Erzähl-Café: Diskussion über ökologische und konventionelle Landwirtschaft

„Bio muss es sein“

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Als Gastgeber des Erzähl-Cafés übernaht Wolfgang Thiel (stehend) die Moderation der Diskussion.

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Miteinander ins Gespräch kommen, den gesellschaftlichen Dialog und eine Begegnungskultur pflegen, das ist nach Aussage von Johannes Huljus das Anliegen des Erzähl-Cafés. An Themen mangelt es nicht, und es bereichert die Diskussionen, wenn nicht alle Besucher einer Meinung sind. So war es am Donnerstag, als es um Bio-Landwirtschaft ging.

Fünf Bio-Bauern stellten Produktionsmethoden, Vermarktungsstrategien und Anbauformen vor und informierten über ihren beruflichen Werdegang. Ausführlich begründeten sie ihre Entscheidung für den ökologischen Landbau und wiesen auf die Unterschiede zur konventionellen Landwirtschaft hin.

„Noch vor 50 Jahren war alles nicht bio, das war einfach Landwirtschaft“, beschrieb Hartmut Braasch vom Bioland-Hofes Hahnenfelde die Entwicklung.

Auch er bewirtschaftete seinen 83 Hektar großen Hof bis 1989 konventionell. Doch als er im eigenen Grundwasser einen ständig steigenden Nitratgehalt beobachtete, stellte er um. „Das war auch ökonomisch die richtige Entscheidung“, berichtete er rückblickend, obgleich er zunächst von Berufskollegen als Spinner bezeichnet wurde.

Elke und Heiner Steding mussten sich bei der Umstellung des elterlichen Betriebs auf „bio“ ebenfalls gegen Widerstände durchsetzen. Matthias Kampe übernahm in Barrien einen stillgelegten Milchviehbetrieb und baut auf umgebrochenem Grünland und in Foliengewächshäusern Gemüse an. Gemeinsam ist allen Betriebsinhabern der Wille, auf den Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Kunstdünger zu verzichten.

Beate Krondorf, Mitinhaberin des Biohofs Voigt in Gessel, hatte als Praktikantin auf einer Obstfarm in Australien tagelang in Schutzanzügen Gift gespritzt. , war für sie klar, als sie nach Deutschland zurückkehrte.

Noch radikaler stellte sich Marko Seibold in Henstedt um. Er hat sich auf Wildkräuter spezialisiert, die er als „homöopathische Bomben“ bezeichnet, und verkauft seine Nischenprodukte inzwischen deutschlandweit direkt an Restaurants.

Um einen „Genpool“ geht es auch bei der Zucht alter, vom Aussterben bedrohter Haustierrassen, die Heinrich Evers auf dem Arche- Hof in Leerßen züchtet.

Wilken Hartje: „Wir

brauchen die Vielfalt“

Jeder von ihnen hat seine eigenen Vermarktungsstrategien entwickelt. Sie haben, bis auf den Arche-Hof, Hofläden eingerichtet und beschicken Wochenmärkte. Sie haben experimentiert und sind Risiken eingegangen, aber sie bedauern ihre Entscheidung nicht. Auch im Bio-Anbau gibt es Betriebe, die nach Aussage von Hartmut Braasch „arg professionell“ arbeiten und bis an die Grenze dessen gehen, was die Bioland-Richtlinien erlauben. „Wir müssen ständig aufpassen, dass hier nichts verwässert wird“, warnte er.

Bio-Ware würde schärfer kontrolliert, auch die Herkunft des Saatgutes ließe sich nachverfolgen. Natürlich pflegen die Bio-Höfe den Austausch untereinander. „Wir kennen unsere Lieferanten von Erzeugnissen, die wir nicht selbst produzieren“ versicherte Elke Steding.

In der anschließenden Diskussion wurde den konventionell arbeitenden Landwirten vorgeworfen, dass die Ökonomie bei ihrer Arbeit im Vordergrund stünde. „Wie es der Natur und dem Grundwasser dabei geht, spielt keine Rolle“. Darauf erwiderte Kreislandwirt Wilken Hartje, dass nicht alle Höfe alternativ arbeiten könnten, aber alle Betriebe nach strengen Richtlinien bewirtschaftet werden. „Wir brauchen die Vielfalt“, sagte er und regte an, im Erzähl-Café auch eine Gesprächsrunde mit konventionell arbeitenden Landwirten zu veranstalten.

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