Welle der Hilfsbereitschaft in Ristedt

Suche nach Knochenmarkspender: 260 Menschen wollen Ene helfen

Für alle, die nicht Blut spenden wollten oder konnten, hatte der TSV Ristedt draußen auf dem Sportplatz eine zweite Typisierungsstelle organisiert. Dort funktionierte es über Schleimhautabstriche aus den Backentaschen
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Für alle, die nicht Blut spenden wollten oder konnten, hatte der TSV Ristedt draußen auf dem Sportplatz eine zweite Typisierungsstelle organisiert. Dort funktionierte es über Schleimhautabstriche aus den Backentaschen

Der Parkplatz ist dicht! Gleich zu Beginn der Blutspende- und Knochenmarktypisierungsaktion am Dienstag beim TSV Ristedt. Und so viel Verkehr wie in diesen paar Stunden ist sonst die ganze Woche nicht. Der TSV hatte zur Knochenmarktypisierung aufgerufen, um einen Spender für seinen Ü50-Fußballer René „Ene“ Biesicke zu finden, der an einer seltenen Krankheit leidet.

Ristedt - Schon weit vor der Sporthalle spielen die Fußballer des TSV Einweiser, um die ankommenden Autos zu den freien Parkplätzen zu lotsen. Von der Sporthalle zieht sich dann die Schlange der Wartenden bis draußen vor das Tor. Alles schön mit Abstand.

Um drinnen die Laufwege zu trennen, hat der TSV den Einlass an den Seiteneingang verlegt. Von dort aus absolvieren die Spender den üblichen Parcours über sechs Stationen: Registrierung am Einlass, Fragebogen ausfüllen, Blutprobe nehmen lassen per Pieks am Finger oder Ohr, dann Fragebogen beim Doc abgeben und obligatorisches Untersuchungsgespräch, bei Bedarf zum vertraulichen Selbstausschluss, aber normalerweise dran vorbei und auf die Liege an der Zapfstelle des Blutspendediensts.

Bärbel Marquardt ist extra wegen der Knochenmarktypisierung aus Barnstorf nach Ristedt gekommen

„Das Ganze dauert pro Person etwa ‘ne halbe Stunde“, sagt Nicole Renner. Sie hat die Aktion für den TSV organisiert. Für die Typisierung wird dann einfach ein Beutelchen Blut mehr abgezapft. „Der Blutspendendienst ist normalerweise mit fünf bis sechs Liegen hier. Heute sind es schon acht. Aber da kann man sich ausrechnen, wieviele Leute wir am Tag durchkriegen. Und uns ging es ja darum, dass sich möglichst viele typisieren lassen.“ Deshalb hat der TSV mit ein bisschen gut zureden die Organisation Deutsche Stammzellspenderdatei (DSD) überzeugen können, eine zweite Typisierungsstelle aufzubauen. Draußen auf dem Sportplatz können sich per Abstrich aus der Mundschleimhaut alle typisieren lassen, die kein Blut spenden wollen oder können – oder denen das Anstehen dort einfach zu lange gedauert hätte.

„In Deutschland gibt es 26 verschiedene Organisationen, die Knochenmarktypisierungen anbieten“, erklärt DSD-Referentin Theresa Barsch. „Wir arbeiten alle für dasselbe Ziel: Das Zentrale Knochenmarkspenderregister Deutschland ZKRD in Ulm.“

Von allen Menschen, die sich typisieren lassen, erklärt Theresa Bartsch, kommen lediglich ein Prozent für einen anderen Menschen als Spender in Frage. „38 Millionen sind weltweit registriert. Allein in Deutschland warten jedes Jahr 13- bis 14 000 auf einen Knochenmarkspender. Jeder Zehnte findet keinen. Das unterstreicht, wie wichtig solche Aktionen sind.“

Das sieht auch Ene Biesickes Partnerin Anja Lenz so. „Wenn sich hier für Ene niemand findet, dann vielleicht für jemand anderen. Und woanders findet sich jemand für Ene.“ Ene selbst ist nicht dabei. „Das ist ihm im Moment zu viel Trubel“, erzählt Anja Lenz. „Es geht ihm mal besser und mal schlechter.“ Und dann kommen die Tränen.

Sohn Ferris springt ein: „Es ist schon krass, dass sich in einer so relativ kleinen Stadt derart viele Leute bereit erklären, sich typisieren zu lassen oder auch einfach nur die Nachricht zu verbreiten.“

Bärbel Marquardt ist eine von denen, die die Nachricht erreicht hat. „Ich bin extra aus Barnstorf zur Typisierung gekommen“, sagt sie. „Ich hatte den Artikel in der Kreiszeitung gelesen und dachte mir: Das machste jetzt mal. Vielleicht passe ich ja? Und wenn ich dann schon mal hier bin, kann ich ja auch gleich Blut spenden.“

So wie sie haben am Dienstag viele gedacht. Am Abend zählt Nicole Renner insgesamt 260 Personen. Davon haben sich 186 typisieren lassen. Darunter eine halbe Mannschaft vom TSV Bassum und die Erste Herren vom TSV Ristedt. Für Nicole Renner „in der Woche und bei den Temperaturen eine wahnsinnige Zahl.“

Von Michael Walter

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