Bewegender Vortrag beim Syker Bürgermahl

Klimaexperte Pörtner: Erderwärmung stoppen

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Gastgeber und Ehrengast beim Bürgermahl der Syker Bürgerstiftung. Von links: Stiftungsratsvorsitzender Michael Lux, Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut , Vorstandsvorsitzender Ralf Michel und seine Stellvertreterin Annette Amelung.

Syke - Von Horst Meyer. „Der Klimawandel schreitet voran. Er ist nicht aufzuhalten.“ lautet das Resümee des Vortrags von Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner anlässlich des Bürgermahls der Syker Bürgerstiftung. Dem Stiftungsvorstand um Ralf Michel ist es erneut gelungen, ein unter den Nägeln brennendes Thema aufzugreifen und dazu auch noch einen Wissenschaftler von Weltrang als Referenten zu gewinnen.

Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung in Bremerhaven arbeitet in einer Arbeitsgruppe des Weltklimarats zum Klimawandel mit. Er hat auch maßgeblich am Sonderbericht zur globalen Erwärmung mitgearbeiter, der am 8. Oktober in Incheon, Südkorea, vorgestellt wurde.

Mit 80 Teilnehmern war das inzwischen neunte Bürgermahl ausverkauft. Mit dem Thema wollte die Bürgerstiftung „dort ansetzen, wo Syke im Jahr 2012 bereits war“, so der Vorstandsvorsitzende Ralf Michel. Als eine von neun Städten in Deutschland hatte Syke an einem Modellvorhaben des Bundes teilgenommen. Das Ziel: Strategien zum Klimawandel zu entwickeln. Die Ergebnisse sind auf www.syke.de nachzulesen.

Ralf Warneke begrüßte die Teilnehmer als Vertreter des Hausherrn Kreissparkasse. Er rief die Anwesenden dazu auf, ihre Geldbörse zu öffnen und die vielfältigen Aktionen der Bürgerstiftung zu unterstützen. Sören Tesch begleitete die Veranstaltung musikalisch bereits zum neunten Mal unterhaltsam am Klavier.

„Noch können wir die Notbremse ziehen“

Der Vortrag von Hans-Otto Pörtner gliederte sich in drei Abschnitte. Zunächst stellte er den Weltklimarat und den Anteil des Alfred-Wegener-Institutes daran vor. Im zweiten Teil ging er auf die Ökosysteme im Klimawandel ein, bevor er das Thema im dritten Teil mit der Menschheit im Klimawandel abrundete.

Während seines Vortrags hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Pörtner schaffte es, komplexe Hintergründe interessant und allgemein verständlich an die Frau und an den Mann zu bringen. Der aktuelle Bericht zur globalen Erwärmung seit der Industrialisierung nahm dabei einen breiten Raum ein.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Wissenschaft wird der Wert von 1,5 Grad zwischen 2030 und 2052 erreicht sein. „Die Auswirkungen bei einer globalen Erderwärmung von mehr als 2 Grad sind extremer als alles, was die Menschheit bisher erlebt hat“, so Pörtner. „Ökosysteme werden sich verändern, Arten in Pflanzen- und Tierwelt werden aussterben. Bisher bewohnte Landschaften werden dann nicht mehr bewohnbar sein. Sei es durch ansteigenden Meeresspiegel oder durch die im Land zu erwartende Dürre. Was einmal weg ist, kann nicht zurückgeholt werden. Es muss daher unser Bestreben sein, die Erderwärmung spätestens bei 1,5 Grad zu stoppen.“

Pörtner spricht auch über Lösungsansätze

Selbst die angestrebten 1,5 Grad sind nach seinen Worten nicht ohne Auswirkungen. Der Meeresspiegel kann über die Jahrhunderte durch Abschmelzen der Pole um bis zu zwölf Meter ansteigen. Sicherlich nicht auf einen Schlag, aber mit der Zeit. Aber man könne sich vorstellen, wie es ohne Vorkehrungen und Anpassungen dann etwa an der Nordseeküste aussehen könnte.

Was kann man aber tun, um diesen Entwicklungen entgegen zu treten? Auch dafür bot Hans-Otto Pörtner Lösungsansätze, sowohl grundsätzlicher Art als auch persönlich für jeden Einzelnen. Die Politik müsse umgehend die 2015 im Pariser Abkommen vereinbarten Maßnahmen umsetzen wie Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger und CO2-Reduzierung.

Jeder Einzelne könne durch Anpassung seines Mobilitätsverhaltens (weniger Flüge, weniger Fahrten einzelner Personen mit dem Auto) und seiner Essgewohnheiten (weniger Fleisch, Rückkehr zum Sonntagsbraten als etwas Besonderem) einen Beitrag leisten. „Noch können wir die Notbremse ziehen. Wir müssen endlich ein Langzeit-Denken entwickeln“ schloss Prof. Dr. Pörtner seinen Vortrag und entließ damit nachdenkliche Zuhörer. Übrigens: Burkhard Bertram, Kassenwart der Stiftung, freute sich über Einnahmen von rund 6000 Euro.

Multimedia-Projekt zum Klimawandel

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