BMX-Parcours am Krusenberg zum dritten Mal verwüstet

Freerider Friedeholz geben auf

Links: Philipp Osmer und Peter Retzlaff räumen die Trümmer ihres BMX-Parcours aus dem Wäldchen am Krusenberg in Barrien. Oben: Für einen Teil der Freerider Friedeholz dürfte das Heidestadion in Twistringen die neue sportliche Heimat werden. Dort gibt es eine genehmigte Biker-Bahn. Die Syker haben bereits mitgeholfen, den Parcours auszubauen und zu erweitern.
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Links: Philipp Osmer und Peter Retzlaff räumen die Trümmer ihres BMX-Parcours aus dem Wäldchen am Krusenberg in Barrien. Oben: Für einen Teil der Freerider Friedeholz dürfte das Heidestadion in Twistringen die neue sportliche Heimat werden. Dort gibt es eine genehmigte Biker-Bahn. Die Syker haben bereits mitgeholfen, den Parcours auszubauen und zu erweitern.
  • Michael Walter
    vonMichael Walter
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Barrien – Demolierte Sprungrampen, aus der Verankerung gerissene Holz-Fahrbahnen und überall wild in der Gegend verteilte Trümmer: Erneut haben Unbekannte den BMX-Parcours am Krusenberg in Barrien demoliert. Zum bereits dritten Mal. Für die Jugendlichen vom Verein Freerider Friedeholz einmal zu viel: Sie geben auf. Der Verein wird Syke verlassen.

Was haben die Jungs und ihre Eltern nicht alles unternommen, um legal in Syke ihr Hobby ausüben zu können, nachdem die Forstverwaltung den ersten selbst gebauten Parcours im Friedeholz dichtgemacht hatte. Tüv-Gutachten eingeholt, ein Genehmigungsverfahren beantragt, sogar einen Verein gegründet, damit es für die Verwaltung überhaupt einen juristischen Ansprechpartner gab. Umsonst. Der Landkreis befand: Wegen der Lage im Landschaftsschutzgebiet war der Parcours nicht genehmigungsfähig. Die Jugendlichen mussten ihn wieder abbauen. Die Syker Stadtverwaltung versprach, bei der Suche nach einem geeigneten Standort zu helfen. „Passiert ist nichts“, sagt Peter Retzlaff – ein Vater, den die anderen Eltern der Jungs zum Vorsitzenden gewählt haben.

In einem Wäldchen am Krusenberg fanden die Freerider provisorisch eine Alternative. Das Wäldchen ist in Privatbesitz. Die Eigentümer haben die Freerider dort geduldet, bis sie einen neuen Standort gefunden hätten.

Anderen Leuten (Nachbarn? Spaziergänger? Alte Neider aus dem Friedeholz? Niemand weiß es) war das offensichtlich ein Dorn im Auge. Was die Jungs mithilfe einiger Eltern dort mühevoll aufgebaut hatten, wurde demoliert. Dieses Mal so gründlich, dass sich der Wiederaufbau nicht mehr lohnt.

„Wir hatten dort drei Strecken gebaut“, beschreibt Retzlaff. „Die technisch anspruchsvollste, in die wir die meiste Arbeit gesteckt haben und die uns am meisten am Herzen lag, ist vollständig zerstört. Davon ist nichts mehr übrig. Von der Holz-Elemente-Strecke sind 50 Prozent zerstört, darunter alle schwierigen Elemente. Von den acht Sprüngen auf unserer Jump-Line sind drei zerstört und zwei so stark beschädigt, dass wir sie zurückbauen mussten, damit sich niemand daran verletzt. Ganz besonders hat mich schockiert, dass das Holz aus den Verankerungen gerissen, dann umgedreht und mit den acht bis zehn Zentimeter langen Schraubgewinden nach oben wieder hingelegt worden ist. Da nimmt jemand bewusst in Kauf, dass sich die Jungs schwere Verletzungen zuziehen.“

Anzeige haben die Freerider nicht erstattet. „Das bringt doch nichts“, sagt Retzlaff resigniert. „Letztes Mal hatten wir das gemacht. Eine Woche später bekamen wir ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft: Täter konnte nicht ermittelt werden, Verfahren eingestellt.“

Für die Freerider steht fest: In Syke hat der Verein keine Zukunft. Die liegt zum Teil in Twistringen und zum Teil in Achim. „Aus Twistringen sind wir vor einiger Zeit schon angesprochen worden“, erzählt Retzlaff: „Wir haben hier einen genehmigten Biker-Park, aber keine Ahnung. Könnt ihr uns helfen?“ Ehrensache für die Syker. Etliche von ihnen halfen mit, den Biker-Park am Heidestadion auszubauen. „Ein Riesenrudel Kinder und Erwachsene ist daraufhin unserem Verein beigetreten“, sagt Retzlaff.

Ungewöhnlich. Der Normalfall wäre doch, dass die Twistringer ihren eigenen Verein gründen. Peter Retzlaff: „Wir haben in der Szene aber einen guten Namen. Ein paar unserer Jungs fahren um die Deutschen Meisterschaften mit. Es gibt inzwischen sogar einen Ableger von uns im Harz.“

Dieser gute Name hat auch den Kontakt nach Achim leicht gemacht. Auch dort gibt es einen Parcours. Den hätten laut Retzlaff die Spitzenfahrer der Freerider zur Vorbereitung auf die Meisterschaften nutzen können. „Dass die dann wegen Corona ausfällt, konnte da ja noch keiner wissen.“

Jetzt sieht es so aus, dass die Gruppe sich zerstreut. Ein Teil wird in Twistringen fahren, ein anderer Teil in Achim. Auf der Strecke bleiben ausgerechnet die, um die es Retzlaff besonders geht: Die jüngsten (9 bis 12 Jahre) und die, die keine Möglichkeit haben, nach Achim oder Twistringen zu kommen oder gebracht zu werden.

Für Peter Retzlaff heißt das: Das Grundproblem ist immer noch nicht aus der Welt. Über kurz oder lang muss es in Syke einen Biker-Park geben. Erstens – na klar – aus Eigeninteresse des Vereins. Stichwort Nachwuchsarbeit „Wir haben richtig gute Fahrer. Aber es kommt nichts nach, wenn es am Ort keine Trainingsmöglichkeiten gibt.“ Zweitens sei das im Interesse der Allgemeinheit. „BMX ist Trend. Es gibt einen Riesenbedarf bei Kindern und Jugendlichen“, sagt Retzlaff. „Wenn es keine Plätze für sie gibt, dann machen sie sich selber welche. So hat das bei uns auch angefangen.“

Er könne aus dem Stand fünf, sechs Stellen in Syke nennen, an denen jemand „schwarz“ kleinere Parcours angelegt hat. Selbstgemacht, mit einfachsten Mitteln. Und damit gefährlich. „Wir waren das nicht“, sagt Retzlaff. „Ich bin damit selber nicht glücklich. Wenn man Sprünge falsch anlegt, kann man drauf warten, bis die ersten Knochenbrüche passieren. Aber dieser Wildwuchs wird erst aufhören, wenn es in Syke eine Biker-Bahn gibt.“

Von Michael Walter

Fotos: Michael Walter / Freerider Friedeholz, Philipp Osmer

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