Flüchtlingshelfer schildern ihre Motive

„Man möchte doch selbst auf Hilfe treffen“

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Drei von gut 100 Bürgern des Jahres 2016 – von links: Christian Gerds, Christina Martin und Frank Reglin.

Syke - Von Dagmar Voss. Gut 100 Ehrenbürger hat die Stadt dieses Jahr – nämlich alle, die im vergangenen Jahr ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit geleistet haben. Mit dreien haben wir darüber gesprochen: Frank Reglin, Christina Martin und Christian Gerds.

Die beiden Letzteren sind in Ristedt und Gessel aktiv geworden. Genauer gesagt auf dem Hohen Berg in der Unterbringung in der alten Kaserne. „Die Wohnbedingungen für die etwa 20 Männer dort sind katastrophal, heruntergekommen und schlicht fürchterlich“, sind sich Martin und Gerds einig. Durch ständigen Weggang und neuen Zuzug von vorwiegend jungen Männern aus dem Sudan gewöhnt sich niemand ein. Da seien Konflikte programmiert. „Da brodeln immer wieder Konflikte hoch.“ Und niemand fühle sich verantwortlich für die Räume. Als Christian Gerds sich an die Reparatur der Stühle machte, habe wohl mal einer mitgeholfen.

Die Frage nach ihrer persönlichen Motivation beantworteten beide einstimmig: „Wir haben ein großes Herz – aber außerdem kommt dazu die Überlegung, wie es wohl ist, fliehen zu müssen“, erklärten beide. „Müsste man selbst fliehen, so möchte man doch auch auf freundliche Hilfe treffen.“ Neben Kaffee und Kuchen, die sie immer mitbringen, begleiten beide die Flüchtlinge zu den Behörden, Schulen oder helfen bei der Wohnungssuche. „Das war ein richtiger Jackpot, als wir für einen eine passende Bleibe gefunden haben.“

Frank Reglins Betreute sind eher große Familien, vorwiegend Roma. „Ich habe mal ein paar Kurse Russisch und Polnisch belegt“, sagt er. „Das hilft bei der Verständigung in Serbisch.“

Nicht allerdings beim Ausfüllen der Formulare. Denn die liegen ausschließlich auf Deutsch vor. Und die Helfer sind sich einig: Da müsste dringend nachgebessert werden. Zumindest müssten sie auf Englisch und Französisch übersetzt werden.

Reglin nimmt „seine“ Familien häufig mit ins Flüchtlingscafé, denn dort seien die Begegnungen entspannt und der Wohlfühlfaktor nicht zu unterschätzen. Die erste Familie, die er ab Mai letzten Jahres betreut hatte, ist nach fünf Monaten wieder zurückgegangen. Zurzeit sind noch zwei Familien in seiner Betreuung. „Man bekommt soviel zurück – und sie sagen immer danke.“

Auch darüber sind sich die drei Helfer einig: Schlimm genug sei es, dass Menschen gezwungen seien, ihre Heimat zu verlassen und in ein Land zu kommen, wo sie sich nicht einmal verständigen können. Sie befürworten unbedingt verpflichtende Sprachkurse für alle.

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