300 Erzieher, Sozialassistenten, Kinderpfleger und Eltern demonstrieren in Syke

„Das hier ist kein Kita-Streik“

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Erzieher leisten weitaus mehr als Kaffee trinken und basteln. Darauf weisen hier Mitarbeiter, Eltern und Kinder vom Kindergarten Kunterbunt mit ihren Plakaten hin.

Syke - Von Aline Knake. „Aufwertung jetzt!“ – Unter diesem Motto demonstrierten gestern rund 300 Erzieher und Sozialarbeiter, Eltern und Kinder. Nach einer Kundgebung am Rathaus zogen sie durch die Hauptstraße zum Bahnhof.

„Das hier ist kein Kita-Streik, wie es in den Medien heißt“, betont Streikleiter Sven Mugge von der Syker Lebenshilfe. „Hier sind heute auch Sozialassistenten, Kinderpfleger, Heilpädagogen. Es geht um die Wertschätzung aller Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst.“

Neben Mitarbeitern der städtischen Kindergärten in Syke sind unter anderem auch deren Kollegen aus kommunalen Einrichtungen in Stuhr, Weyhe und Bassum gekommen. Ebenso von der Lebenshilfe in Syke und Nienburg und von der Behinderten-Werkstatt Martinshof in Bremen. Alle betonen immer wieder: Es gehe ihnen um viel mehr als nur ums Geld. Die Mitarbeiter vom Martinshof machen mit selbst gedichteten Strophen auf die Melodie des Liedes „Auf uns“ von Andreas Bourani deutlich, was sie jeden Tag leisten. „Arbeit mit Menschen ist weniger wert, als produzieren am Band. Wir haben alle viele Jahre gelernt, doch das wird nicht anerkannt“, heißt es da.

Soziale Berufe sollen attraktiver werden

„Es muss wertgeschätzt werden, wenn Erzieher sich in ihrer Freizeit fortbilden, sich Wissen aneignen und Kinder auf die Zukunft vorbereiten“, so Mugge. Und Wertschätzung gehe in Deutschland eben mit Geld einher. Aber vor allem müssten die sozialen Berufe auch attraktiver gemacht werden.

„Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel. Wir brauchen junge Leute, die Lust haben, sich im sozialen Bereich zu engagieren. Es geht schließlich um eine gute Bildung für die Zukunft“, warnt Mugge. Das Geld dafür sei da, erklärt er: „Zehn Prozent mehr Lohn würden nur ein Prozent mehr Belastung für die Kommunen bedeuten.“ Mehr Belastung, die jedoch der Erziehung der Kinder zugute kommen solle.

Deshalb standen gestern auch – trotz aller Engpässe bei der Kinderbetreuung in den letzten Wochen – Eltern mit ihren Kindern an der Seite der Erzieher und Sozialarbeiter. Etwa Imke Bünstorf, die mit ihrem Sohn Magnus aus dem Syker Kindergarten Kunterbunt dabei ist. Sie freut sich, „dass hier vor Ort der Streik sichtbar wird“.

Zwei Mädchen pusten Seifenblasen in die Menge. Von den Streik-Organisatoren gibt es kleine Kronen zum Umhängen mit der Aufschrift „Bildung für die Zukunft“. Das Kinderlieder-Duo Matt und Basti sorgt mit einer musikalischen Einlage für gute Laune bei kleinen und großen Demonstranten. Bei der Zeile „Und wer rote Kleider trägt, der soll sich jetzt drehen“, ist der ganze Rathaus-Platz in Bewegung.

Besonderen Eindruck macht ein Kind, das ein Schild hochhält: „Ich will wieder in die Kita“, steht darauf. Ein baldiges Streik-Ende wünschen sich dabei wohl alle Beteiligten: „Wir streiken schon die ganze Zeit schweren Herzens. Und wir bedanken uns herzlich bei den Eltern, dass sie uns trotzdem unterstützen. Das ist kein Streik gegen die Eltern“, erklärt eine Mitarbeiterin des Syker Kindergartens Wundertüte. Sie hofft, auf ein baldiges annehmbares Angebot des Arbeitgeberverbandes.

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