Anika Ochocinska und Lasse Dänekas seit August dabei

Freiwilligenjahr bei Intakt: Gemeinschaft mitgestalten

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Anika Ochocinska (19) und Lasse Dänekas (20) absolvieren gerade zusammen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Jugendtreff Intakt. Eingesetzt werden sie in der Schulsozialarbeit an der Grundschule am Lindhof und an der GTS 2001.

Syke - Von Michael Walter. Manuela Wiese ist seit fünf Jahren pädagogische Leiterin bei Intakt an der Bassumer Straße. Seit zehn Jahren ist sie in der Sozialpädagogik tätig und erlebt trotzdem immer noch Premieren. Zum Beispiel im Moment. „Dieses Schuljahr ist es das erste Mal, dass wir bei Intakt gleich zwei junge Menschen für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr haben.“

Anika Ochocinska (19) und Lasse Dänekas (20) heißen die beiden. Im vorigen Jahr haben sie am Syker Gymnasium ihr Abi gemacht. Seit dem 1. August sind sie bei Intakt.

Intakt steht für „Integration durch Aktivität“. Dahinter verbirgt sich ein multikultureller offener Treff für Kinder und Jugendliche. Träger ist der Verein Welthaus Barnstorf. Die Stadt Syke unterstützt den Treff finanziell.

Zu seinen Aufgaben zählt die „klassische“ Jugendarbeit von Hausaufgabenhilfe bis zum Bewerbungstraining. Intakt berät aber auch in psychosozialen Fragen, zum Beispiel bei Problemen in der Schule oder mit den Eltern.

Ökologisch und nicht „sozial“ ist das Freiwillige Jahr bei Intakt aufgrund der ökologischen Ausrichtung des Trägervereins. „Bei uns fällt das Ö schon ein bisschen herunter“, gesteht Manuela Wiese. Letztlich stört das aber weder sie noch die Freiwilligen.

Herausforderungen durch Integration und Inklusion

Lasse Dänekas ist an der Grundschule am Lindhof als Unterrichtsunterstützung im Einsatz. „Früher hat eine Lehrerin eine Klasse betreut, und fertig“, sagt er. „Heute sind wir zu dritt oder zu viert, und es reicht immer noch nicht.“

Die unmittelbare Folge von Integration, Inklusion und Auflösung der Förderschulen. Die Lehrkraft unterrichtet den Hauptteil der Klasse, eine zweite Person kümmert sich um Kinder mit sprachlichen Problemen. Sind Kinder mit geistigen Behinderungen in der Klasse, kümmert sich eine dritte Person um sie.

Lasses Aufgabe ist es, einzelne Gruppen aus dem Klassenverband herauszunehmen und gesondert zu betreuen. „Das können Kinder sein, die gerade ganz besonders großen Förderbedarf haben, weil sie etwas nicht verstehen. Das können aber auch Kinder sein, die sich im Moment vom Unterricht unterfordert fühlen.“ Dänekas kann mit diesen Gruppen beispielsweise Arbeitsblätter noch mal durchgehen oder spezielle Lernspiele spielen.

Einsatz an der Schule und im Jugendtreff

Anika Ochocinska ist an der GTS 2001 als zweite Kraft im Unterricht für die fünften und sechsten Klassen dabei. Auch ihr Job ist es, einzelne Gruppen aus dem Klassenverband herauszunehmen und zu betreuen. „Manchmal unterstütze ich auch die Lehrer, wenn gerade großer Erklärungsbedarf ist und sie sich nicht um alle Fragen gleichzeitig kümmern können.“

Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringen die beiden an den Schulen, den Rest bei Intakt an der Bassumer Straße. Dort betreuen sie die Kinder und Jugendlichen bei den Hausaufgaben oder lernen mit ihnen für Klassenarbeiten und dergleichen. „Und wenn dann noch Zeit übrig ist, spielen wir auch mal zusammen“, sagt Anika.

Ein besonderer Aspekt ist für beide das Projekt „Sichtwechsel“, an dem sie mitwirken. Es behandelt die Flüchtlingsproblematik und zielt darauf ab, sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Flüchtlingen die Vorbehalte und Ängste auf der jeweils anderen Seite deutlich zu machen – und sie dadurch letztlich abzubauen.

Selbst bei Kindern sitzen Vorurteile schon tief

„Ein Flüchtling und ein Einheimischer gehen dabei als Team in Schulklassen und Jugendgruppen“, erklärt Lasse Dänekas. Was sie dabei erfahren haben: Selbst bei Kindern sitzen Vorurteile schon tief. „Kommentare wie ,Das sind doch alles Terroristen’ oder ,Die kommen doch nur hierher, um Geld abzuzocken’ haben wir öfter gehört. Wir mussten viel Aufklärungsarbeit leisten, was es eigentlich für einen Menschen bedeutet, wenn er in einem Kriegsgebiet lebt, und was es heißt, wenn man nur mit einer Plastiktüte als Gepäck in einem fremden Land ankommt.“ Vor allem Filme hätten sich dabei als hilfreich erwiesen, sagt Lasse. „Die häufigste Reaktion danach war: Oh, das haben wir so nicht gewusst.“

Dadurch dass in jedem Team selbst ein Geflüchteter dabei war, der von seinen Erlebnissen erzählen konnte, sei es mitunter sehr emotional geworden. „Da sind dann auch mal Tränen geflossen“, sagt Lasse. „Und dann fingen zwei Kinder aus der Klasse an, zum ersten Mal vor einer Gruppe ihre eigene Fluchtgeschichte zu erzählen.“

Für Anika Ochocinska und Lasse Dänekas läuft ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr am 31. Juli aus. Zum 1. August nimmt Intakt neue Freiwillige an. „Die Bewerbungsphase läuft bereits“, sagt Manuela Wiese. „Bewerben können sich junge Leute ab 18 aufwärts, die Lust haben, Gemeinschaft mitzugestalten und mit Menschen zu arbeiten. Einfach herkommen oder anrufen.“ Wiese ist zu erreichen unter 01515 / 61 423 24 oder per E-Mail.

elawi1@web.de

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