Der Film „Summer of Dreams“ stellt das Tabu-Thema Mobbing in den Fokus / Syker Polizist Ingo Müller rät zu Gesprächen

Wenn Freunde zu Feinden werden

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Gina Christin Scharrelmann (l.) und Joyce Hildebrand machen in dem Film „Summer of Dreams“ von Niels Marquardt (Mitte) auf die Mobbing-Problematik aufmerksam.

Syke - Von Anika Bokelmann. Wenn aus Langeweile Unwahrheiten verbreitet und Menschen verbal sowie körperlich verletzt werden, passiert das häufig im Geheimen. „Mobbing erkennst du nicht sofort“, weiß Ingo Müller vom Polizeikommissariat Syke.

Den Beauftragten für Kriminalprävention erreichen in der Woche etwa zwei Fälle aus den Schulen der Region, in denen es um Ausgrenzung geht. Dieses Wort ist Müller lieber als Mobbing. Mehr als die Hälfte aller Schüler ist davon betroffen und „es wird immer schlimmer“, findet Niels Marquardt. Der Produzent beschäftigt sich daher in seinem Debütfilm „Summer of Dreams“ mit dem Psychoterror, der noch immer als Tabu-Thema gilt.

Der Walsroder stellte den Streifen am Sonnabend im Hansa-Kino in Syke vor und machte mit den Darstellerinnen Gina Christin Scharrelmann und Joyce Hildebrand deutlich, dass es wichtig ist, auf Mobbing aufmerksam zu machen. „Opfer müssen über die Attacken sprechen und Eltern, Lehrer sowie Freunde auf jeden Fall zuhören“, unterstreicht Marquardt. Auch Müller weiß, dass Gespräche wie beim Täter-Opfer-Ausgleich mit abschließender Entschuldigung mehr bringen, als Strafanzeigen. Diese könnten erst angefertigt werden, wenn nachweislich Beleidigungen und Verletzungen vorliegen, denn „Mobbing ist keine Straftat“, so Müller. In erster Linie sei jedoch schnelles Handeln gefragt.

Präventiv ist der Polizist in Schulen unterwegs, um im Rahmen des Projekts „Wir sind stark“ über Mobbing aufzuklären. Aber auch vor Eltern und Sozialpädagogen hält Müller Vorträge, „denn wir müssen alle Parteien beteiligen“. Die Schulen müssten selbst aktiv werden – Hilfe anfordern und „kleinere Fälle selber klären“.

Während der fünfjährigen Drehzeit von „Summer of Dreams“ hat das Team aus jungen Laien-Schauspielern an verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein und Berlin Erfahrungen gesammelt. „Mobbing war dabei nie Thema. Auch wenn mal die Fetzen flogen“, berichtet Joyce Hildebrand. Die 16-Jährige aus Etelsen (Landkreis Verden) führt das aber auf den Stress zurück, denn „die Nerven lagen schon Mal blank“.

Sie weiß, wie sich Mobbing anfühlt, und hat die Schule nach vermehrten Anfeindungen gewechselt. Besonders stört es Joyce, dass viele das Problem nicht sehen wollen. „Man muss den Mund aufmachen und den Opfern helfen“, fordert sie auf und hofft, dass sich in dem Film „der ein oder andere wiederfindet und über sein Verhalten nachdenkt“. „Freunde können schnell zu Feinden werden, wenn der Haupt-Mobber die Klassenkameraden auf seine Seite zieht“, erklärt Ingo Müller einen weiteren Aspekt des Terrors.

Oberflächlichkeit

ist auch Mobbing

Ebenso wie Joyce findet Gina Christin Scharrelmann, dass Oberflächlichkeit eine Form davon ist. Die 16-jährige Bramstedterin, die in „Summer of Dreams“ eine reiche Jungdesignerin mimt, macht sich eigenen Angaben zufolge aber „keinen Kopf mehr, was Mitschüler denken“. Oder auch nicht: Denn Joyce und Gina Christin erzählen, dass viele ihrer Freunde sich nicht dafür interessieren würden, dass sie in ihrem ersten Film zu sehen sind. Darüber sind sie zwar enttäuscht, aber es würde sich eben auch zeigen, „wer wirklich hinter einem steht“.

Während sich die Probleme der Jugendlichen in „Summer of Dreams“ durch Musik lösen lassen, ist es im echten Leben häufig anders: Viele Mobbing-Opfer leiden jahrelang unter den Attacken, verschließen sich gegenüber ihren Mitmenschen oder suchen nach anderen Auswegen. So einen zeigt Niels Marquardt in seinem Kurzfilm „Du bist nicht allein“. Darin sieht das Opfer keine andere Lösung als den Selbstmord. Doch nicht nur die erschütternden Bilder, sondern vor allem die Musik, die extra für den Film produziert wurde, geht unter die Haut. „Wenn die Zuschauer während der Vorführung weinen, ist das okay. Daran merke ich, dass wir sie erreichen“, freut sich Marquardt über die Reaktionen.

Für „Summer of Dreams“ hat sich Marquardt jedoch bewusst für „Feel-Good-Momente“ und ein Happy-End entschieden, sagt er. Und obwohl er „ein Zeichen gegen Mobbing setzen will, handelt es sich nicht um einen typischen Anti-Mobbing-Film“, lädt er Jugendliche und Erwachsene ins Kino ein – „Summer of Dreams“ läuft von heute bis Sonntag, jeweils um 20 Uhr im Syker Hansa-Kino.

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