Dienstleistung oder Einzelhandel?

Euronics im Corona-Lockdown: In Syke darf eine Abteilung öffnen, in Wildeshausen nicht

„Keine Beratung!“ steht auf dem Plakat am Syker Euronics-Markt. Das gilt nicht ganz: Der Landkreis hat dem Markt erlaubt, die Telekommunikationsabteilung zu öffnen – im Gegensatz zu benachbarten Kreisen.
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„Keine Beratung!“ steht auf dem Plakat am Syker Euronics-Markt. Das gilt nicht ganz: Der Landkreis hat dem Markt erlaubt, die Telekommunikationsabteilung zu öffnen – im Gegensatz zu benachbarten Kreisen.

Im Corona-Lockdown gibt es Regelungen, die von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich sind. An dem Beispiel Euronics in Syke und in Wildeshausen wird klar, wie das in der Praxis aussehen kann.

Syke – Lockdown in Deutschland. Das heißt: Der Einzelhandel muss dichtmachen. Ausgenommen von dieser Regelung sind nur jene Händler, die die Menschen mit dem Notwendigen versorgen. Nur: Darüber, was notwendig ist, herrschen unterschiedliche Auffassungen – manchmal von Nachbarlandkreis zu Nachbarlandkreis.

UnternehmenEuronics Deutschland
Rechtsformeingetragene Genossenschaft
SitzDitzingen
Gründung2004

Aktuelles Beispiel: Elektromärkte. Die sind zwar in der niedersächsischen Corona-Verordnung – anders als etwa Banken, Apotheken oder Supermärkte – nicht als zugelassene Ausnahme erwähnt. Aber in der Rubrik „Häufig gestellte Fragen“ (englisch: frequently asked questions, kurz: FAQ) erklärt das Land, dass Telefonshops öffnen dürfen. Denn diese stellten als Dienstleistungsunternehmen die telefonische Erreichbarkeit von Menschen sicher.

An dieser Stelle kommt der Syker Euronics-Markt ins Spiel. Der Fachhändler an der Wiesenstraße hat zwar ein großes „Keine Beratung!“-Plakat im Eingangsbereich hängen, darf allerdings seine Telekom-Abteilung öffnen. Im Gegensatz zum Schwesterbetrieb knapp 35 Kilometer entfernt: In Wildeshausen muss Euronics dicht bleiben. Die dortige Kreisverwaltung legt die Verordnung eher restriktiv aus, beruft sich auf die Paragrafen und möchte sich nicht auf die Ergänzungen berufen.

Landkreis Diepholz: Dienstleistung statt Einzelhandel

Im Landkreis Diepholz hat man sich anders entschieden: Denn Telekommunikationsgeschäfte seien kein Einzelhandel, sondern eine Dienstleistung des täglichen Bedarfs und gehörten zur Daseinsvorsorge, sagt Landkreis-Sprecherin Mareike Rein. „Das heißt: Auch Handyläden dürfen öffnen.“ Das Land sei vermutlich auf dem gleichen Denkweg gewesen und habe diese Regelung deswegen in den FAQ berücksichtigt. Auch sie sieht zwar eine Diskrepanz zur Verordnung, beruft sich aber auf diese häufig gestellten Fragen.

„Das muss ich dem Landkreis Diepholz auch hoch anrechnen“, sagt Meinhard Hoefert. Er ist der Leiter der Syker Euronics-Filiale. Viele Kunden seien eben doch noch auf einen direkten Ansprechpartner angewiesen, ist seine Erfahrung. Wenn Verträge abgelaufen sind, zum Beispiel. „Viele haben sich bedankt, dass wir diesen Service noch anbieten dürfen. Gerade die Älteren.“ Der größte Teil des Markts ist überhaupt nicht zugänglich: Im Kassenbereich werden lediglich bestellte Waren ausgegeben. Ab dem Eingangsbereich trennt Flatterband den Weg zur Abteilung Handy vom Rest. Man kann quasi nur auf der einen Seite zum Tresen durchlaufen und auf der anderen wieder zum Ausgang.

Und es ist auch nicht so, dass sich draußen vor der Tür die Menschenmassen stauen würden. „Unsere Kunden sind sehr informiert“, stellt Hoefert fest. „Es ist eine gewisse Zurückhaltung zu spüren.“  bor/fj/mwa

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