Fahrplan gerät durcheinander

Mit dem Zug von Bremen nach Syke: Verspätungen halten Reisende auf

Der bundesweite Verkehr hat immer Vorrang: Regional- und Nordwestbahn haben gegenüber ICE und Güterzug das Nachsehen. So will es das Bahngesetz.

Syke - Von Ulf Buschmann. Wer kein Auto hat und in Syke oder Twistringen wohnt, kommt trotzdem gut in die weite Welt. Zumindest dann, wenn die Zielorte Bremen und Bremerhaven heißen. Dorthin geht es recht einfach mit der Regio-S-Bahn. Die Züge fahren stündlich – soweit die Theorie. Die Praxis stellt sich ein wenig anders dar: Verspätungen sind zurzeit an der Tagesordnung. Sowohl von Bremen nach Twistringen als auch in die andere Richtung.

Es geht quirlig zu an diesem Vormittag im Bremer Hauptbahnhof. An Gleis 5 fährt die voll besetzte Regio-S-Bahn Linie 1 (RS 1) aus dem Bremer Norden ein. „Dieser Zug endet hier“, lässt die sonore Computerstimme die Fahrgäste wissen. Die Menschen strömen in Richtung Treppe. Der Bahnsteig leert sich schnell.

Wenige Fahrgäste machen sich auf den Weg zu Gleis 7. Dort fährt laut Fahrplan um 11.33 Uhr die RS 2 von Bremerhaven-Lehe kommend in Richtung Twistringen ab. Zwischen der RS-1-Ankunft und der RS-2-Abfahrt liegen knapp zehn Minuten. Nicht jedoch heute.

Wer die Smartphone-App des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) benutzt, ist bereits im Bilde: Die RS 2 hat 20 Minuten Verspätung. Was die Reisenden erst auf dem Hauptbahnhof erfahren: Die RS 2 fährt heute von Gleis 6 ab. Diese Information wiederum erhalten die Fahrgäste aber erst durch die elektronische Laufschrift an Gleis 7. Und Gleis 6 befindet sich am gleichen Bahnsteig wie Gleis 5. Also heißt es zweimal die Treppen rauf und runter.

Pendler müssen derzeit häufiger mit Verspätungen zurechtkommen

„Ich weiß nicht, was los ist am Bahnhof. Ferienbeginn oder so. Ich komme leider 30 Minuten später.“ Ein junger Mann am Bahnsteig muss Nachrichten wie diese aktuell öfter an seine Kollegen schicken. Sein Pech: Er wohnt in Bremen und arbeitet bei einem mittelständischen Unternehmen in Syke. Um dorthin zu kommen, verlässt sich der junge Mann auf die RS 2.

Mehr als 10.000 Fahrgäste nutzen im Schnitt täglich die Linie. Die Anzahl derer, die an diesem sonnigen Vormittag in Richtung Twistringen fahren, ist überschaubar. Es geht entspannter zu als in der proppevollen RS  1. Eine Dame ist ziemlich aufgeregt und ein bisschen durcheinander. „Meine Tochter ist gestern Mutter geworden. Ich sehe heute das erste Mal meinen Enkel“, sagt sie im Gespräch mit anderen Reisenden. 

Ihre Freude wird ihr fast zum Verhängnis: Die Neu-Oma erkennt nicht, dass ihr Zug noch gar nicht eingefahren ist, und besteigt stattdessen versehentlich die RS 2 in Richtung Bremerhaven. Aber sie merkt es noch rechtzeitig, bevor sich der Zug gen Norden in Bewegung setzt.

Meist ist nicht die Nordwestbahn schuld, sondern die DB

In letzter Zeit ist das Vertrauen in die Züge beziehungsweise die Nordwestbahn, die die Verbindung im Auftrag des Landes Niedersachsen anbietet, gehörig ins Wanken geraten. Der Grund: zahlreiche Verspätungen.

Schuld daran ist in der Regel nicht die Nordwestbahn. Vielmehr hat die Deutsche Bahn den sprichwörtlichen schwarzen Peter. Dies zumindest lässt Nordwestbahn-Sprecher Steffen Högemann durchblicken. „Zugfolge“ heißt es laut seiner Unterlagen sehr häufig. Soll heißen: Güterzüge und ICE haben Vorfahrt vor den Regio-S-Bahnen.

An diesem Tag – so wird es ein Nordwestbahn-Sprecher später erklären – war eine Stellwerkstörung schuld. Sie hätte eine Kontrolle erforderlich gemacht. Und weil Güterzüge zum Anhalten und Beschleunigen längere Zeit benötigen, „hat sich das so hochgeschaukelt“.

Es schaukelt ziemlich auf der Fahrt nach Hemelingen

Die RS 2 hat sich unterdessen – verspätet – auf den Weg gemacht. Wer nicht allzu häufig auf diesem Stück fährt, merkt: Mit der Beschaffenheit der Gleise ist es nicht weit her. Zwischen Hauptbahnhof und Bremen-Hemelingen schaukelt es. Das macht es für eine junge Frau noch schwerer, ihren riesigen Rollkoffer zwischen die Sitze zu bugsieren. Denn Platz für große Gepäckstücke wie etwa im ICE ist in den Regio-S-Bahnen nicht vorgesehen.

Schon nähert sich der Zug dem Bahnhof in Barrien. Er hat auf seiner Fahrt keine nennenswerte Zeit aufholen können und schleppt weiter die Verspätung mit sich.

Bauarbeiten in den kommenden Monaten

Besser dürfte die Situation für die Fahrgäste in nächster Zeit nicht werden. Dies offenbart ein Blick auf die Internetseite der Nordwestbahn. So müssen sich die Fahrgäste in der Zeit vom 20. bis 23. Juli auf „Fahrzeitveränderungen und Fahrtausfälle“ zwischen Bremerhaven-Lehe und Osterholz-Scharmbeck einstellen. „Bauarbeiten durch die DB Netz AG“ sind der Grund, dass es auf der RS-2-Linie zu Verzögerungen kommt. Dies könnte Auswirkungen auf die Teilstrecke zwischen Osterholz-Scharmbeck und Twistringen haben.

Gute Nerven müssen die Fahrgäste zudem vom 4. August bis zum 15. September haben. Weil die DB Netz auch in dieser Zeit an der Bahnstrecke arbeiten lässt, ist die Nordwestbahn von veränderten „Ankunfts- und Abfahrtszeiten, sowie Zugausfällen (…) in den Nachtstunden“ betroffen, wie es heißt.

Immerhin: Die RS 2 kommt sicher in Syke an.

Infos zur Nordwestbahn finden Sie in unserem Überblicksartikel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

La Strada in Rotenburg - der Sonntag

La Strada in Rotenburg - der Sonntag

jbs-Maisfeldfete - der Oldieabend

jbs-Maisfeldfete - der Oldieabend

28. Jugend-Kart-Slalom in Martfeld 

28. Jugend-Kart-Slalom in Martfeld 

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 2

jbs-Maisfeldfete in Westeresch - Teil 2

Meistgelesene Artikel

Nächtlicher Einbruch in Seniorenheim - Täter gestellt 

Nächtlicher Einbruch in Seniorenheim - Täter gestellt 

20-jähriger Radfahrer bei Unfall schwer verletzt - Autofahrer flüchtet

20-jähriger Radfahrer bei Unfall schwer verletzt - Autofahrer flüchtet

AMC feiert Sonntag 60-jähriges Bestehen

AMC feiert Sonntag 60-jähriges Bestehen

Erstmals Kinderanimation zum Start des Brokser Markts

Erstmals Kinderanimation zum Start des Brokser Markts

Kommentare