemacht haben“, sagt Susanne Heinemeyer lächelnd. Andere hätten sich in die Reihen der Zuschauer bei einem der „Kirche und Kino“-Filme gesetzt.

Noch immer kümmert sich eine kleine Gruppe Freiwilliger um die Organisation der Unterbringung. Wenn es mehrere Pilger an einem Tag gibt, ist natürlich nach wie vor die private Übernachtung möglich. „Das wird in der Regel ganz unkompliziert hier lokal geregelt“, sagt Rainer Ochmann, einer der potenziellen Pilger-Gastgeber. Wenn möglich – und fast immer ist es möglich – gibt es einen persönlichen Kontakt zu den Pilgern. Im Notfall können sie sich aber auch über einen Schlüsselkasten mit Zahlencode Zugang zu ihrer Bettstatt verschaffen.

Für Pilger Hans-Georg Lück endet der Abend schließlich doch noch in wohlverdienter Ruhe in „seinem“ Bett im Hachehuus. Am nächsten Tag will er es in einem Rutsch bis Wildeshausen schaffen.

Buen Camino!

Von Frank Jaursch

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