„Es fehlt das Mitdenken“

Die verschiedenen Ebenen in der Grundschule am Lindhof bereiten Inklusionskindern bei verschiedenen Tätigkeiten im Schulalltag Probleme. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Detlef Voges. Sampo besucht die zweite Klasse der Grundschule Am Lindhof. Der Siebenjährige ist schwer behindert, muss im Rollstuhl befördert werden. Sampo ist ein Inklusionskind. Sein Alltag ist anstrengend, für ihn ohnehin, für die Eltern, Lehrkräfte und Betreuer auch. Allein der Weg zur Toilette in der Schule gerät zum Abenteuer, ist er doch direkt nicht möglich. Sampo muss mit seinem Rollstuhl durch den Kopierraum und das Lehrerzimmer. „Sonst müsste er außen um das Gebäude herum“, sagt Bauamtsleiter Hein Sievers. Die Stadt weiß um die baulichen Probleme in der Schule, will auch etwas tun.

Ganz andere Probleme begleiten Sampos Eltern. Sie sprechen leise darüber, betont ruhig. Aber das Paket, das sie jeden Tag schultern, wiegt Tonnen. Denn das Thema Inklusion ist für Holger Raphael und seine Frau längst zu einer großen Belastung geworden, gespickt mit Unverständnis, Kompetenzgerangel und anderen Fallstricken. Hürden, die den Psychostress der Eltern noch zusätzlich anwachsen lassen.

„Wir fühlen uns oft allein und abgehängt“, sagt der Vater und meint damit konkret auch die Umsetzung des Förderbedarfs für seinen Sohn. Sampo erhält jeden Tag in der Schule eine Assistenz. Diese Betreuung stellt das Gesundheitsamt. Sie regelt beispielsweise die Fahrten mit dem Rollstuhl, etwa zur Toilette, sie befördert Bücher und den Ranzen, wechselt Windeln. Die Schulassistenz ist gleichsam Sampos ständige Begleitung im Schulalltag. „Das klappt“, betont Holger Raphael.

Die Landesschulbehörde ermöglicht zwei Stunden pro Woche eine sonderpädagogische Beratung, die an der Grundschule zwischen Schulbehörde einerseits und dem Lehrkörper und der Assistenz andererseits vermittelt. Involviert in die Inklusion sind letztendlich Vertreter von Land, Landkreis Stadt, Gesundheitsamt und Sozialamt.

„Da wird der schwarze Peter oft hin und hergeschoben“, erklärt der Vater und hadert mit dem Alltag der Beratung. Da kämen Sonderschullehrerinnen ganz aus Twistringen, und das klappe nicht immer. „Wenn wir nicht hinter allem hinterher wären, gäbe es noch mehr Probleme“, klagt der Vater. „Es fehlt das Mitdenken“, sagen die Eltern.

Der Stadt und der Schule machen beide keinen Vorwurf. Erstere sei bemüht, die Lehrer arbeiteten bis an ihre Grenzen. Was nicht funktioniere, sei die Inklusion.

Christiane van Uum vom Gesundheitsamt versteht das Gefühl des Alleingelassenseins der Eltern. Was Sampo benötige, könne die Schule aufgrund des Lehrermangels und der überforderten Pädagogen nicht leisten. Viele Lehrer seien für die Inklusion gar nicht ausgebildet. Da gehe es natürlich um Geld, um Lehrer einzustellen und entsprechende Schulräume auszubauen. Im Vorschulbereich seien Therapeuten in den Kindergarten gekommen, jetzt müssten die Eltern Sampo nach dem anstrengenden Schulunterricht fünfmal in der Woche in die Praxis der Therapeuten bringen.

Bianca Schöneich, Pressesprecherin der Landesschulbehörde, spricht von einer guten Lehrerausstattung der Grundschule am Lindhof mit 97,5 Prozent. Zwei weitere Lehrerstellen seien genehmigt. Was den sonderpädagogischen Bedarf angehe, so erhalte Sampo die vorgeschriebenen zwei Extrastunden pro Woche, so Schöneich. Für Fragen und Probleme der Eltern sei in Hannover der Fachbereich inklusive Bildung zuständig, so die Pressesprecherin.

Für alle Baufragen ist die Stadt Syke Ansprechpartnerin. Und die steht vor handfesten Problemen, denn die Grundschule am Lindhof ist über mehrere Ebenen erbaut worden. Diese Ebenen barrierefrei zu verbinden, sei eine Herausforderung, zumal es auch um Brandschutz gehe, betont der Bauamtsleiter. Schwierig und teuer, denn für die Inklusion müssen alle Syker Grundschulen baulich hergerichtet werden. „Eine harte Nuss“, so Sievers.

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