Anita Hauffs Vater war im gleichen Gefangenenlager wie Bert Trautmann

England hat ihn nie losgelassen

Anita Hauff und ihr Vater bei einem Verwandtenbesuch um 1950. Auf diesem Foto trägt sie die Armbanduhr, die er ihr aus England mitgebracht hatte.

Syke - Von Michael Walter. Ein Spielfilm über eine Torwartlegende bereitet Anita Hauff ein komisches Gefühl: In „Trautmann“ erzählt Regisseur Marcus Rosenmüller die Geschichte des Bremers Bert Trautmann, der als Kriegsgefangener nach England kam und dort nach seiner Freilassung zum Fußballprofi wurde. Aus der Kreiszeitung erfuhr die 81-Jährige von der Premiere des Films in Bremen. „Mir war sofort schlecht“, sagt sie. „Mein Vater war in England im gleichen Gefangenenlager.“

Den Grund für diese heftige Reaktion kann Anita Hauff selbst gar nicht so recht beschreiben. Dass ihr Vater und Trautmann sich kannten, weiß sie. Wie gut, kann sie hingegen nicht sagen. „Er hat öfter von ihm erzählt.“

Eine enge Freundschaft wird’s wohl eher nicht gewesen sein. Denn Kontakte nach der Gefangenschaft hat es nie gegeben. Und die Lebenswege der ehemaligen Gefangenschafts-Kameraden haben sich völlig anders entwickelt. Der eine blieb in England und wurde berühmt. Der andere kehrte nach Syke zurück und nahm seinen alten Job bei der Post in Bremen wieder auf, in dem er bis zu seiner Pensionierung blieb.

1906 wurde Jony Meyer geboren. „Jony“, betont Tochter Anita. „Nicht Jonny und nicht Johnny. Das war wohl ein Fehler vom Standesbeamten.“ Anita – das einzige Kind von ihm und seiner Frau – kam 1938 zur Welt und war also noch klein, als der Vater Soldat wurde und in Gefangenschaft kam.

Ashton-in-Makerfield heißt der Ort, in dem das Camp stand. Von dort wurden die Gefangenen auf die umliegenden Ortschaften zur Landarbeit eingeteilt.

Jony Meyer traf es gut. Er kam auf die Barrow House Farm zur Familie Appleton in Rainford, Saint Helens. „Er war da wie zu Hause“, sagt Anita Hauff. Und das kann man wohl durchaus wörtlich nehmen. Nicht nur stellten ihm seine „Arbeitgeber“ hervorragende Zeugnisse aus, die Jony Meyer als fleißige, selbstständige und vorausdenkende Arbeitskraft lobten. Es entwickelte sich auch ein enger persönlicher Kontakt, der über die Kriegsgefangenschaft hinaus ging. Das belegen etliche Briefe, die Appletons noch bis in die 1950er-Jahre nach Deutschland geschickt haben. Auch an Tochter Anita – obwohl Appletons sie nur aus Erzählungen und später von einigen Fotos her kannten. „Liebe Grüße von Tantchen Appleton“ schließt einer dieser Briefe, den Anita Hauff heute noch hat.

Ein weiteres Zeugnis dieser engen persönlichen Beziehung: Noch bevor ihr Vater seine Freilassung erhielt, gaben Appletons ihm eine Armbanduhr als Geschenk für seine Tochter. Und damit er – der Kriegsgefangene – nicht des Diebstahls verdächtigt würde, quittierten sie ihm das akkurat für die Camp-Leitung.

England hat Jony Meyer bis zu seinem Tod 1995 nie wieder losgelassen. „Er wollte immer mit uns hinfahren und die Appletons besuchen“, erinnert sich Anita Hauff. „Einladungen hat es genug gegeben. Aber da ist nie etwas draus geworden.“ Vielleicht auch, weil Jony Meyer – anders als sein berühmter Mitgefangener – nie richtig Englisch gelernt hat und bei jedem Brief auf jemanden zum Übersetzen angewiesen war.

Irgendwann ist der Kontakt eingeschlafen. Aber immer wenn irgendwo der Name Bert Trautmann auftauchte – in der Zeitung oder im Fernsehen – wurden die Erinnerungen wieder wach. Und dann erzählte ihr Vater. Anita Hauff hat mal eine Dokumentation über den Torwart gesehen. Und auch da stellte sich gleich dieses komische Gefühl ein. „Ich hab irrigerweise immer gehofft, irgendwo im Hintergrund meinen Vater zu entdecken.“

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