Ministerium: „Bedauerlicher Einzelfall“

Erzieherin von Impfwarteliste gestrichen – jetzt ist sie infiziert

Erzieherinnen gehören zur Prioritätsgruppe zwei bei Corona-Impfungen.
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Erzieherinnen gehören zur Prioritätsgruppe zwei bei Corona-Impfungen.

„Körperlich geht es mir gut. Mental aber deutlich schlechter“, berichtet eine 34-Jährige, die sich mit Corona infiziert hat. „Ich war wütend, traurig und auch ein bisschen verzweifelt“, sagt die Erzieherin. Denn diese Infektion hätte nicht sein müssen: Die 34-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte, hatte sich längst um einen Impftermin bemüht.

Landkreis  Diepholz – Aber sie war von der zentralen Warteliste des Landes gestrichen worden. Von wem und weshalb, ist völlig unklar. Nur durch eigene Nachfrage hatte sie von der Streichung erfahren – und zwei Tage nach dem positiven Test zwei Impftermine mitgeteilt bekommen.

Nachfrage bei der Impftermin-Hotline offenbart Streichung von der Warteliste

„Ich war immer eine Impfbefürworterin“, blickt die junge Mutter aus Syke zurück. Als die Erzieherinnen in der Prioritätsgruppe zwei für die Impfung freigegeben worden waren, bemühte sie sich sofort um einen Termin – und erhielt die Bestätigung, einen Platz auf der Warteliste zu haben.

„Ich habe mich dann aber gewundert, dass andere einen Impftermin bekommen haben. Ich aber nicht.“ Deshalb will die 34-Jährige der Sache auf den Grund gehen und fragt bei der zentralen Hotline noch einmal nach. „Da habe ich dann erfahren, dass ich von der Warteliste gestrichen worden bin. Warum, konnte man mir nicht sagen.“ Die junge Mutter lässt sich erneut auf die Warteliste setzen. Diesmal klappt es: Für den 28. April und für den 9. Juni erhält die 34-Jährige schriftlich ihre Impftermine. „Ich empfinde das als sehr fahrlässig, denn ich hätte schon längst geimpft werden können und wer weiß, wen ich dadurch nun auch alles angesteckt haben könnte“, klagt die Infizierte.

Corona-Infektion zwei Tage vor Termin-Mitteilung erkannt

Nur zwei Tage vor der Termin-Mitteilung war sie positiv auf Corona getestet worden. Den ersten Hinweis hatte ein Routine-Schnelltest gegeben, wie er vor der Arbeit vorgeschrieben ist. Das Ergebnis war positiv. Der zweite Schnelltest sei zwar negativ gewesen, „aber ich bin dann zum Arzt gegangen“, so die Sykerin. Dort bestätigte sich die Corona-Infektion.

Wo sie sich angesteckt haben könnte, ist für die junge Mutter ein Rätsel: „Wir sind immer sehr achtsam und vorsichtig“, sagt die Frau. Jetzt lebt sie in Quarantäne – gemeinsam mit ihrem Ehemann und der sechsjährigen Tochter.

Die 34-Jährige ist frustriert: „Das hätte alles nicht sein müssen, wenn bei der zentralen Hotline alles ordnungsgemäß gelaufen wäre.“

Ministerium: „Generell wird niemand einfach von der Warteliste gestrichen“

Wie erklärt sich Anne Hage, Pressesprecherin im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, diesen Fall? „Zunächst einmal: Generell wird niemand einfach von der Warteliste gestrichen“, antwortet die Pressesprecherin. Die 34-Jährige habe ja die Impftermine am 28. April und am 9. Juni zugeteilt bekommen. „Am 21. April wurden diese Impftermine storniert“, hat Anne Hage ermitteln können.

Das bestätigt die 34-jährige Betroffene: „Da war ich ja schon positiv getestet.“ Sie kann sich das ganze Verfahren nicht erklären: „Ich habe insgesamt drei Schreiben erhalten“, bilanziert sie – und überlegt, ob sie vielleicht wegen einer vermeintlich doppelten Anmeldung von der Warteliste gestrichen worden sei. „Aber wenn man eine doppelte Anmeldung feststellt, kann man ja wenigstens mal telefonisch nachfragen“, sagt die junge Mutter.

Gesundheitsministerium hat keine Daten über den Vorgang

Pressesprecherin Anne Hage hat nicht viel mehr in Erfahrung bringen können, obwohl sie – mit Einverständnis der 34-Jährigen – mit ihrer Codenummer recherchieren durfte: „Weitere Informationen sind bei diesem Datensatz nicht hinterlegt.“ Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen bedauerlichen Einzelfall handele.

Für die Erzieherin ist das umso ärgerlicher, weil sie jetzt noch mehr als ein halbes Jahr auf einen Impftermin warten muss. Anne Hage bestätigt: „Dass ein Impftermin nur wahrgenommen werden kann, wenn in den letzten sechs Monaten keine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus festgestellt wurde, entspricht der aktuellen Erkenntnislage des RKI.“

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