Friedrich Rauschenberger ist der führende Kopf hinter dem Reparaturcafé

Er macht es für ein Lächeln

Friedrich Rauschenberger (sitzend) ist der führende handwerkliche und organisatorische Kopf hinter dem Reparaturcafé der Bürgerstiftung. Hier schraubt er grade mit seinem Kollegen Gerd Welde einen Staubsauger auseinander. Rauschenberger organisiert außerdem seit 1993 Hilfstransporte nach Litauen, und seit 1998 gehört er dem Vorstand des SoVD Syke an. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er 2019 Bürger des Jahres.
+
Friedrich Rauschenberger (sitzend) ist der führende handwerkliche und organisatorische Kopf hinter dem Reparaturcafé der Bürgerstiftung. Hier schraubt er grade mit seinem Kollegen Gerd Welde einen Staubsauger auseinander. Rauschenberger organisiert außerdem seit 1993 Hilfstransporte nach Litauen, und seit 1998 gehört er dem Vorstand des SoVD Syke an. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er 2019 Bürger des Jahres.

Syke – Das Lächeln, wenn die Leute ihre Geräte wieder einpacken, ist sein schönster Lohn. Klingt vielleicht ein bisschen schmalzig, aber er meint es ernst: Friedrich Rauschenberger – einer von insgesamt einem Dutzend ambitionierter Schrauber und Monteure beim Reparatur-Café der Bürgerstiftung, aber auch so etwas wie dessen geistiger Vater.

Ehrenamtliche Mitarbeiter der Bürgerstiftung reparieren kostenlos kleinere Elektrogräte, Spielzeuge, Möbel und mehr. „Alles, was man bequem mit zwei Händen tragen kann und das zum Wegschmeißen zu schade ist“ lautet die Maxime.

Seit 2014 bietet die Bürgerstiftung diesen Service im Café Alte Posthalterei an. „Der Bedarf wächst“, sagt Rauschenberger und liest die Eckdaten für 2019 vor, die er zusammengestellt hat: 12 Termine, 250 Arbeitsaufträge und 428 ehrenamtlich geleistete Stunden. „Die Leute kommen mit praktisch allem.“ Vom Toaster bis zum Türschloss, vom Winkelschleifer bis zur Wasserpumpe und vom Autoradio bis zur Ziehharmonika. Nur halt nicht aktuell im Seuchenjahr: 2020 gab es ganze vier Termine. Zwei vor Corona, einen im September und einen im Oktober. Für den Rest des Jahres passiert in Sachen Reparaturcafé nichts mehr. „Schade“ findet Rauschenberger das. „Aber was soll man machen?“

1945 ist Friedrich Rauschenberger zur Welt gekommen und in einem kleinen Dorf zwischen Harpstedt und Wildeshausen großgeworden. In Twistringen hat er später Kfz-Mechaniker gelernt. Nach der Bundeswehr machte er seine Meisterprüfung. In Freistatt hat dann er sieben Jahre als Lehrer in einer Werkstatt für schwer erziehbare Jugendliche gearbeitet. 1981 bewarb er sich zu den Berufsbildenden Schulen nach Syke und unterrichtete dort 30 Jahre lang im Bereich Metall- und Kfz-Technik.

Über Pastor Wilhelm Tesch ist Rauschenberger dann im Rentenalter zur Bürgerstiftung gekommen. „Er kannte meine handwerklichen Fähigkeiten und hat mich für die Kinderakademie eingespannt“, erzählt er. „Und dann kam so nach und nach die Idee: Lass uns doch mal was in Sachen Reparatur machen.“ In Brinkum gab es schon ein Reparaturcafé. Das nahmen sich Tesch und Rauschenberger als Vorbild. „Wir haben uns auch mit den Fachbetrieben in Syke ebgesprochen und klargemacht, dass wir denen nichts wegnehmen wollten.“ Rauschenberger muss glaubwürdig gewesen sein. „Die waren sehr zuvorkommend und es gab nie Konkurrenzdenken.“ Im Gegenteil besteht teilweise sogar ein herzliches Miteinander. Fehlen den ehrenamtlichen Schraubern mal Ersatzteile, hilft zum Beispiel der Elektriker um die Ecke gelegentlich aus.

„Wir behalten nichts bis zum nächsten Termin“, sagt Rauschenberger. „Wenn das doch mal passiert, weil vielleicht ein Ersatzteil noch beschafft werden muss, dann ist das allein die freiwillige Entscheidung des jeweiligen Reparateurs.“ Das Prinzip ist grundsätzlich: Morgens bringen, mittags wieder abholen. „Das Schöne dabei ist: Man hat sofort Erfolg, und die Kunden freuen sich daran.“

Friedrich Rauschenberger strahlt eine aufrichtige Freundlichkeit und Verbindlichkeit aus. Was sonst noch alles hinter dieser Fassade steckt, lässt er nicht auf Anhieb durchscheinen. Um das zu sehen, muss man ihn schon näher kennen. So wie etwa Gerd Welde, der mit ihm das Reparaturcafé organisiert. „Er hat einen mordsmäßigen Humor“, sagt Welde über Rauschenberger. Ein unwahrscheinliches technisches Wissen sowieso, und dazu große Ausdauer.“

Und welche schlechten Eigenschaften hat er? Da antwortet Rauschenberger lieber selbst. „Ich bin ungeduldig und perfektionistisch“, sagt er mit einem feinen, selbsterkennenden Lächeln.

Worüber freut sich Friedrich Rauschenberger? „Wenn ich sehe, wie sich meine ehemaligen Schüler weiterentwickelt haben. Wir haben zum Teil immer noch Kontakt“, sagt er und erzählt von einem damals schwierigen bis hoffnungslosen Fall, der sich immer wieder selbst im Weg stand und am Ende trotzdem noch die Kurve gekriegt hat und heute ein ganz normales Leben führt. Freuen kann er sich auch, „wenn ich anderen eine Freude bereiten kann“. Und ganz grundsätzlich: „Wenn Harmonie besteht.“

Und worüber ärgert sich Friedrich Rauschenberger? „Über Inkompetenz, Vorurteile und Kurzsichtigkeit.“

Für das Reparaturcafé hat er einen Herzenswunsch: „Dass wir immer genug Leute haben, damit wir das Angebot weiter betreiben können. Bedarf ist reichlich da. Es wäre auch schön, wenn mal ein paar Jugendliche dazu kämen. Ich bin sicher, junge Leute könnten viele nützliche Sachen von uns lernen.“

Von Michael Walter

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Neymar trifft - RB Leipzig verpasst Coup bei PSG

Neymar trifft - RB Leipzig verpasst Coup bei PSG

Meistgelesene Artikel

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet

Frauenleiche in Hüde: 33-Jährige durch Schläge auf den Kopf getötet
Corona-Chaos in Moordeich: KGS-Leiter schickt Schüler ins Szenario B – aber das hätte er nicht dürfen

Corona-Chaos in Moordeich: KGS-Leiter schickt Schüler ins Szenario B – aber das hätte er nicht dürfen

Corona-Chaos in Moordeich: KGS-Leiter schickt Schüler ins Szenario B – aber das hätte er nicht dürfen
WhatsApp: Plötzlich ist das Konto weg

WhatsApp: Plötzlich ist das Konto weg

WhatsApp: Plötzlich ist das Konto weg

Kommentare