Ausbilder lernen Arbeitsalltag in anderen Ländern kennen

„Eurocom smart“ für soziale Praktika im Ausland

Die Teilnehmer des Projektes „Eurocom smart“ freuen sich, viele neue Erkenntnisse in ihre Heimatländer mitzunehmen, um Auszubildende angemessen auf Auslandspraktika vorzubereiten. - Foto: Grulke

Landkreis Diepholz - Von Robin Grulke. Zwei Krankenschwestern versorgen in Griechenland zusammen rund 40 Patienten. In Deutschland sind es nur zehn. Unterschiede wie dieser machten es Auszubildenden lange schwer, sich angemessen auf ein Auslandspraktikum vorzubereiten. Nicht nur die Sprache ist anders, auch die Ausbildungssysteme unterscheiden sich innerhalb Europas in vielen Punkten. Um angehende Erzieher, Pfleger, Krankenschwestern und andere Auszubildende im sozialen Bereich auf dem Weg in Einrichtungen im Ausland zu unterstützen, wurde das Projekt „Eurocom smart“ ins Leben gerufen, dem auch die BBS Europaschule in Syke angehört.

Der Kerngedanke des Projektes: Partner aus sechs europäschen Ländern suchen im jeweiligen nationalen System, welche Kenntnisse und Qualifikationen besonders hilfreich und wichtig sind. Ausbilder besuchen also Einrichtungen im Ausland. Dort nehmen sie am sogenannten „Shadowing“ teil. Das bedeutet: Während der Projektwochen sind sie jeweils zwei Tage lang die „Schatten“ der in den Einrichtungen angestellten Mitarbeiter. Sie beobachten genau und halten sich im Hintergrund ohne zu kommentieren, um so Einblicke in den fremden Arbeitsalltag zu gewinnen. Jeder lernt von jedem.

Dieses „Shadowing“ wird seit rund einem Jahr auch in Kindergärten, Krankenhäusern und Altenheimen in Syke, Nienburg und Bremen durchgeführt. Das dadurch erworbene Wissen tragen die teilnehmenden Partner zurück in ihre Heimat, damit Auszubildende, die ein Auslandspraktikum anstreben, bereits vor der Ankunft in einem anderen Land Grundwissen und Arbeitsabläufe kennen. Dadurch werden kulturelle, soziale und indivuelle Barrieren effektiv überwunden.

An dem Projekt sind derzeit Einrichtungen aus sechs Ländern beteiligt – darunter Finnland, Dänemark, Griechenland, Lettland, den Niederlanden und nicht zuletzt Deutschland, mit der BBS Europaschule Syke sowie diversen Kindergärten und Pflegeeinrichtungen. Eine bunte Mischung also.

Aus genau diesen Ländern sind in dieser – vorerst letzten – Projektwoche von „Eurocom smart“ Erzieher, Sozialarbeiter sowie Kranken- und Altenpfleger nach Deutschland gekommen. Nach der Begrüßung durch Horst Burghardt, Schulleiter der BBS, und einem gemeinsamen „typisch deutschen“ Essen mit Knödel, Weißwurst und Bier „beschatteten“ die Gäste bereits am Dienstag und Mittwoch Mitarbeiter in diversen Einrichtungen in Syke, Bremen und Nienburg.

Ein Großteil der Besucher fand sich am Mittwochnachmittag in der Kindertagesstätte „Sternenhimmel“ in Syke zusammen. Dass dieses Projekt die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammengeschweißt hat, wird schnell klar. Zwischen fachlichen Anmerkungen zu beobachteten Abläufen, fanden sich immer wieder Geschichten, die allen Anwesenden ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Außerdem resümierten sie, welche Eindrücke aus den Einrichtungen besonders eindrucksvoll waren.

„Hier in Deutschland ist es freier gestaltet“

Eine Erzieherin aus Finnland beobachtete folgende Untschiede in der Organisationsstruktur von Kindergärten: Während die von ihr besuchten Einrichtungen ihre Schützlinge nur halbtags betreuen, sei es in Finnland üblich, dass die Kinder den kompletten Tag in den Einrichtungen blieben.

„Hier in Deutschland ist es freier gestaltet“, fügte sie hinzu und bezog sich auf den Kontrast zwischen den Tagesabläufen von deutschen und finnischen Einrichtungen. In Finnland sei der Tag detaillierter strukturiert und die Kinder hätten nicht so viele Möglichkeiten, ihre Aktivitäten selbst auszuwählen.

Eine Krankenschwester aus Griechenland berichtete, dass sie sich in ihrer Heimat zusammen mit einem Kollegen um rund 40 Patienten gleichzeitig kümmere, wogegen sie in Deutschland lediglich ein Viertel dieser Menge zu versorgen hätte. „In Griechenland ist unsere Arbeit stressiger.“ Diese und viele weitere Unterschiede in den Arbeitsabläufen machten es den Ausbildern bislang außerdem schwer, ihre Auszubildenden nach einem Auslandspraktikum zu bewerten.

Aus diesem Grund hat die veranwortliche Gruppe rund um Silke Hillermann (Projektleiterin), Horst Burghardt (Schulleiter der BBS Europaschule Syke) und Heike Siegmann-Rink (Bildungsgangsleitung Sozialpädagogik) einen Leitfaden entwickelt, anhand dessen die Leistung eines Praktikanten fair bewertet werden kann. Dieser Leitfaden steht nun allen teilnehmenden Partnern zur Verfügung.

Das Projekt wurde gestern vorerst abgeschlossen. Die europäischen Gäste zeigten sich sichtlich erfreut darüber, viele neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen zu können, damit ihre Auszubildenden daheim die nötige Unterstützung für ein ersehntes Auslandspraktikum erhalten können.

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