Fleißiger Großvater und vergessener Meister 

Ausstellung mit Werken von Georg Greve-Lindau im Kreismuseum Syke

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Henning Greve zeigt ein Selbstbildnis seines Großvaters, das sich in seinem Besitz befindet. Die Notizen auf der Rückseite des Rahmens erläutern, dass es im Jahr 1913 während eines einjährigen Aufenthalts in Florenz entstand. Greve-Lindau hatte das kostenlose Jahr in Florenz als Sieger des renommierten Villa-Romana-Preises gewonnen. Zu dieser Zeit zählte er zu den vielversprechendsten jungen Künstlern in Deutschland.

Syke - Von Frank Jaursch. An seinen Großvater kann sich Henning Greve noch gut erinnern. „Als Kind bin ich gerne mit ihm spazieren gegangen“, berichtet der Syker Bildhauer und erinnert sich mit einem Schmunzeln an den mächtigen Rauschebart seines Opas.

Georg Greve-Lindau starb, als sein Enkel Henning neun Jahre alt war. Eine Ausstellung im Kreismuseum befasst sich ab Sonntag mit dem Lebenswerk von Georg Greve-Lindau – eines Künstlers, der zu seiner Frühzeit zu den bekanntesten Malern Deutschlands gehörte und später in Vergessenheit geriet.

„Er hätte wirklich vorne weg sein können“, ist sich Greve sicher. Der Name seines Opas wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Atemzug mit prominenten Kollegen wie Max Liebermann, Fritz Mackensen oder Max Beckmann genannt. So gewann er 1912 den bedeutenden Villa-Romana-Preis, der nicht nur mit einem hohen Geldbetrag, sondern auch mit einem einjährigen kostenlosen Aufenthalt in Florenz dotiert war.

Immer im Realismus geblieben

Seine impressionistischen Ölbilder, mit denen er vor dem Ersten Weltkrieg Aufmerksamkeit erregte, wurden ihm nach dem Krieg quasi zum Verhängnis: In der Kunstwelt hatte der Expressionismus Einzug gehalten. Im Gegensatz zu Kollegen, die auf den Siegeszug des Stils aufsprangen, fühlte sich Greve-Lindau weiter dem Impressionismus verpflichtet. Das hatte Folgen: Seine Werke seien „Kunst von gestern“, hieß es auf Ausstellungen. Erschwerend kam hinzu, dass sich Greve-Lindau von einigen seiner Werke nur ungern trennte und daher weniger Bilder verkaufte, als möglich gewesen wäre.

Erst in den folgenden Jahrzehnten wandte er sich ebenfalls mehr dem Expressionismus zu. „Dabei ist er aber immer im Realismus geblieben“, betont Henning Greve.

Seinen künstlerischen Werdegang können Besucher der Retrospektive im Sonderausstellungsraum des Museums verfolgen. Mehr als 40 Ölgemälde skizzieren seine künstlerische Entwicklung, geben aber auch Einblicke in die zeitweise schwierigen finanziellen Verhältnisse.

Nachkommen in ganz Deutschland im Besitz der Kunstwerke

Ein Bild zeigt seine Frau und seine drei Kinder in einer bedrückenden Szene im heimischen Haus, in dem die problematischen Verhältnisse zum Ausdruck kommen, in denen die junge Familie zeitweise lebte. „Ich habe das Bild immer geliebt, wegen der Fledermäuse“, erinnert sich der bekennende Fledermaus-Fan Greve. Die dunkle Botschaft des Gemäldes habe sich ihm erst viel später erschlossen.

Greves Großvater war ein außergewöhnlich fleißiger Künstler. Hunderte Ölgemälde, tausende Radierungen und „kistenweise Zeichnungen“ hat Georg Greve-Lindau hinterlassen. Nachkommen in ganz Deutschland sind im Besitz der Kunstwerke.

Stoffbanderolen mit Hintergrundinformationen

Dass nun die Öffentlichkeit Gelegenheit hat, einen Ausschnitt aus dem Wirken zu sehen, ist Sandra Kästner zu verdanken. Die Kunsthistorikerin hat im Gespräch mit mehreren Enkeln viele Informationen gesammelt, tausende Briefe von Georg Greve-Lindau gelesen und wie bei einem Puzzle aus den Teilen ein Bild gefertigt, das nun im Kreismuseum zu sehen sein wird. Auf der Vernissage der Ausstellung „Realist – Impressionist – Expressionist“ am Sonntag ab 15 Uhr spricht Kästner die einführenden Worte. Stoffbanderolen versorgen die Besucher der Ausstellung mit umfangreichen Hintergrundinformationen über Person und Werk.

Henning Greve selbst hat rund 40 Bilder zur Ausstellung beigetragen. Für ihn ist die Begegnung mit dem Leben seines Opas mit dem Rauschebart „ein großes Abenteuer. Ich bin total begeistert und gespannt darauf, mehr darüber zu erfahren.“

Nach der Vernissage ist die Ausstellung noch bis zum 14.  Januar zu sehen.

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