Liederjan zeigen sich in der Barrier Wassermühle auf hohem Niveau unterhaltsam

Folk-Ikonen ohne Eisbär

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Liederjahn spielt aktuell in der Besetzung (von links) Philip Omlor, Jörg Ermisch und Hanne Balzer. Am Freitag trat die legendäre Folk-Gruppe in der Barrier Wassermühle auf.

Barrien - Von Michael Walter. Nein, vom Eisbär in Sibirien haben sie nicht gesungen. Das Lied, das Liederjan berühmt gemacht hat und das durch Liederjan erst berühmt geworden ist, hatte am Freitag in der Barrier Wassermühl keinen Platz im Programm. Doch auch so wurde es ein ebenso heiterer wie anhaltender Abend. Erst nach knapp drei Stunden – inklusive Pause und Zugaben – war Schluss.

Kein Wunder, schließlich verfügt das Trio über ein Repertoire, mit dem man sehr warscheinlich einen bemannten Flug zum Mars nonstop musikalisch begleiten könnte, ohne dabei auch nur ein einziges Lied zu wiederholen. Und zurück!

Moderation auf ebenso hohem Niveau wie die Musik

Tja – was soll man schreiben über eine Band, die drei Jahre älter ist als ihr derzeit jüngstes Mitglied? Vielleicht, dass man immer noch trefflich darüber spekulieren könnte, ob die Zuschauer in erster Linie der Musik wegen kommen oder wegen der Moderationen dazwischen. Beides ist gleichermaßen auf hohem Niveau unterhaltsam. Wie sich Hanne Balzer, Jörg Ermisch und Küken Philip Omlor da permanent untereinander kabbeln, ohne dabei ins Kalauern abzugleiten, ist äußerst amüsant. Und wenn sie erstmal ins Schnacken kommen, hören sie so schnell nicht wieder auf.

Liederjans Qualitäten als Multi-Intrumentalisten sind seit der Ur-Formation von 1975 legendär. Daran hat sich nichts geändert, auch wenn von damals nur noch Jörg Ermisch dabei ist. Nach Einmarsch und erstem Song hatten sie bereits sechs verschiedene Instrumente durch, und bis zum Ende des Abends sollten noch ein paar dazu kommen. Inklusive Klorollen-Trommel und Zwei-Brettchen-Xylophon.

Inhaltlich gestalteten die Drei einen Großteil des Programms übrigens mit den Songs aus ihrem mittlerweile auch schon wieder zwei Jahre alten Jubiläumsalbum „40 Jahre – sowieso“.

Zum Heulen schön

Liederjan sind lustig. Eine Klamauk-Band sind sie nicht. Dazu haben sie viele viel zu ernste Themen in ihren Programmen. Wie in Barrien zum Beispiel „Ein kleiner Frieden mitten im Krieg“, das von der Weihnachtszeit an der Westfront 1914 erzählt, als sich englische und deutsche Soldaten plötzlich nicht mehr gegenseitig erschossen, sondern gemeinsam Weihnachten zwischen den Schützengräben feierten. Eine Eigenkomposition von Hanne Balzer (Musik) und Jörg Ermisch (Text) – und zum Heulen schön. Oder das sehr poetische „November“, bei dem Hanne Balzer einen bemerkenswert gefühlvollen Part an der Tuba hat. Originalton Philip Omlor: „Keine tubiert so weich wie Hanne.“

Kaum einer singt auch so schön dreistimmig wie Liederjan. Und kaum einer hat so durchgeknallte Ideen. Wie zum Beispiel drei verschiedene Volkslieder gleichzeitig zu singen (und noch drei weitere in den Texten zu verstecken). Und wenn sich sowas dann auch noch gut anhört, sagt das schon eine ganze Menge über die künstlerische Qualität der Protagonisten aus. Wer braucht da noch den Eisbär?

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