Befahren verboten

Forstbehörde sieht sich im Syker Friedeholz unter Zugzwang: Wer nicht verhindert, der duldet

Mit Baumstämmen hat die Forstverwaltung am ehemaligen Bike-Park im Friedeholz den Abhang blockiert.
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Mit Baumstämmen hat die Forstverwaltung am ehemaligen Bike-Park im Friedeholz den Abhang blockiert.

Das ehemalige Areal der Free Riders soll trotz Verbots weiter von Bikern genutzt worden sein. Das sollen die aber nicht – und deshalb hat die Forstverwaltung den Hang, an dem der Bike-Park einmal lag, mit Baumstämmen blockiert.

Syke – Schießt die Forstverwaltung im Friedeholz mit Kanonen auf Spatzen? Das behauptet – im sprichwörtlichen Sinn – Hartwin Hohnholz aus Weyhe, der regelmäßig im Friedeholz spazieren geht. Es dreht sich um gefällte Bäume und den ehemaligen Bike-Park, den eine Gruppe Jugendlicher Anfang 2019 dort gebaut hatte.

Aus der losen Gruppe ist im Verlauf der Free Ride Club Friedeholz entstanden. Sprünge, Geschicklichkeitsbahnen und Hindernisse mussten allerdings wieder weg, weil so ein Bike-Park an dieser Stelle nicht genehmigungsfähig gewesen wäre (wir berichteten). Gefahren wird im Wald allerdings noch immer – ob von den Free Ridern oder anderen, ist nicht bekannt. Ist auch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass dort nicht gefahren werden soll. Und deshalb hat die Forstverwaltung den Hang, an dem der Bike-Park einmal lag, mit Baumstämmen blockiert. Und zwar mit einer ganzen Menge.

Hartwin Hohnholz sieht nun den Schaden, den die Biker dort anrichten könnten, in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den die Forstverwaltung bereits damit angerichtet hat, dort das Fahren zu unterbinden.

„Die Stämme machten auf mich einen völlig gesunden Eindruck“, sagt er. „Auffällig auch die dicken tiefen Spuren, die dort ein Harvester oder ein ähnlich großes und schweres Gerät beim Verbringen der Stämme in dem zuvor völlig intakten Waldboden gegraben hat.“

Solche massiven Eingriffe erlebe man sonst nur, wenn ein Nutzwald geerntet wird. „Eine Spur der Verwüstung“, sagt Hartwin Hohnholz und spricht von „Kahlschlag“. Gerade jetzt „in Zeiten von Corona spricht alle Welt davon, wie arm doch die Kinder dran sind und wie wichtig Bewegung an der frischen Luft ist. Wie geht das zusammen?“

Die Stämme liegen tatsächlich dort, um den Hang zu blockieren, bestätigt Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier. „So, wie wir das gemacht haben – mit querliegenden Stämmen – ist eine eindeutige Absicht zu erkennen: Befahren abseits der Wege wird nicht mehr geduldet.“

Die Baumstämme sollen unmissverständlich zeigen: Befahren abseits der Wege wird nicht mehr geduldet.

Laut Tegtmeier musste die Forstverwaltung so handeln, damit sie im Zweifelsfall nicht haftbar gemacht werden kann, falls dort jemandem beim Querfeldeinfahren was passiert. „Die Stelle dort hat ja eine Geschichte“, sagt Tegtmeier. Und erklärt: Der Landkreis hat entschieden, dass ein Bike-Park im Landschaftsschutzgebiet Friedeholz nicht genehmigungsfähig ist. „Diese Entscheidung gilt es nun zu beachten.“ Und damit ist die Forstbehörde im Zugzwang.

Tegtmeier sinngemäß: Wenn die Forstverwaltung weiß, dass da weiter gefahren wird, und nichts dagegen tut, könnte ihr das als Duldung ausgelegt werden. Und wenn sie das duldet, kommt unter Umständen auch eine Haftung in Betracht. Um genau das also zu vermeiden, muss die Forstverwaltung das Fahren an dieser Stelle aktiv unterbinden.

„Für Waldbesucher mag das etwas überdimensioniert wirken“, räumt Tegtmeier ein. „Aber andere Maßnahmen wie Sperrungen mit Flatterband haben nicht die erforderliche Wirkung gezeigt. Es geht auch nur um die eine Stelle, ansonsten sind der Freizeitnutzung im Friedeholz keinerlei Beschränkungen gesetzt.“

Die Bäume, die den Hang jetzt blockieren, waren laut Heinz-Dieter Tegtmeier keineswegs so gesund wie sie vielleicht aussehen. Die eine Hälfte bestehe aus Windbruch und Trockenheitsschäden. Die andere Hälfte wäre bei der nächsten regulären Durchforstung ohnehin gefällt worden. „Zum Teil können wir das Holz noch verwenden“, sagt der Revierförster. „Allerdings haben ,militante’ Biker mit Motorsägen einige Stämme zersägt, was eigentlich ein Unding ist und in unseren Augen einen Fall von Sachbeschädigung darstellt.“ Die Stämme sollen auch nicht ewig da liegen. Irgendwann werde der alte Zustand wiederhergestellt.

Der Einsatz von Forstmaschinen sei bei solchen Arbeiten üblich und „in der Regel schonend“, so Tegtmeier. „Die Kuhlen stammen von den Bikern selbst, die dort Schanzen und Sprünge gebaut hatten.“

Hartwin Hohnholz hält das Vorgehen der Forstverwaltung für kurzsichtig. „Denn die Jugendlichen werden auf andere Stellen im Wald ausweichen. Fällt man dann wieder Bäume?“

Von Michael Walter

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