Lebenskünstler mit einer Mission

Erst Fleischer, nun Veganer: Barrier setzt sich gegen Tierleid ein

Einst Metzger, heute Tierschützer: Der Barrier Peter Hübner, hier mit Hund Mikka. Foto: Jantje Ehlers
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Einst Metzger, heute Tierschützer: Der Barrier Peter Hübner, hier mit Hund Mikka.

Barrien - Eine Sache kann man Peter Hübner wirklich nicht vorwerfen: mangelndes Engagement. Wann immer der 53-jährige Barrier sich dazu entscheidet, ein Ziel zu verfolgen, tut er das mit Haut und Haar.

  • Peter Hübner aus Syke ist vom Fleischer zum Veganer geworden
  • Aktivist kritisiert Qualität der Fleischerzeugung
  • Hübner initiiert Aktion „Metzger gegen Tiermord“

Vor Kurzem hat Peter Hübner mit seiner Frau Marzena bei einem überregionalen Tanzturnier in Hamburg Platz zwei erreicht. Er war politisch in Bremen aktiv, er chauffierte Michail Gorbatschow und Kool & the Gang, er war als Marktschreier auf dem Kajenmarkt und auf dem Fischereimarkt in Hamburg – und er hätte als Betreuer der Künstlerin Atiye vor einigen Jahren mal fast für die Türkei am Eurovision Song Contest teilgenommen.

„Ja, eine Weile habe ich mich als Lebenskünstler durchgeschlagen“, erinnert sich Hübner mit einem Lächeln. Heute ist er Prokurist bei einer Firma, die Biofrüchte und Nüsse vertreibt.

Veganer aus Syke zieht Medieninteresse auf sich

Der Grund dafür, dass sich bundesweit immer mehr Medien für ihn interessieren – diese Woche ist ein Kamerateam von RTL bei ihm zu Gast in Barrien –, liegt allerdings an anderen Lebensstationen und Entscheidungen von Peter Hübner: Er ist gelernter Fleischer. Und er lebt seit einigen Jahren vegan. Gemeinsam mit einigen Berufskollegen hat er vor gut einem Jahr das Aktionsbündnis „Metzger gegen Tiermord“ ins Leben gerufen.

Peter Hübner wuchs in Bremen-Huchting auf, hatte von Kindesbeinen an mit Tieren zu tun. Seine Großeltern waren Landwirte, auch das Töten von Tieren gehörte dort zum Alltag. „Es ist ehrlicher, das Tier selbst zu töten und zu zerlegen, wenn man Fleisch essen will.“ Als Jugendlicher absolviert er zunächst eine Maurerlehre, anschließend – weil er später Koch werden wollte – eine Ausbildung zum Fleischer.

Peter Hübner kehrt Fleischerhandwerk nach Lehre den Rücken

„Da hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit der Massentierhaltung“, erinnert sich Hübner. Die Zweifel an der Richtigkeit wachsen. Er sieht das Leid der Tiere. „Jedes siebte Tier kommt unbetäubt in die Schlachtung“, erklärt er. Mit den Zweifeln wächst die Erkenntnis: „Wir leben in einer Zeit, in der das Fleisch keinen Wert mehr für Menschen hat.“ Nach Beendigung der Lehre hört er mit dem Metzgerdasein auf.

Fleisch isst er dennoch weiter. Bis zu einem Schlüsselerlebnis, 2014, beim Angeln auf einem See in Schweden. Ein Hecht beißt an. Hübner zieht ihn ins Boot. „Ich hab ihm in die Augen geguckt“, erinnert sich der 53-Jährige, „und ich konnte ihn einfach nicht töten.“ Der Hecht kam zurück in den See, Hübner kehrte ohne Beute zu seiner Frau zurück. Auch an den folgenden Tagen „hatte ich ständig diesen Hecht im Kopf“.

Er dachte sich immer neue Ausreden für seine Angel-Erfolglosigkeit aus – und verkündete schließlich, einige Wochen später, seiner Frau: „Ab heute bin ich Veganer.“

Veganer aus Barrien: „Wir sind kerngesund“

Längst haben Marzena und Peter Hübner gelernt, sich vegan zu ernähren. „Wir sind kerngesund. Und wir können lecker vegan kochen. Es gibt nichts, was wir nicht hinkriegen“, sagt er – und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Außer Spiegelei.“

Den Vorwürfen, Veganer wollten Fleischesser missionieren, begegnet er mit einer Gegenfrage. „Gibt es einen ethischen Grund, Fleisch zu essen, wenn ich es nicht zum Überleben brauche?“ Menschen, so erklärt Hübner, hätten eine Alternative. „Das unterscheidet uns von einem Löwen.“ An Fleischkonsumenten appelliert er: „Bitte überdenkt euren Konsum – vielleicht mit einem veganen Tag pro Woche!“

Vorwurf des Veganers: Immer mehr Masse, immer weniger Qualität bei der Fleischproduktion

Immer mehr Masse, immer weniger Qualität bei der Fleischproduktion – das erzeuge zwangsläufig mehr Tierleid, argumentiert Hübner. Die eigentliche Wurzel des Problems sieht er darin, dass die Massentierhaltung „zu weit weg von den Verbrauchern“ stattfinde. Das will Hübner ändern. Er hält bundesweit jährlich fast 50  Vorträge, möchte dem Tierleid mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Seine Facebook-Seite hat mehr als 26.000 Follower.

Größere Aufmerksamkeit weckte vor einem Jahr das Bündnis „Metzger gegen Tiermord“. Hübner und seine Mitstreiter Philipp Hörmann und Thomas Schalz rufen unter dem Motto „Wenn ich mich ändern kann, kannst du es auch“ zum Fleischverzicht auf.

Das Engagement des Trios geht mittlerweile weit über die Vermittlung veganer Ernährung hinaus. „Metzger gegen Tiermord“ veröffentlichen Undercover-Filmaufnahmen, hat so auf Tierschutzverstöße bei einer Reihe von Betrieben hingewiesen.

Hübner prangert Zustände in Zirkussen an

Das Thema Tierschutz verfolgt Hübner auch auf einem anderen Gebiet: Er prangert die Zustände in Zirkussen an, dokumentiert die Mängel in der Tierhaltung, reist einigen Zirkussen zum Teil wochenlang nach, organisiert Mahnwachen. Das sorgt für Konflikte. In Buchholz, so erzählt Hübner, sei eine Mahnwache angegriffen, in Brinkum bedroht worden.

Ein Video dokumentiert den Angriff eines Zirkus-Mitarbeiters auf eine Tierrechtsaktivistin in Bassum. Einen Tag nach der Verurteilung des Täters findet Peter Hübner einen abgetrennten Hühnerkopf auf seiner Auffahrt. Dem 53-Jährigen ist klar: „Mit so was macht man sich keine Freunde.“

Er hat sich an solche Vorkommnisse gewöhnt. „Ich habe schon so viele Morddrohungen erhalten“, sagt Peter Hübner. „Es gibt keinen Schutz für mich, ich bin Freiwild. Aber das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich lasse mich nicht einschüchtern.“

Info: Metzger gegen Tiermord

Vier ehemalige Fleischer und ein ehemaliger Koch haben im Januar 2019 mit einem Video auf Facebook zu einem veganen Lebensstil aufgerufen. Unter dem Titel „Metzger gegen Tiermord“ gab jeder der fünf ein Statement mit eigenen Erfahrungen zum Thema Tierleid ab. Im Zentrum stand die Aussage „Wenn ich mich ändern kann, kannst du es auch“. Das Video löste in kurzer Zeit viele Reaktionen aus und wurde innerhalb von vier Tagen mehr als 100.000 Mal angesehen. Drei der fünf Initiatoren engagieren sich unter dem Titel „Metzger gegen Tiermord“ heute für mehr Tierschutz in Deutschland.

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