Nach neun Monaten Lockdown: Donnerstag Neustart im Hansa Kino

Film ab!

Geschäftsführer Michael Bütepage freut sich schon: Am 1. Juli macht das Hansa Kino wieder auf.
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Geschäftsführer Michael Bütepage freut sich schon: Am 1. Juli macht das Hansa Kino wieder auf.

Neun Monate Lockdown liegen hinter dem Hansa Kino. Ab dem 1. Juli sollen endlich wieder Filme auf den Leinwänden zu sehen sein. Auch wenn der Zeitpunkt eigentlich denkbar ungünstig ist für Mitinhaber Michael Bütepage: Seine Geschäftspartnerin musste ins Krankenhaus, die Vorführtechnik fiel aus – und zuletzt streikte auch noch die EDV. Egal. Morgen geht’s los.

Syke – Es gibt Zeiten im Leben, da passiert erst lange, lange gar nichts, und dann kommt alles zusammen auf einmal. Michael Bütepage erlebt gerade so eine Phase. Zusammen mit Silvia Kahle ist er Inhaber und Geschäftsführer des Hansa Kinos.

Knapp neun Monate ist es jetzt her, dass dort der letzte Film lief. Die Zeit im Lockdown war nicht vergeudet: Kahle und Bütepage haben zum Beispiel das Foyer renoviert und die Stühle im Saal 2 erneuert. Aber keine Filme. Kein Publikum. Lockdown eben.

Donnerstag ist der Tag, an dem bundesweit wieder der Kinobetrieb beginnt. Und ausgerechnet jetzt überschlagen sich die Dinge für Bütepage. Erst bekommt seine Geschäftspartnerin kurzfristig den OP-Termin, auf den sie Monate gewartet hatte, und muss ins Krankenhaus. Dann fällt die Vorführtechnik aus und zuletzt streikt auch noch die EDV.

Bütepage nimmt’s gelassen. „Nichts, was sich nicht in den Griff kriegen ließe“, sagt er. „Nur eben sehr zeitintensiv. Und das kostet mich jetzt eben die Zeit, die ich eigentlich für die Vorbereitung der Wiedereröffnung bräuchte.“

Für ihn bleibt’s dabei: „Wir machen am 1. 7. wieder auf.“ Zum einen, weil das der deutschlandweite Stichtag ist. Zum anderen, weil ab Juli die Filme wiederkommen. Und das mit Macht. „Früher gab es 300 Filme im Jahr“, sagt Michael Bütepage. „Durch Corona hat sich das aufgestaut. Jetzt sind es doppelt so viele.“

Auf der einen Seite: schön, weil mehr Auswahl. Auf der anderen hat das Jahr aber immer noch 52 Wochen und nicht 104 – und das Hansa Kino zwei Säle und nicht vier. In der Konsequenz bedeutet das für Bütepage: „Da werden viele gute Filme unter den Tisch fallen.“

Zumal die Verleihe branchenweit bestimmte vertragliche Vorgaben machen. „Ein Blockbuster muss mindestens zwei, drei oder sogar vier Wochen laufen“, gibt Bütepage ein Beispiel. „Zu allen Vorstellungen.“ In dieser Zeit belegt ein einziger Film also einen kompletten Saal und kein anderer Film kann dort laufen. Solche Klauseln schränken die Möglichkeiten für die Kino-Betreiber zusätzlich ein. Aber: „Das ist der normale Alltag.“

Die Sommerferien sind praktisch schon in Sichtweite. Ist es da überhaupt sinnvoll, den Spielbetrieb schon wieder aufzunehmen? „In der jetzigen Situation: ja“, sagt Michael Bütepage. „Um ein Zeichen zu setzen. Die Kinos sind noch da, und sie machen gemeinsam wieder auf.“ Na gut: Ausreißer gibt es immer. Einige Kinos spielen bereits schon seit ein paar Tagen wieder, andere Betreiber haben gesagt, sie öffnen erst zum Herbst. Aber es ist die Botschaft, um die es Bütepage geht.

Und er hat noch eine: „Wir werden nicht die Preise erhöhen“, sagt er. „Es hat keiner nach Corona mehr Geld als vor Corona.“

Luftig wird der Wiederbeginn, sagt Bütepage voraus. Was mit einem Blick auf die Vorgaben über Abstände im Saal auch einleuchtet. „Ein Kinositz ist 90 Zentimeter breit, wir müssen aber einen Meter Abstand einhalten.“ Und das nach allen Seiten. Im ungünstigsten Fall blockiert ein Einzelbesucher damit sieben andere Sitze. „Es könnten natürlich auch sieben Personen in einer zusammengehörenden Gruppe kommen. Aber in der Realität wird das eine so selten passieren wie das andere.“ Unterm Strich rechnet Michael Bütepage mit einer Saalauslastung von um die 50 Prozent. „Und das sind Zahlen, die wir vor Corona im Sommer sonst auch gehabt haben.“ Um noch ein Argument für den Start im Juli zu liefern.

Behutsam geht es los. „Der Mauretanier“ mit Tahar Rahim und Jodie Foster ist der erste Film, der nach dem Lockdown wieder läuft. Start ist Donnerstag um 19.30 Uhr. In der Woche darauf läuft dann die Fortsetzung des Animationsfilms „Croods“ an. Untertitel: „Alles auf Anfang.“ Michael Bütepage: „Ich hätte es passender gefunden, mit einem Film zu starten, der Alles auf Anfang heißt. Aber wir Kinobetreiber können froh sein, dass die Verleihe überhaupt neue Filme zum Sommer starten.“

Mit dem neunten Teil der Reihe „Fast & Furious“ nimmt das Programm in der dritten Woche dann Fahrt auf. Und das Jahr verspricht noch eine ganze Menge. Der neue James Bond kommt endlich auf die Leinwand, die Top-Gun-Fortsetzung „Maverick“, ebenso die Wüstenplanet-Neuverfilmung „Dune“ oder auch „Shang-Chi: The Legend of the Ten Rings“ aus dem Marvel-Universum und der vierte Teil der Matrix-Trilogie.

Von Michael Walter

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