Die Freiheit der Gedanken

Syker Gymnasiasten präsentieren beeindruckende literarische Collage

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„Von Ferne und Nähe, Suche und Ankommen“: Unter diesem Motto stand der literarisch-musikalische Abend im Kulturforum des Gymnasiums. 

Syke - Von Juraj Sivulka. „Irgendwo auf der Welt gibt es ein bisschen Glück“: Mit diesen Worten begannen die etwa 50 Interpreten ihren literarisch-musikalischen Abend, um sich sofort auf die Suche nach diesem zu begeben. Aber, was ist eigentlich Glück? 

Schnell stellte sich heraus, dass die Antwort auf diese Frage oft komplizierter ist, als man denkt. Trotz vieler Möglichkeiten war man sich schnell einig, dass die besten Antworten in der Geschichte der Literatur zu finden seien. Und schon befanden sich die im Kulturforum zahlreich erschienenen Gäste wie im Handumdrehen auf einer Reise durch die literarischen Epochen, die es in sich hatte.

Die schwierigen Bedingungen, unter denen die meisten Flüchtlinge leben müssen, bildeten einen ersten Schwerpunkt des Programms mit dem Titel „Von Ferne und Nähe, Suche und Ankommen“. Zu den Gedichten von Nietzsche und Brecht wurden auf der Leinwand Bilder der Flucht projiziert, wodurch im Publikum sofort eine sehr nachdenkliche Stimmung zu spüren war. „Das Leben in einer Welt, die so weit, so offen und doch so verschlossen“ - diese Worte brachten das Befinden der Heimatlosen treffend zum Ausdruck. Daraus entwickelten sich die weiteren prägenden Schlagwörter des Abends - Liebe und Heimat.

Hatte man vielleicht nach den ersten Sequenzen weitere Gedichtvorträge erwartet, so wurde man eines Besseren belehrt. Die angehenden Abiturienten der Deutschkurse von Dr. Ute Jahnke, Celeste Schumacher, Jutta Röscher und Katharina Ries zeigten ein unglaublich breites Spektrum der Programmgestaltung. Poetry Slam, Streitgespräche, Gedichtvorträge, Ballett, Gesang, Quiz-Show und eine Menge Musik, gespielt an mehreren Instrumenten, boten eine bunte und spannende Unterhaltung. Da trafen in einer imaginären Szene Lessing, Goethe, Kafka und Brecht aufeinander, um die Frage zu beantworten, was dem Menschen im Leben Halt gibt. Die Antwort fiel aber nie eindeutig aus, denn jede Literaturepoche hatte ihre eigenen Schwerpunkte. Diese Freiheit der Gedanken kam sehr schön in der Sequenz „Der Mond in der Dichtung“ zum Ausdruck. Von Eichendorffs „Mondnacht“ über Goethes „An den Mond“ bis zu einem langweiligen „weißen Kreis“ reichte die Beschreibung des Trabanten.

Man musste nicht unbedingt ein Literaturliebhaber sein, um an der Veranstaltung viel Gefallen zu finden. Vom Barock über Aufklärung, Klassik und Romantik bis hin zur Literatur der Gegenwart - alle Epochen fanden ihre Widerspiegelung. Selbst das zur Zeit viel diskutierte Werk von Jenny Erpenbeck „Gehen, ging, gegangen“ wurde öfter unter die Lupe genommen.

Auch das Thema der Liebe kam an diesem Abend nicht zu kurz. Ihre Nuancen konnte man sehr gut im „Speeddating“ literarischer Figuren der unterschiedlichen Epochen nachvollziehen. In die das literarische Fachwissen überprüfende Quiz-Show wurde auch das Publikum einbezogen. Sehr beeindruckend war die Ballettvorführung einer Solistin als auch ein langer Monolog der Hauptfigur aus Kafkas Roman „Die Verwandlung“.

Die Interpreten überzeugten nicht nur durch ihr fachliches Wissen und ihre Textsicherheit, sondern auch durch ihre schauspielerischen Fähigkeiten. Kein Wunder, dass sie nach dem abschließenden Musikstück „Gute Nacht“ aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ einen lang anhaltenden Applaus erhielten.

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