Unklare Rechtsgrundlage

Feuerwehr Syke trainiert nur noch ohne Blaulicht und Martinshorn

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Feuerwehreinsatz (Symbolbild): Künftig bleiben Martinshorn und Blaulicht bei Übungen aus.

Landkreis  Diepholz - Von Michael Walter. Der Sinn einer Übung ist, den Ernstfall zu trainieren. Je näher die Übung an der Realität ist, desto besser. Genau an diesem Punkt muss die Feuerwehr mittlerweile Abstriche machen. „Wir rücken zu Übungseinsätzen mittlerweile ohne Blaulicht und Martinshorn aus“, sagt Sykes Feuerwehr-Pressesprecher Ihno Fißer. Grund dafür: Schwammige Formulierungen im Gesetz und deren Auslegung vor Gericht.

Laut Straßenverkehrsordnung sind Blaulicht und Martinshorn nur zulässig, wenn „höchste Eile geboten“ ist, um Gefahren abzuwenden. Das ist streng genommen bei einer Übung nicht der Fall. Besonders pikant wird das, wenn es um die Sonderrechte geht, die mit dem Tatütata verbunden sind. „Wir dürfen schneller fahren, bei Rot über die Ampel oder verkehrt rum in die Einbahnstraße“, zählt Fißer auf. Im Ernstfall sowieso, bei einer Übung eigentlich auch. „Aber wenn dann was passiert, ist der Übungsleiter haftbar.“ Und deshalb verzichten die Syker Feuerwehren bei Übungen auf Lichtshow und Musik.

Es geht sogar noch einen Schritt weiter. „In dem Moment, in dem unsere Kollegen am Feuerwehrhaus ankommen, werden sie bereits informiert, dass es sich nur um eine Übung handelt“, erklärt Fißer. Auf der einen Hand ist die Feuerwehr damit auf der sicheren Seite. Auf der anderen Hand leidet dadurch das Training. „Unsere Leute fahren natürlich einen Gang runter“, sagt Fißer.

Besonders nachteilig wirke sich das auf junge Einsatzkräfte mit wenig Erfahrung aus. „Sie lernen dann nicht, mit dem Stress und dem ganzen Adrenalin umzugehen“, so Fißer. „Wenn sie dann zum ersten Mal bei einem echten Einsatz dabei sind, geht ihnen die Pumpe.“ Und außerdem: „Die Überprüfung der Leistungsfähigkeit ist nicht mehr gegeben; ob alle Abläufe nahtlos ineinandergreifen.“

Realitätsferne Begleitumstände

Wie damit umgehen, lautet die große Frage, auf die das Feuerwehrkommando noch keine abschließende Antwort gefunden hat. Die vorläufige ist zweiteilig. Erstens: Den Einsatzkräften einfach abverlangen, dass sie die Übungen trotzdem ernstnehmen und sie an ihre körperlichen Leistungsgrenzen gehen. Zweitens: Noch mehr üben, damit beim echten Einsatz die Routine den größeren Stressfaktor kompensiert.

Was sich laut Fißer aber nicht gut kompensieren lässt, sind die Begleitumstände, die bei einer weniger realitätsnahen Übung deutlich anders sind als im echten Einsatz.

An der Absperrung bedroht

Fißer gibt ein Beispiel: „Im Ernstfall würden wir bei einem schweren Unfall auf der B 6 einfach die Straße sperren. Bei einer Übung können wir das nicht. Und wenn sich unsere Leute dann am Fahrbahnrand aufbauen, müssen sie höllisch aufpassen, dass sie nicht umgefahren werden, wenn sie Geräte aus dem Wagen holen.“ Vom aggressiven Verhalten mancher Verkehrsteilnehmer ganz zu schweigen. „Das ist mittlerweile allerdings selbst bei echten Einsätzen so“, sagt Fißer. „Wir sind schon an der Absperrung bedroht worden: Ich will hier jetzt durch, ich fahr dich über den Haufen.“

Realitätsnah üben lasse sich derzeit eigentlich nur noch auf geschlossenem Gelände, so Fißer. Etwa auf Verkehrsübungs- oder Truppenübungsplätzen. „Da kann man sich einbuchen. Vielleicht müssen wir das in Zukunft öfter machen.“

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