Früher gab es eine Abbruchprämie für Häuerlingshäuser, jetzt spürt ein Historiker ihnen nach

Erst abgerissen, nun wertvoll

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Ralf Weber bearbeitet ein Bild für die Datenbank.

Landkreis Diepholz - Von Dieter Niederheide. Sie wussten nicht, was sie taten. Die Kreistagspolitiker des Landkreises Grafschaft Hoya beschlossen um 1969, für jedes Häuslingshaus eine Abbruchprämie von 1000 DM zu zahlen. Erst als am 1. April 1979 das Denkmalschutzgesetz erlassen wurde, blieben einige verschont. Heute ist es soweit, dass die verbliebenen Häuser erfasst werden sollen.

Der Kreisheimatbund Diepholz ist in Kooperation mit dem Kreismuseum in Syke auf der Suche nach noch vorhandenen Häuslingshäusern in den Altkreisen Grafschaft Hoya und Grafschaft Diepholz. Mit Historiker Ralf Weber (44) wurde ein Mann gefunden, der sich dem Häuslings- oder Heuerlingswesen schon seit Jahren verschrieben hat und darüber eine Abschlussarbeit schrieb, die mit dem Wissenschaftspreis der OLB honoriert wurde.

Seit Januar trägt er die von ehrenamtlichen Heimatforschern aus den Reihen des Kreisheimatbundes erforschten und auf einen umfassenden Fragebogen eingetragen Häuslingshäuser in eine Datenbank ein. Dazu kommen Dokumente (wie beispielsweise Verträge zwischen Landwirten und Häuslingen), alte Fotos und Gespräche mit Zeitzeugen.

„Diese Zusammenarbeit mit den Heimatforschern ist sehr ersprießlich, man spürt deren Verbundenheit zur Region“, sagt Weber. Die Ergebnisse werden von ihm digital erfasst, dazu auch in grauen Kartons archiviert.

Begeistert ist der Historiker, wenn Zeitzeugen – wie in diesen Tagen eine 74-jährige Sykerin und Tochter eines Häuslings im Raum Barnstorf – kommen und Interessantes berichten. Bislang hat Ralf Weber in die Datenbank schon rund 50 Fragebögen, davon 35 in Verbindung mit Häuslingshäusern, eingespeist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige der noch vorhandenen bewohnbaren Häuslingshäuser Flüchtlingen als Unterkunft zur Verfügung gestellt, unter anderem in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen und im Raum Siedenburg. Weber besucht Stadt- und Gemeindearchive, ist dort schon fündig geworden und hat für seine Arbeit wichtige Unterlagen ausfindig machen können.

Für die Erforschungsarbeit wichtig sind, so Weber, die Fragebögen. „Ich habe selber schon damit Interviews geführt“, sagt Weber. Manchmal wurde die Arbeit der Häuslinge auch besonders gewürdigt. In dem Buch „Clues – unser Dorf“ des verstorbenen Albert Gehrke ist zu lesen, dass der Häusling Johann Cordes das Bundesverdienstkreuz am Bande bekam, weil er 50 Jahre für den Bauernhof Rehmstedt-Winkelmann tätig war. Cordes war zudem noch Fleischbeschauer.

Ziel des ganzen Projektes ist, laut Weber, die Erfassung des Häuslingswesens für den Landkreis Diepholz, weiße Flecken soll es am Ende der Arbeit nicht geben. Vorgesehen ist es, am Ende eine Publikation zu erstellen, zudem soll es eine Wanderausstellung (ähnlich der über die Aktion Spurensuche) geben. Der Historiker: „Bis dahin ist aber noch sehr viel Arbeit zu erledigen.“

Der Arbeitskreis Häuslingswesen des Kreisheimatbundes trifft sich am 14. September wieder im Kreismuseum in Syke.

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