Projekt will Jugendliche an Vereine binden

Feuerwehr als „Unterricht“?

+
Menschen helfen – darum geht es in der Arbeit von Jugendfeuerwehren (hier bei einer Übung). Kann diese Arbeit auch als Nachmittagsunterricht an Ganztagsschulen angerechnet werden? Um diese Frage geht es im Projekt „Rein in den Verein“.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Handy, PC, Ballett oder Fitnessstudio prägen heute die Freizeit vieler Jugendlicher. „Aber Kurse schaffen keine Heimat“, so Kreisjugendpfleger Armin Kowalzik.

Anders als Vereine: Sie können Jugendlichen ein Zugehörigkeitsgefühl, Teamgeist und Rücksichtnahme vermitteln – soziale Fähigkeiten, die unverzichtbar sind im Miteinander der Gesellschaft. Deshalb hat der Landkreis das Konzept „Rein in den Verein“ aufgelegt.

Denn Vereine bieten in allen Städten und Gemeinden des Landkreises Freizeitmöglichkeiten, prägen das Dorfleben. Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Was ist ihnen wichtig? Diesen und anderen Fragen ging das Team Jugendarbeit gezielt auf den Grund.

349 Vereine im Landkreis angeschrieben

Wie Armin Kowalzik auf Anfrage berichtete, hatte es sage und schreibe 349 Vereine im Landkreis angeschrieben, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren. „39 Prozent der Adressaten haben eine Rückmeldung gegeben“, heißt es dazu.

Mit den Antworten befassten sich drei Arbeitsgruppen, in denen 18 Interessierte mitarbeiteten – davon zehn aus Vereinen und Verbänden, aber auch Kreistagspolitiker. Sie sammelten Ideen und Vorschläge mit dem Ziel, deutlich mehr Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 18 Jahren als bisher für die Vereinsarbeit zu gewinnen.

Und das in drei Themenblöcken: Zum einen geht es darum, die vielfältigen Angebote der Vereine so „sichtbar“ zu machen, dass sie von Kindern und Jugendlichen lebhaft wahrgenommen werden können. Zum zweiten ist das Schmieden neuer Allianzen wichtig: Wie kann eine effektive Zusammenarbeit der Beteiligten trotz konkurrierender Angebote und sinkender Geburtenzahlen erreicht werden?

Im Nachmittagsunterricht einbinden

Kowalzik nannte ein plastisches Beispiel: Wenn Schüler sich für die Mitarbeit in der Kinder- oder Jugendfeuerwehr in ihrem Heimatort interessieren, dann könnte ihr Engagement als Nachmittagsunterricht der Schule angerechnet werden. Den dritten Themenbereich prägen Ressourcen für die Jugendarbeit – ganz praktisch Raum- und Transportfragen.

In 13 Sitzungen hatten die Mitwirkenden neun konkrete Projekte erarbeitet. Welche davon in Kürze umgesetzt werden, darüber entscheidet der Jugendhilfeausschuss am Mittwoch, 13. Dezember, öffentlich um 16 Uhr im Diepholzer Kreishaus.

Nachfolgend die Ideen, aus denen die Kreistagsfraktionen jetzt ihre Auswahl zu treffen haben.

Neun konkrete Projekte

• „Jugendarbeit sichtbar machen“ : Ein Internetauftritt, der jungen Menschen in ansprechendem Design eine Übersicht über die Angebote der Jugendarbeit in den jeweiligen Gemeinden präsentiert.

• Ein Pilotfilm und eine Web-Serie, in der die Vereinsarbeit lebendig und eine Brücke geschlagen wird zwischen Verein und Jugendlichen.

• „Tag der Vereine“: Durch einen „Tag der Vereine“ sollen die Kinder (viertes Grundschuljahr) einen Überblick über die Freizeitmöglichkeiten in ihrer Gemeinde erhalten. Ein solcher Tag ist in allen Kommunen des Landkreises angedacht.

• „Unterstützung des Ehrenamts durch Schulen“: Ehrenamtliche Tätigkeiten in der Jugendarbeit und an der Schule sollen durch die Schule ermöglicht, gefördert und gewürdigt werden.

• „Außerschulische Lernorte im Ganztagsbetrieb“: Angebote der freien Jugendarbeit außerhalb der Schulzeit sollen dem Ganztagsangebot der Schule angerechnet werden.

• „Verlässliche Ferienbetreuung“ durch Vereine, Jugendverbände und andere Träger: Während der Schließungszeit anderer Betreuungseinrichtungen organisieren die Vereine und Verbände in den (Sommer)-Ferien eine verlässliche Tagesbetreuung, um die Berufstätigkeit von Eltern zu ermöglichen.

• „Jugendarbeit braucht Ressourcen“: In regelmäßigen Sitzungen sollen Vereine und Verbände sich über ihre Jugendarbeit austauschen, ihren Bedarf an Unterstützung anmelden und nach Lösungen suchen.

• „Bussponsoring“: Das Modell sieht vor, dass für die Unterstützung der Vereinsarbeit Kleinbusse zur Verfügung stehen, die kostengünstig und unkompliziert ausgeliehen und genutzt werden können.

• Veranstaltungsraummanagement: Ähnlich dem Modell des Landesportbundes Bremen eine Raumnutzungs-Internetseite oder -Datenbank in die Homepage des Landkreises integrieren. Anträge auf Raumnutzung können nur die Vereine und Verbände als Träger der freien Jugendhilfe stellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

"Bares für Rares": Das waren die fünf teuersten Schätze

"Bares für Rares": Das waren die fünf teuersten Schätze

Welche Computermaus ist die richtige?

Welche Computermaus ist die richtige?

Stimmungsvolle Weihnachtsgala in der Grundschule Hoya

Stimmungsvolle Weihnachtsgala in der Grundschule Hoya

Meistgelesene Artikel

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Eröffnungsfeier in der neuen Dekra-Station an der Dieselstraße

Eröffnungsfeier in der neuen Dekra-Station an der Dieselstraße

Blaulichtfahrt zur Geburt – Ausschuss erörtert Antrag von „Die Partei“

Blaulichtfahrt zur Geburt – Ausschuss erörtert Antrag von „Die Partei“

Kommentare