Feuerwerk zum Jahreswechsel wird in Syke auch in diesem Jahr nicht verboten

„Die Leute wollen‘s laut“

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In der Neujahrsnacht gehen jedes Jahr in Deutschland rund 125 Millionen Euro in Schall und Rauch auf. Das bunte Spektakel am Himmel erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, sieht sich aber auch Kritik ausgesetzt.

Syke - Von Frank Jaursch. „Syke feuerwerksfrei – das wär doch was!“ Mit diesem Satz hat Mandy Hayen vor einigen Wochen eine angeregte Diskussion in der Syker Facebook-Gruppe entfacht. Ein Zeitungsartikel diente ihr als Aufhänger: In den Niederlanden, so hieß es dort, hätten 56 Kommunen die private Knallerei verboten. Und in Syke?

Seit gestern werden auch in den Syker Geschäften die Raketen und Feuerwerks-Batterien verkauft. Rund 125 Millionen Euro werden bundesweit jährlich für das Spektakel zum Jahreswechsel ausgegeben.

Mandy Hayen selbst ist als Hundebesitzerin kein großer Fan der lauten Knallerei. An den nächtlichen Farbenspielen am Himmel, die im Ursprungsland Japan den melodischen Namen „Hana-bi“ – Blume aus Feuer – tragen, kann sie sich durchaus erfreuen. Aber der Lärm stört sie dafür umso mehr.

Dass sie mit ihrer kritischen Ansicht nicht allein steht, veranschaulichten die Reaktionen auf ihr Facebook-Posting. Die Feuerwerk-Kritiker argumentierten unter anderem mit der Belastung für viele Tiere, für alte Menschen und Kriegsflüchtlinge. „Es wird wahnsinnig viel Geld in die Luft geschossen, was sinnvoller eingesetzt werden könnte“, so eine Reaktion.

Verbot nur bei

besonderen Gründen

Auch die Umweltbelastung durch die Feuerwerks-Tradition ist erheblich und sorgt für Kritik: Je nach Wetterlage kann die Feinstaubbelastung am 1. Januar um bis zu 20 Mal höher sein als an normalen Tagen. Das sorgt bei vielen für gesundheitliche Beeinträchtigungen: Asthmatiker haben einen erhöhten Medikamentenbedarf, in Kliniken sind vermehrt Aufnahmen wegen Herz-Kreislauf-Problemen zu verzeichnen.

Doch bei aller Kritik ist auch die Zahl derer, die sich für die vergänglichen Malereien am Himmel begeistern, groß. Auch in Syke. Einmal im Jahr sei so etwas wohl zu ertragen, finden einige. Sie weisen auf den Unterhaltungsfaktor und die jahrhundertelange Tradition hin. „Als Kind habe ich mich jedes Jahr tierisch auf Silvester gefreut“, so eine Antwort, „ich würde es für meine Kinder schade finden, wenn sie all das nicht miterleben dürften.“

Der intensive Meinungsaustausch auf Facebook dokumentiert, wie emotional das Thema besetzt ist. Dabei ist es natürlich eine akademische Diskussion: Syke wird in diesem Jahr genauso wenig feuerwerksfrei sein wie in den vergangenen Jahren. Zwar sieht das Gesetz – genauer: die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz – ausdrücklich die Möglichkeit vor, dass eine Behörde das Abschießen von Feuerwerkskörpern verbietet. „Aber ein besonderer Grund muss schon da sein“, betont Heinrich Sievers, Hauptamtsleiter bei der Syker Verwaltung.

Das könnte etwa die Nähe zu „besonders brandempfindlichen“ Gebäuden oder Anlagen sein (Paragraf 24, Absatz 2). Auf Sylt etwa mit seinen vielen Reetdach-Häusern herrscht auch diesmal aus diesem Grund ein weitgehendes Feuerwerksverbot. Aber Syke ist nicht Sylt.

Auch in Sachen Lärm und Umwelt gibt es wenig Hoffnung für Skeptiker. Das zeigt eine Nachfrage bei Comet Feuerwerk in Bremerhaven, einer der bundesweit führenden Feuerwerksfirmen. „Die Leute wollen‘s laut – immer noch“, betont Heinz-Arnold Swart, Geschäftsführer bei Comet. Also wird es auch künftig nicht nur optisch, sondern auch akustisch spektakulär zugehen. Und dreckig: Neue Produkte, die weniger Feinstaub erzeugen, haben sich laut Swart im Produktionsort China als zu gefährlich in der Herstellung erwiesen.

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