Selbstständig statt arbeitslos: Aliko Karadag betreibt das Hähnchenhaus Heiligenfelde

Freiheit ist eine Imbissbude

Wegen eines Hähnchenwagens war Aliko Karadag im Herbst nach Heiligenfelde gekommen. Stattdessen hat er den leerstehenden Imbiss übernommen. Mitten im Lockdown, war das keine leichte Entscheidung. Außer Hähnchen gibt’s übrigens das komplette Imbissprogramm.
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Wegen eines Hähnchenwagens war Aliko Karadag im Herbst nach Heiligenfelde gekommen. Stattdessen hat er den leerstehenden Imbiss übernommen. Mitten im Lockdown, war das keine leichte Entscheidung. Außer Hähnchen gibt’s bei ihm übrigens das komplette Imbissprogramm.

Heiligenfelde – Wenn jemand mitten im Corona-Lockdown eine Gastronomie eröffnet, ist er entweder sehr mutig oder sehr verzweifelt. Auf Aliko Karadag trifft wahrscheinlich gleichermaßen beides zu. Er betreibt seit November den Imbiss an der B 6 in Heiligenfelde unter dem Namen „Hähnchenhaus Heiligenfelde“. Und er hat eine harte Zeit hinter sich.

Kein einfaches Pflaster. Der Standort an der Bundesstraße ist eigentlich gut, aber nicht schön. Direkt nebenan: die baufälligen ehemaligen Räume einer Tankstelle und eines Viehhändlers. Nicht gerade einladend. Und hinzu kommt: In den letzten paar Jahren haben die Heiligenfelder reichlich neue Imbissbetreiber kommen sehen – und wieder gehen. Aliko Karadag hat den festen Willen, damit zu brechen und in Heiligenfelde dauerhaft Fuß zu fassen.

Aber wie kommt ein Mensch auf die Idee, sich ausgerechnet mitten in der größten Krise, die die Gastronomie in Deutschland seit Jahrzehnten gesehen hat, in diesem Metier selbstständig zu machen?

Die Antwort: Ein Stück weit aus der Not heraus, ein Stück weit aus Zufall und Gelegenheit und ein großes Stück aus Hoffnung.

Aliko Karadag ist alles andere als blauäugig oder gar naiv. Er steht mit beiden Beinen auf der Erde, ist 54, hat seine familiären Wurzeln in der Türkei, ist aber in Bremen aufgewachsen. „Ich bin Norddeutscher“, sagt er. Und er ist vom Fach: Gelernter Restaurantfachmann mit reichlich Hotel- und Küchenerfahrung. In Bad Zwischenahn hat er gearbeitet, im Oldenburger Park-Hotel und im Hotel „Leidenschaft“ auf Spiekeroog.

Durch Corona ist er arbeitslos geworden: Das Haus, in dem er zuletzt tätig war, musste schließen und sein Chef ihn entlassen. Eine Zeit ging das gut. „Aber dann hat mich das Rumsitzen zuhause wahnsinnig gemacht“, erzählt er. Und dann hat er entschieden, sich selbstständig zu machen. Als Reisegewerbetreibender mit einem Hähnchenwagen.

Doch das war gar nicht so einfach. Erst fand er in ganz Niedersachsen keinen vernünftigen Standort. Und dann keinen Wagen. Nach Heiligenfelde ist er gekommen, weil da einer zu verkaufen war. Genau neben dem leerstehenden Imbiss. „Ich hab gefragt: Was ist denn mit dem Laden da? Und mein Gesprächspartner hat gesagt: Wenn du willst, kannst du den haben.“

Aliko Karadag wollte. Und ihm war klar, worauf er sich da eingelassen hatte. „Das war hart“, erzählt er. „Ich bin an manchen Tagen mit 10 oder 15 Euro Tageskasse nachhause gegangen. Praktisch keine Einnahmen, aber am Monatsende musst du Strom, Gas, Wasser und die Miete zahlen. Aber ich bin am Ball geblieben.“

Wenn er so erzählt, welche Probleme er hatte, die laufenden Kosten zu tragen, von seiner Frau, die mit ihrem Teilzeitjob die Familie über Wasser gehalten hat, und von den beiden Kindern – zwei Jungs – denen er ein gutes Vorbild sein möchte, dann benutzt er immer wieder die Worte Disziplin, Ehrgeiz und Verantwortung den Kindern gegenüber. „Ich gehe morgens um halb acht aus dem Haus und bringe unseren Kleinen in den Kindergarten. Dann fahre ich direkt nach Heiligenfelde. Und vor zehn bin ich abends nicht wieder zuhause.“ Andere würden da vielleicht lieber von Stütze leben. „Aber was sollen meine Kinder denn dann von mir denken?“

Aliko Karadag weiß, dass er wirtschaftlich noch lange nicht übern Berg ist. „Im Moment mache ich keinen Gewinn. Aber ich kann die Kosten tragen. Ich möchte hier nicht reich werden, aber unabhängig von anderen. Damit meine Kinder eine gute Zukunft haben.“

Langsam, sagt er, hat er das Gefühl, vom Dorf angenommen zu werden. „Aber es muss sich irgendwann auch lohnen. Ich möchte nicht auf Dauer sechs Tage die Woche umsonst 25 Kilometer hin und zurück fahren.“ Karadag weiß: „Sowas muss sich schrittweise entwickeln.“ Er arbeitet dran. Mit viel Leidenschaft, Energie und mit guter Qualität, die er abliefern will. „Ich möchte sehr gerne sehr lange hier bleiben.“

Von Michael Walter

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