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Folkard Wülfers übergibt Weinhof Syke an seine Tochter Teresa

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Von: Michael Walter

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Folkard Wülfers übergibt den Weinhof Syke an seine Tochter Teresa. Die 28-Jährige übernimmt die Leitung offiziell zum 1. Juli.
Folkard Wülfers übergibt den Weinhof Syke an seine Tochter Teresa. Die 28-Jährige übernimmt die Leitung offiziell zum 1. Juli. © Michael Walter

Auf den Tag genau 24 Jahre nach dessen Eröffnung übergibt Folkard Wülfers am 1. Juli seinen Weinhof Syke in Henstedt an seine Tochter Teresa. Die möchte das breite Sortiment zugunsten einer kleineren Auswahl an eigenen Weinen und Weinen aus dem Ausland verschlanken. Am 2. Juli eröffnet der Weinhof mit einem Hof-Fest samt Flohmarkt offiziell neu.

Henstedt – Wachwechsel, Umbruch, Neuanfang: Jede dieser Bezeichnungen ist auf ihre Weise richtig, den Betroffenen aber eine Spur zu wuchtig. Fakt ist: Nach fast einem Vierteljahrhundert übergibt Folkard Wülfers den Weinhof Syke an der Halbetzer Straße in die Regie seiner Tochter Teresa. Auf den Tag genau 24 Jahre nach der Eröffnung am 1. Juli 1998.

Feste Größe für Weinkenner

In dieser Zeit hat sich der Betrieb in der ehemaligen Durchfahrtscheune eines historischen Bauernhofs von einem einfachen kleinen Weinhandel zu einer festen Größe für Weinkenner und -liebhaber aus ganz Norddeutschland sowie zu einem Forum für Kunst und Kunsthandwerk entwickelt. Und immer wieder war der Weinhof auch Veranstaltungsbühne. Das alles soll im Prinzip auch so bleiben. Nur halt ganz anders. Teresa Wülfers hat da schon ziemlich klare Vorstellungen.

Folkard Wülfers hat sich in Halbetzen einen kleinen Lebenstraum erfüllt. Der große steht ihm jetzt bevor: „Ich möchte meinen Lebensmittelpunkt nach Südamerika verlagern“, sagt er. Die Übergabe des Weinhofs an seine Tochter gibt ihm dazu die Möglichkeit.

Wülfers – Baujahr 1960 – ist in Sudweyhe aufgewachsen und in Syke zur Schule gegangen. Als studierter Biologe arbeitete er für die Pharma-Industrie in der Arzneimittelentwicklung. „Es war immer mein Traum, so einen Hof zu haben“, sagt er und zeigt mit beiden Händen rund um sich. Es war damals ein absoluter Zufallstreffer. „Kurz vor Ostern 1991 stand der Hof in der Zeitung zum Verkauf. Zu Ostern hatten wir ihn dann besichtigt.“ Eigentlich war es bei Wülfers Liebe auf den ersten Blick. Bis der Kauf dann abgeschlossen war, dauerte es aber trotzdem bis August.

Auf der ganzen Welt vernetzt

Auf die Idee mit dem Weinhandel brachte ihn eine befreundete Winzerfamilie, als sie ein paar Jahre später zu Besuch war. „Das wäre doch ideal...“, hatten seine Freunde ihm bei der Besichtigung den Floh ins Ohr gesetzt. „Und dann haben wir am 1. Juli 1998 angefangen. Mit zwei Weinen: einem weißen und einem roten.“

Seitdem hat Folkard Wülfers immer zweigleisig gearbeitet: in seinem Hauptberuf und für seinen Weinhof. Die Geschäfte liefen gut: Wülfers machte sich einen Namen, war viel und gerne auch außerhalb präsent: auf Messen oder Stadtfesten beispielsweise. Mit der Zeit entstand ein dichtes Netzwerk aus Geschäftsbeziehungen. „In Hoch-Zeiten hatten wir Kontakt zu allen namhaften deutschen, italienischen und französischen Weinhändlern“, sagt Wülfers. Ebenso nach Südafrika und Südamerika. Entsprechend breit war damit auch sein Sortiment. Erklärtes Ziel: Jeder Kunde sollte bei Wülfers seinen Lieblingswein bekommen können. Und im Weinbaugebiet Rheinhessen erwarb Folkard Wülfers eigene Weinberge.

Auch in Zukunft wird es Wein in Syke geben.
Auch in Zukunft wird es Wein in Syke geben. © Michael Walter

2006 erhielt die Stadt Syke einige Weinreben als Gastgeschenk bei einem Besuch aus der Partnerstadt La Chartre. Wülfers machte daraus einen trinkbaren Wein, indem er die Ernte mit Trauben aus seinen eigenen Weinbergen verschnitt. Der Syke-Wein war eine Zeit beliebtes Gastgeschenk der Stadtverwaltung. Es blieb bislang eine einmalige Sache. „Das war ein ziemlich hoher Aufwand“, sagt Wülfers nur.

Und nun tritt er ab. „Wer wird das denn mal übernehmen?“ – Diese Frage hat schon länger immer mal wieder im Raum gestanden, sagt Wülfers. Seine drei Kinder hatte er dafür eigentlich schon abgeschrieben. „Das Interesse war nie groß“, sagt er. „Ich hatte schon damit gerechnet, den Betrieb einfach auslaufen zu lassen.“ Die Zeichen standen dafür sogar günstig: Durch Corona waren die meisten Aktivitäten ohnehin schon drastisch zurückgefahren.

Räume und Sortiment entrümpelt

Bis es dann eines Tages bei Tochter Teresa klick gemacht hat. Sie ist die Jüngste und als einzige auf dem Hof auch aufgewachsen. „Wenn man jung ist, möchte man erst mal von zuhause weg“, erklärt sie. „Aber ich bin hier groß geworden und hänge auch sehr daran.“ Deshalb hat sie sich entschlossen, zusammen mit ihrem Lebenspartner den Betrieb fortzuführen.

Unter Teresa Wülfers wird allerdings einiges anders: Die Räume hat sie ebenso entrümpelt wie das Sortiment. Der Weinhof wird in Zukunft vor allem ein Weinhof sein, aber keine Kunsthandlung mehr. Und beim Wein will sie nicht mehr auf die Breite setzen wie ihr Vater, sondern sich auf die Weine aus den familieneigenen Weinbergen konzentrieren. Und dazu eine kleine, aber feine Auswahl an ausländischen Weinen. Am 2. Juli geht es los: Mit einem Hoffest samt Flohmarkt zur Neueröffnung.

In Planung hat Teresa Wülfers auch schon diverse themenbezogene Weinproben. „Die mach ich selbst“, sagt sie. Und die nötige Kompetenz dafür eignet sie sich gerade an: „Ich bilde mich zur Assistenz-Sommelière weiter. Ich denke, damit bin ich erst mal ganz gut aufgestellt.“

Im Netz:
www.weinhof-syke.de

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