Freude und Wehmut beim Abschluss des Comenius-Camps am Gymnasium

„Jetzt sprechen wir alle dieselbe Sprache“

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Comenius-Abschlussveranstaltung am Gymnasium.

Syke - Von Juraij Sivulka. Junge Menschen signieren gegenseitig weiße T-Shirts, tauschen Adressen und Telefonnummern aus und versuchen, womöglich schon einen ungefähren Termin des Wiedersehens zu vereinbaren: Schon eine Stunde vor dem Auftakt der finalen Veranstaltung geht es im Forum des Gymnasiums zu wie in einem Ameisenhaufen.

Nach zwei Jahren der intensiven Zusammenarbeit steht ein aufwendig gestaltetes internationales Projekt vor seinem Abschluss. „Heimat(los) in Europa“ heißt dessen zentrales Thema im Rahmen des Comenius-Projekts.

Dass Schüler aus Finnland, Litauen, Polen, Portugal, Tschechien, der Türkei und Deutschland schnell zueinander gefunden haben, wird bereits zum Auftakt der knapp dreistündigen Abschlussveranstaltung sichtbar.

Erst wenige Stunden zuvor hatten sich Nadia und Pedro aus Portugal sowie Michal und Dorota aus Polen bereit erklärt, durch die Veranstaltung zu führen. Der Mut der Moderatoren wird vom Publikum mit kräftigem Applaus honoriert, und schon geht es auf eine Reise, die die Höhepunkte der zweijährigen Zusammenarbeit aufzeigt.

Auf vielfältige Weise wird von den jeweiligen Ländern der Schwerpunkt „Migration“ in Bildern und kurzen Theatersequenzen interpretiert. Der erste Teil des Theaterstücks wurde bereits im Oktober 2014 in Odry (Tschechien) mit dem Schwerpunkt Auswanderung auf die Bühne gebracht. Die Aufführung in Syke widmet sich der Ankunft in einem fremden Land.

Da die meisten Beiträge fast wortlos und nur durch Gestik und Mimik begleitet werden, entsteht im Raum öfter ein Moment der nachdenklichen Stille und des Innehaltens, zumal die Ebenen der Ausgrenzung, der Ignoranz und des Verlassenwerdens sehr präsent sind. Doch am Ende begegnen sich die Gruppen und finden zueinander, womit sie die Wichtigkeit der Idee der Völkerverständigung unter Beweis stellen.

Zu den 65 Schülern auf der Bühne gesellen sich nun 30 beteiligte Lehrkräfte und intonieren gemeinsam ihr Comenius-Lied. Zur Melodie von „Somebody that I used to know“ tragen die Ländergruppen selbstgeschriebene Strophen in der jeweiligen Landessprache vor, verbunden durch einen gemeinsamen englischen Refrain.

Dass die Idee der Völkerverständigung nicht nur auf der Bühne erfolgreich verlaufen kann, bestätigt der 18-jährige Michal Kopecky aus Odry: „Es ist sehr schön, in so kurzer Zeit Freunde aus anderen Ländern zu finden, mit denen man auch nach dem Abschluss des Projekts im Kontakt bleibt.“

Auch Elsa Silvan (16) aus Helsinki kehrt mit schönen Erinnerungen in ihre Heimat zurück: „Die Zusammenarbeit funktionierte trotz so vieler Herkunftsländer reibungslos. Man hat Freundschaften geschlossen und wird diese sicher auch über das Projekt hinaus pflegen.“

Aber der Abend bringt nicht nur melancholische Töne mit sich. Als die Rock-Band des Syker Gymnasiums spielt, entsteht im Theater eine fröhliche und ausgelassene Atmosphäre. Es wird mitgesungen, geklatscht und gefeiert.

Am Ende schlägt die Stimmung aber schlagartig um: Den Teilnehmern wird bewusst, dass ihr Projekt unwiderstehlich zu Ende geht. Noch während des letzten musikalischen Beitrags bilden sich bunt gemischte Gruppen, die Schüler liegen sich in den Armen, etliche müssen zum Taschentuch greifen. Diesem Augenblick der Melancholie, in dem gleichzeitig Freuden- und Wehmutstränen fließen, verleiht die Sykerin Nele Bo Müller (14) einen sehr treffenden Ausdruck: „Ich hätte nie gedacht, dass man sich in einer Woche so nahe kommen kann. Jetzt sprechen wir alle dieselbe Sprache.“

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