Falsches Geld, echte Anwälte

Tag der offenen Tür sorgt für spannende Einblicke in die Arbeit von Gericht und Polizei

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Besucher des Amtsgerichts mussten erst mal durch den Detektor am Eingang. Anja Kruse nahm es aber mit der Kontrolle zum Glück nicht so genau.

Syke - Von Frank Jaursch. Der Saal 117 im Amtsgericht-Nebengebäude platzt an diesem Tag aus allen Nähten. Richter, Anwälte: Alles echt. Nur der Nachbarschaftsstreit, um den es hier geht – der ist erfunden. Aber wann kriegt man schon mal eine Chance, so einen Prozess aus nächster Nähe zu verfolgen?

An diesem Tag ist das möglich. Der Tag der offenen Tür senkt ganz offenkundig die Hemmschwelle der Menschen, den Gang ins Amtsgericht zu wagen. Und das, obwohl man im Eingangsbereich durch einen Körperscanner treten muss, der einen bei jedem Metallfund vorwurfsvoll anpiept. Aber die Justizbeamtin Anja Kruse nimmt's nicht so genau: An diesem Tag dürfen mal alle rein.

Seit Anfang des Jahres laufen bereits die Vorbereitungen für diesen außergewöhnlichen Tag. Auf den Schultern von Rebecca Thölke und Anja Kruse lag in diesen Monaten die größte Last: Sie sammelten die Ideen der Mitarbeiter, organisierten das Rahmenprogramm, sortierten die Infostände und Aktionen, gaben dem Tag eine Struktur.

Im Hinterkopf immer ein leiser Zweifel: Ob sich der Aufwand lohnen würde? An diesem Sonntagmittag wird schnell klar: Aber hallo! Es ist erstaunlich, wie groß das Interesse an der Arbeit der 80 Mitarbeiter im Amtsgericht ist. Dicht gedrängt gehen die Gäste durch die Flure, suchen das Gespräch mit den Mitarbeitern. Über den Tag verteilt, halten Anwälte Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen.

Gar nicht so einfach als Falschgeld zu erkennen: Beim Tag der offenen Tür hatten die Besucher eine richtig gut gemachte „Blüte“ in der Hand.

Der Hingucker sind natürlich die Schaugerichtsverhandlungen. Die Amtsrichter haben die Fälle erdacht, die aber bewusst nah an der Wirklichkeit geschrieben – ohne TV-Gerichtsshow-Effekte. „Komprimierte Realität“ nennt Matthias Wandzik das. Der Syker Anwalt hat bei einem der Prozesse die Rolle des Verteidigers übernommen. Wandzik lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten beim Tag der offenen Tür. „Das ist schon wirklich gut gemacht.“

Ein Kompliment, das Thölke und Kruse dankbar annehmen. Am Ende des Tages fällt die Belastung spürbar von den Organisatorinnen ab. Kruse zeigt sich überwältigt vom vielfachen positiven Feedback der Besucher. „Ich habe eben vor Freude geweint.“

Und Thölke war „einfach nur glücklich“, dass die offene Tür im Amtsgericht tausendfach zum Eintreten genutzt wurde und das Gericht das Gänseblümchendasein einmal abstreifen konnte. „Ich habe das Gefühl, die Syker haben das hier zu lange vergessen.“

300 Meter östlich, im Gebäude des Polizeikommissariats, sah die Gemütslage ganz ähnlich aus. Fast schien es, als befriedige der gemeinsame Tag der offenen Tür den lange gehegten Wunsch, sich das alles mal anzusehen. Hunderte Männer und Frauen nutzten die Möglichkeit, sich das Polizeigebäude an der Waldstraße anzusehen, und nahmen dafür geduldig auch längere Wartezeiten in Kauf.

Wer wollte, konnte sich unterdessen beim Kommissariat in die Kunst der Tatortuntersuchung einweisen lassen – oder auch die Fähigkeiten der modernen Geldfälscher in Augenschein nehmen. Und weil alles so gut lief, verschenkten die Gesetzeshüter gleich noch ein paar Millionen Euro – in kleine Pakete eingeschweißte geschredderte Banknoten.

So nahmen die Besucher etwas Bleibendes mit von ihrer Besichtigung – und sei es vielleicht auch nur die Erkenntnis, dass auch in der Polizei und im Amtsgericht ziemlich viele ziemlich nette Menschen arbeiten.

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