186 Prozent regenerative Energien im Avacon-Netzgebiet Syke

Exportschlager: Strom

Christian Leiding und Hermann Karnebogen (v.l.). - Foto: Seidel

Syke - Von Anke Seidel. Unermüdlich drehen sich die 225 Windkraftanlagen im Versorgungsgebiet Syke der Avacon. Längst prägen sie das Landschaftsbild des Landkreises Diepholz – als Garanten eines Exportschlagers: Strom. Sage und schreibe 714.477.684 Kilowatt Strom produzieren die Windmühlen pro Jahr. Rechnerisch lassen sich damit 200.000 Haushalte in den Landkreisen Diepholz und Nienburg versorgen.

Anlagen für erneuerbare Energien insgesamt produzieren im Versorgungsgebiet Syke fast doppelt soviel Strom wie die Bürger verbrauchen: Bei 186 Prozent liegt der Versorgungsgrad. „In fünf Jahren könnten es schon 300 Prozent sein“, schätzt Avacon-Kommunalreferent Hermann Karneborgen.

Gemeinsam mit Christian Leiding, dem Betriebsleiter Verteilnetze Syke, und Pressesprecherin Kirsten Fricke analysierte er gestern die Grünstrom-Entwicklung des Netzbetreibers, der einst aus der Hastra entstanden war und sich – ebenso wie der Energiemarkt insgesamt – dynamisch entwickelt hat. Mittlerweile hat sich die Avacon allein auf den Netzbetrieb, sprich die Verteilung oder Durchleitung von Strom und Gas, spezialisiert.

Das Unternehmen wächst: Seit zwei Jahren erstreckt sich sein Bereich im Westen bis an die Nordseeküste, im Osten fast bis nach Brandenburg und im Süden bis Frankfurt am Main. Vor allem aber: Es verfügt seitdem auch über Netze im Hochspannungsbereich – Strom-Autobahnen, die in ein europäisches Netz eingebunden sind.

Theoretisch, so Christian Leiding, könnte in Schwaförden erzeugter Strom auf diese Weise bis in französische Haushalte fließen. Praktisch ist das ebenso wenig nachvollziehbar wie der Lauf des Wassers, das beispielsweise aus dem Rhein über Nebenflüsse zu einem bestimmten Endpunkt fließt.

Fakt ist aber: „Es wird alles elektronisch gesteuert“, erläutert Leiding. „Wenn zuviel Wind da ist, werden die Windkraftanlagen runtergeregelt.“ Will heißen: Zu manchen Zeiten „schenkt“ die Natur mehr Energie als die Netze verkraften können. „Das gab es vor zehn oder fünf Jahren noch nicht“, beschreibt der Betriebsleiter die automatische Produktionsdrosselung, „heute ist das Standard“. Und die Produktion wächst und wächst – zum beispiel mit dem Windpark in Bassum, der schon in wenigen Tagen ans Netz geht: Mit seinen 40 Mega-Watt könnte er allein, so rechnet Hermann Karnebogen vor, ein Drittel der 200.000 Haushalte in den Landkreisen Diepholz und Nienburg mit Strom versorgen.

Wieder wächst damit der Export, der laut Karneborgen Jahr für Jahr um bis zu 20 Prozent steigt. Ein elementarer Knotenpunkt: Das Umspannwerk Ohlensehlen, das mit einer Gesamtinvestition von vier Millionen Euro bei Kirchdorf entstanden ist und mit einer Betriebsspannung von 110.000 Volt arbeitet. 60 Tonnen Stahl sind in diesem Koloss verbaut worden.

Eine ebenso wichtige Voraussetzung für die Energieversorgung der Zukunft: „Wir brauchen ein intelligentes Netz!“, so die Avacon-Vertreter. Genau das müsse den Strom so verteilen, dass er passgenau zu den unterschiedlichen Verbrauchszeiten zur Verfügung stehe.

Dass dem Netzbetreiber Avacon sowohl Leitungen in der Nieder- und Mittelspannung als auch in der Hochspannung zur Verfügung stehen, das ermögliche enorme Synergieeffekte, hieß es gestern. Wobei eine „Autobahn“ noch nicht gebaut, aber in der Planung ist: Die 380 kV-Leitung zwischen Ganderkesee und Sankt Hülfe. Darüber soll der Strom von der Nordsee (Produktionskapazität: bis zu 30 Großkraftwerke) in die Ballungszentren der Bundesrepublik bringen.

Das moderne Lebenselixier Strom bekommt durch eine Revolution auf dem Automarkt eine ganz neue Bedeudeutung: als Treibstoff für das Elektro-Auto.

Auch wenn es bei der Entwicklung effektiver Speicherkapazitäten noch keinen nennenswerten Durchbruch gibt: Schon seit fünf Jahren fahren Bürger in Stuhr und Weyhe E-Auto und leben in einem E-Haushalt über ein Projekt der Avacon. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Hermann Karnebogen – und verweist auf ein neues Zuschuss-Programm: Über „Avacon-e-Load“ können sich Bürger eine Prämie von 2020 Euro sichern – zusätzlich zu der staatlichen E-Auto-Prämie von bis zu 4000 Euro.

Unabhängig davon investiert Avacon in weitere Ausbauprojekte. In Betrieb genommen sind bereits 40 regelbare Ortsnetz-Transformatoren in Thedinghausen (Kosten: rund eine Million Euro). In Bruchhausen-Vilsen werden Turmstationen ersetzt und Freileitungen demontiert (600.000 Euro); in Syke Stationen und Leitungen ersetzt (400.000 Euro). In das neue Netzkonzept-Bassum investiert der Betreiber 1,65 Millionen Euro und für den Ersatz von Stationen und Leitungen in Weyhe fließen rund 40.000 Euro – außerdem die gleiche Summe für Stationsersatz in Stuhr.

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