Flurbereinigung zwischen Gessel und Leerßen / Wasserverband schießt quer

Freud und Leid im Altdorf

Beiderseits der Bahn erstreckt sich der Bereich für die Flurbereinigung in Gessel. Kommt das Verfahren tatsächlich zustande, würde sich die Stadt freuen. Sie könnte für wenig Geld viel Feldweg sanieren.
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Beiderseits der Bahn erstreckt sich der Bereich für die Flurbereinigung in Gessel. Kommt das Verfahren tatsächlich zustande, würde sich die Stadt freuen. Sie könnte für wenig Geld viel Feldweg sanieren.

Gessel – Freud’ und Leid liegen oft eng beieinander, sagt der Volksmund. In Gessel nur einen Katzensprung. Auf der einen Seite des Altdorfs kann die Stadt – wenn alles gut läuft – für wenig Geld die maroden Wirtschaftswege instandsetzen. Auf der anderen sorgt eine nicht im Vorfeld abgesprochene Baumaßnahme für unnötige Mehrbelastungen und damit für Ärger.

Von der Nordumgehung bis zum Spreeken, und dann beiderseits der Bahn: Auf – ganz grob – dieses Areal erstreckt sich das Plangebiet für die Flurbereinigung in Gessel. Darüber informierte jetzt die Stadtverwaltung.

Flurbereinigung ist ein Verfahren, mit dem ländlicher Grundbesitz neu geordnet werden kann. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn sich die Besitzverhältnisse über Jahrhunderte so entwickelt haben, dass die einzelnen Besitzer überall verstreut viele kleine Flächen haben, kann man sie über die Flurbereinigung zu größeren zusammenhängenden – und damit besser nutzbaren – Flächen zusammenlegen. Indem so hin- und hergetauscht wird, dass am Ende alle passt.

Genau darum geht es in diesem Fall aber ausdrücklich nicht, betont Bauamtsleiter Hein Sievers. Vielmehr sollen die Flächen neu geordnet werden, damit zusätzliche Bereiche für den Naturschutz gewonnen werden können. Eigentlich schielen Stadt und Politik aber auf eine Sanierung der maroden Wirtschaftswege in diesem Bereich. Die könnte dabei gewissermaßen als Abfallprodukt herauskommen. Und weil das Land im Idealfall 75 Prozent der Kosten übernähme, hätte das für Syke ganz besonders Charme. „Es muss aber auf jeden Fall was für den Naturschutz dabei rumkommen,“, betont Hein Sievers. „Das ist Bedingung.“

Es gibt noch kein formales Verfahren. „Wir sind da ganz am Anfang“, so Sievers. Andreas Petermann spielt dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle: Der wohnt in Gessel und arbeitet beim Amt für Regionale Landentwicklung (ARL) in Sulingen. Das ist die Behörde, die solche Flurbereinigungsverfahren steuert. Laut Sievers habe Petermann quasi auf dem kleinen Dienstweg bei seinem Arbeitgeber angefragt, ob ein Verfahren für Gessel überhaupt in Frage käme. Antwort seines Arbeitgebers: Grundsätzlich schon.

Olaf Stührmann ist der zuständige Dezernatsleiter beim ARL in Sulingen. Er erklärt: „Bevor es zu einem Flurbereinigungsverfahren kommt, müssen wir erst mal Ziele und Maßnahmen erarbeiten. Das geschieht vor Ort in einem Arbeitskreis. Was muss gemacht werden? Wie hoch wäre der Kostenaufwand? Wir wollen das bis zum Frühherbst so weit bringen, dass die Syker Politik und das Landwirtschaftsministerium in Hannover darüber entscheiden können.“ Unterstützt das Ministerium die Idee, könnte 2022 das Verfahren eingeleitet werden. Die Umsetzung würde mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Dagegen künden entlang der Syker Straße blaue Rohre schon jetzt von einer Baumaßnahme: Da will der Wasserbeschaffungsverband eine Trinkwasserleitung erneuern. Und die Stadtverwaltung is not amused.

Die blauen Rohre im Altdorf Gessel sind für die Stadtverwaltung dagegen ein echtes Ärgernis. Der Wasserbeschaffungsverband will die Trinkwasserleitungen sanieren, hatte das aber vorher nicht abgesprochen.

„Normalerweise sollen sich alle Versorger einmal im Jahr untereinander über ihre geplanten Maßnahmen absprechen, damit bestimmte Sachen vielleicht gemeinsam erledigt werden können“, erklärt Hein Sievers. In diesem Fall sei nicht nur das nicht passiert. „Die hatten sich überhaupt nicht bei uns gemeldet“, sagt Sievers. „Wir haben das nur mitbekommen, weil sie beim Ordnungsamt wegen einer Baustellenabsicherung nachgefragt haben.“

Im Rathaus sind sie deshalb jetzt richtig sauer auf den Verband. Sievers spricht von einem Verstoß gegen den Konzessionsvertrag. Die Stadt will auf dieser Strecke Laternen für den Radweg installieren (wir berichteten). „Das hätte man ohne Weiteres gleich mitmachen können.“

Von Michael Walter

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