Frau und vier Kinder noch nicht als Flüchtlinge registriert

Trotz Wohnung in Syke: Familie soll in Notunterkunft

Syke - Von Michael Walter. Eine Flüchtlingsfamilie, die bereits in Syke eine Wohnung hat, soll auseinander gerissen und für Wochen in einer überfüllten Notunterkunft in Bramsche untergebracht werden, weil die Landesbehörde das so will. Bürgermeisterin Suse Laue ist darüber völlig fassungslos. Ganz zu schweigen von der Familie, die sich nach Jahren der Trennung gerade erst wiedergefunden hat.

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass Omar Mohammad vor den Terror-Milizen des IS aus Mossul im Nordirak fliehen musste. Mehrfach verwundet und psychisch traumatisiert, führte ihn sein Weg bis nach Syke, wo er heute lebt.

Seitdem hatte er seine Familie nicht mehr gesehen. Bis vorige Woche unvermittelt seine Frau mit den vier Kindern – das jüngste ist gerade fünf – bei ihm vor der Tür stand.

Doch ebenso unvermittelt könnte es schon bald mit der Wiedersehensfreude vorbei sein. Denn die Landesaufnahmebehörde in Bramsche will die Familie jetzt wieder auseinander reißen. Grund: Frau und Kinder sind noch nicht als Flüchtlinge registriert und müssen auch noch eine obligatorische medizinische Untersuchung durchlaufen.

„Kein Problem“, dachte Bürgermeisterin Suse Laue. „Wir bringen die Familie zur Registrierung nach Bramsche und hinterher wieder zurück.“ Der Behördenleiter habe ihr am Telefon dafür grünes Licht signalisiert, sagt Laue. Doch dann funkte eine seiner Mitarbeiterinnen dazwischen: Die Leiterin der Aufnahmestelle stellte sich quer und bestand darauf, Frau und Kinder in einer Notunterkunft einzuquartieren, bis nach Registrierung und Untersuchung über ihre Zuweisung entschieden würde – vielleicht nach Syke zu Omar Mohammad, vielleicht aber auch in einen ganz anderen Ort.

Abgesehen davon: „Bei den derzeitigen Flüchtlingszahlen würde das zwei oder drei Monate Notunterkunft bedeuten“, sagt Laue. „Dabei hat die Familie hier doch schon eine Wohnung, während Bramsche überfüllt ist. Das ergibt überhaupt keinen Sinn.“

Erster Stadtrat Thomas Kuchem suchte ein klärendes Gespräch – und biss bei der Dame auf Granit. Entgegen der mündlichen Zusage ihres Vorgesetzten habe sie es rundweg abgelehnt, Frau und Kinder bei ihrem Mann beziehungsweise Vater in Syke wohnen zu lassen und die Registrierung sozusagen „ambulant“ vornehmen zu lassen. „Das sieht das Verfahren nicht vor, lautete die ganze Begründung“, so Thomas Kuchem.

„Ich dachte erst, es geht. Aber das ist nicht leistbar“, erklärt Conrad Bramm, der Leiter der Landesaufnahmebehörde in Bramsche, auf Nachfrage der Kreiszeitung. „Wir schaffen‘s einfach nicht, sonst den Überblick zu behalten. Wir haben über 4000 Menschen hier und ein ständiges Kommen und Gehen. Allein letzte Woche hatten wir 700 Abgänge und 700 Neuaufnahmen. Das ist eine Fluktuation wie früher nicht im ganzen Jahr.“

Omar Mohammads Familie bleibt somit gar nichts anderes übrig, als sich in Bramsche einquartieren zu lassen. Bramm geht von maximal zwei Wochen aus. Wenn Syke auf die übliche Vorlaufzeit verzichtet, die die Kommunen bei der Zuweisung von Flüchtlingen haben, werde es laut Bramme nur eine Woche dauern. „Und wenn bei der Registrierung alles reibungslos verläuft, geht es vielleicht ja sogar noch ein paar Tage schneller.“

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Meistgelesene Artikel

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Auf Expedition im Maislabyrinth

Auf Expedition im Maislabyrinth

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Kommentare