Schulwege generell aber sicher

Elterntaxis im Kreis Diepholz: Ein Problem mit vielen Gefahren

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Viele Eltern bringen ihre Kinder täglich zur Schule und holen sie wieder ab. Durch die Vielzahl von parkenden und losfahrenden Autos ergeben sich immer wieder Gefahrensituationen.

Autokolonnen und Chaos vor Unterrichtsbeginn - so sieht es in vielen Schulen aus, wenn Eltern ihre Kinder dort abliefern. Doch wie ist die Situation im Landkreis Diepholz und wo lauern Gefahren auf dem Weg zum Klassenzimmer?

Landkreis Diepholz - Eine gute Nachricht gleich vorweg: Die Schulwege im Landkreis Diepholz sind sicher. „Wir müssen uns hier keine Sorgen machen“, versichert Sachbearbeiter Wolfgang Rehling. Laut Verkehrsunfallstatistik 2018 registrierte die Polizeiinspektion Diepholz insgesamt 67 Schulwegunfälle mit sieben Schwerverletzten und 54 Leichtverletzten. Zwar ist die Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, die Folgen hingegen sind gesunken. 2017 gab es 56 Unfälle mit zwölf Schwerverletzten und 59 Leichtverletzten. 2018 machten Schulwegunfälle 1,4 Prozent der gesamten Verkehrsunfälle aus. Die meisten passieren erwartungsgemäß in den Ballungsgebieten der Kommunen, wobei sich häufig Radfahrer in die Quere kommen.

Die Schulwege im Landkreis selbst gelten als sicher, dafür sieht die Polizei Probleme eher an anderer Stelle. Sprich: im Verkehrschaos direkt vor den Schultüren. Viele Eltern fahren ihre Kinder allmorgendlich zum Unterricht, Autos stauen sich, suchen Stellplätze und sorgen für riskante Verkehrssituationen. Die sogenannten Elterntaxis – nach wie vor ein hausgemachtes Problem, geschaffen von denjenigen, die sich eigentlich nur um die Sicherheit der Kinder sorgen.

Vielzahl von Autos führt zu Gefahren

Laut Polizeiinspektion Diepholz stellen die Elterntaxis an allen Schulen im Landkreis ein Problem dar, ebenso wie vermutlich in der gesamten Republik. Bei Schulen mit großem Parkraum falle dies nicht so sehr auf wie bei solchen mit wenig Parkraum oder engen Zuwendungen. „Die Gefahr ergibt sich einfach durch die Vielzahl von parkenden, einen Parkplatz suchenden oder vom Parkplatz losfahrenden Fahrzeugen“, erklärt Pressesprecherin Sandra Franke. Zwischen den Autos bewegten sich die Kinder, die oftmals durch ihre Körpergröße nicht richtig oder erst zu spät wahrgenommen werden. Zudem seien viele Eltern auf dem Weg zur Arbeit, zum Kindergarten oder zu anderen Schulen und somit in Zeitnot. Die Elterntaxis stellen in erster Linie eine Gefahr für die Kinder dar, die sich zu Fuß zwischen den Autos bewegen müssen, aber auch beim Nachwuchs im Auto ergeben sich negative Auswirkungen, denen sich viele vielleicht gar nicht so bewusst sind. Denn wenn Verkehrsregeln missachtet werden, leidet die Vorbildfunktion der Eltern.

Das Ganze ergibt einen gewissen Teufelskreis. So fährt der Großteil der Eltern seine Kinder jeden Morgen zur Schule, weil sie sich Sorgen machen, dass etwas passieren könnte. Aber gerade dadurch werden eben auch immer wieder Gefahrensituationen geschaffen – und das Gegenteil auch bei den eigenen Kindern erreicht. Die sollten den Schulweg, wenn es möglich ist, selbst bewältigen. „Aus unseren Kindern sollen selbstbewusste, das Leben bejahende Menschen werden. Das geht nur, wenn sie die Gelegenheit haben, zu lernen“, betont Sandra Franke. Dazu gehörten nicht nur Verkehrsregeln, sondern auch körperliche wie geistige Fähigkeiten, die ein Mensch brauche, um selbstständig am Straßenverkehr teilzunehmen. Etwa das Zurücklegen einer bestimmten Strecke bei jedem Wetter, das Sozialverhalten anderen gegenüber, das Umsetzen von erlerntem Wissen in die Praxis oder das vorausschauende Denken – all diese Faktoren werden gefördert, wenn der Nachwuchs selbstständig seinen Schulweg meistert. Immerhin: Unfälle mit Elterntaxis hat die Polizei nicht registriert. Die Zahl der Schulwegunfälle im Landkreis sei mit 67 im gesamten Landkreis schon sehr klein, und sie alle ereigneten sich im weiteren Umfeld der Schule.

Unterschiedliche Mittel gegen Taxi-Stau

Dem Problem mit den Elterntaxis versuchen die Kommunen wie auch der Landkreis auf verschiedene Arten, Herr zu werden. So gibt zum Beispiel in Syke drei ausgewiesene Bring- und Abholzonen im Bereich am Riederdamm, um die Verkehrssituation vor der Grundschule zu entschärfen. Andere Lösungen gibt es bereits im Landkreis. Der sogenannte „Walking Bus“ bietet Kindern, die den gleichen Weg haben, sich in der Gruppe an einem bestimmten Sammelpunkt zu treffen, um dann gemeinsam den Fußweg zur Schule zurückzulegen. Am Anfang geschieht das in Begleitung eines Erwachsenen. „Nach dem Prinzip der abnehmenden Hilfe wird aus der führenden Funktion des Erwachsenen nach und nach eine Helferfunktion und am Ende eine Beobachterfunktion“, erklärt Sandra Franke. Am Ende könnten die Kinder dann als Gruppe allein gehen. Und auch ohne ausgewiesene Elternparkplätze könnten Eltern ihre Kinder in einiger Entfernung von der Schule auf geeigneten Parkplätzen etwa von Supermärkten oder öffentlichen Gebäuden absetzen und wieder abholen. Nach dem Üben mit den Eltern könnten kürzere Schulwege auch sehr gut allein zu Fuß bewältigt werden. Mit dem Fahrrad sollten Schulkinder laut Polizei frühestens nach der Radfahrerausbildung zur Schule fahren.

Gerne würde Sachbearbeiter Wolfgang Rehling Eltern häufiger Mut machen, den eigenen Kindern etwas zuzutrauen und ihnen Aufgaben zu übertragen. Anfänglich mit Kontrolle, später mit Vertrauen. „Kinder müssen lernen, sich eigenständig in bestimmten Lebenssituationen zurechtzufinden und zu behaupten“, so Rehling. „Das können sie nur, wenn sie auch in diese Situation kommen.“

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