„Es ist der richtige Zeitpunkt“

Jürgen Schmock gibt sein Amt als Ortsbürgermeister von Okel ab

Ehrenamtliches Engagement auf zehn Seiten: Jürgen Schmock tritt nach 22 Jahren als Ortsbürgermeister von Okel zurück.
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Ehrenamtliches Engagement auf zehn Seiten: Jürgen Schmock tritt nach 22 Jahren als Ortsbürgermeister von Okel zurück.

Okel – Als er von der Entscheidung, sein Herzensamt niederzulegen, berichten will, kämpft Jürgen Schmock für einige Sekunden mit den Tränen. „Das ist für mich sehr emotional“, bringt er, beinahe entschuldigend, mit brüchiger Stimme hervor. Und die Teilnehmer des Pressegesprächs merken, dass der Abschied vom Amt des Ortsbürgermeisters dem Okeler enorm schwer gefallen sein muss. Am Montag endet auf der Sitzung des Okeler Ortsrates die Amtszeit von Schmock – nach 22 Jahren.

Sykes Bürgermeisterin Suse Laue spricht wenig später von einem „Ortsbürgermeister mit Leidenschaft“, der nun seinen Platz räume – wenige Monate nach seinem 75.  Geburtstag. Ausdrücklich hat Schmock die Verwaltung darum gebeten, die Sitzung des Ortsrats nicht wie üblich im Heiligenfelder DGH abzuhalten, sondern in Okel.

Der Sitzungsdienst der Stadt hat nun die Okeler Turnhalle als Veranstaltungsort auserkoren. Los geht es um 19 Uhr. Zusätzlich zu den corona-bedingten Vorschriften bittet die Stadt um Schuhe mit einer hellen Sohle – „oder um saubere Strümpfe“, fügt Schmock lachend hinzu.

Eigentlich hat die FWG gewissermaßen für das vorzeitige Ende der Ära ihres Mitglieds Jürgen Schmock gesorgt: Als der Ortsbürgermeister von seiner Fraktion gefragt wurde, ob er 2021 noch einmal antreten wolle, habe er verneint. „Eigentlich sind jetzt die Jüngeren dran“, zeigt er sich sicher. „Ich will da nicht noch als Greis da sitzen.“

Gespräche mit seiner Stellvertreterin und designierten Nachfolgerin Marlene Früchtenicht bestärkten den 75-Jährigen in seiner Entscheidung: Seine Ehrenämter als Mitglied im Ortsrat und im Stadtrat wolle er bis zum Ende der laufenden Wahlperiode ausüben, den Posten des Okeler Bürgermeisters aber bereits jetzt abgeben. „Ich will kürzer treten, und Marlene kann mehr Verantwortung übernehmen“, so die Vorstellung von Schmock. Er selbst wolle den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters von ihr übernehmen und sie in den kommenden Monaten mit seiner Erfahrung unterstützen, kündigt er an.

Mit dem Ende seiner Amtszeit vor Augen hat Schmock sich intensiv mit seiner Tätigkeit als Kommunalpolitiker befasst. Der zehnseitige Rückblick zeigt: Da hat einer was bewegt im Dorf. Schmock wohnte erst zwei Jahre in Okel, als er sich 1979 bereits in einer Bürgerinitiative einmischte: als es um eine mögliche Trassierung der Bundesstraße 6 über Okel ging. Ein Jahr später engagierte er sich erfolgreich, um eine „Massenunterkunft“ für Asylbewerber im Grünen Jäger zu verhindern.

1981 schaffte Schmock den Sprung in den Ortsrat, dem er bis heute angehört. 1986 wurde er der Stellvertreter von Okels Ortsbürgermeister Heini Cordes. Nach dessen Tod 1998 erbte er dessen Amt.

Wenn Schmock von den Highlights seiner Aktivitäten berichtet, wird deutlich, wie viel Herzblut dahinter steckt. „Wenn du mitreden kannst, dann mach das“, so sei stets sein Motto gewesen. „Mich zurückzulehnen und rumzukritisieren, ist nicht meine Art.“ Mehrmals kämpft er gegen weiteren Sandabbau in Okel. Setzt sich für mehr Tempo-30-Zonen im Dorf ein. Und muss sich mit dem Unmut der Okeler auseinandersetzen, als ein Obdachloser auf „ihrem“ Friedhof beerdigt wird.

Schmock begleitete die Entwicklung der Windkraft-Situation, die enorme Veränderung des Okeler Ortsbildes mit mehreren Neubaugebieten. Und der begeisterte Radfahrer freut sich, dass es mittlerweile Radwege nach Syke, Sudweyhe und Osterholz gibt.

Neben den Highlights gab es aber auch ein paar „Lowlights“: Als der Bau eines Golfhotels im Ort im Raum stand, musste er sich wüste Beschimpfungen von Okeler Bürgern anhören. „Wir sind so niedergeschrien worden“, erinnert sich Schmock. „Von Nachbarn. Von Leuten, mit denen man sonst Fahrrad fährt. Das hat mich tief getroffen.“

Auch die Trennung von „seiner“ SPD-Fraktion steht sicher auf der Liste der Erfahrungen, die Schmock lieber nicht gemacht hätte. „Aber in der Fraktion war eine lustvolle, gute Zusammenarbeit nicht mehr möglich.“ Er wurde als einer von fünf „Abtrünnigen“ zum Teil der BS-Fraktion und feierte 2016 für die FWG einen großen Wahlerfolg.

Nun ist Schluss. Ein paar Jüngere in Okel, berichtet er mit einem Schmunzeln, können sich ein Dorf ohne ihn als Bürgermeister gar nicht vorstellen. Doch es wird gehen. Für Jürgen Schmock steht die Welt offen – wenn die Corona-Situation das erlaubt: Er will reisen, sich um seine Schafe kümmern. „Ich bin mein ganzes Leben ein aktiver Mensch gewesen“, sagt Schmock, „und will es auch bleiben.“

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