Überlandfahrten zwingen zur Gemütlichkeit

Ab Tempo 80 wird’s mit dem E-Auto eng

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An der E-Auto-Tankstelle am Restaurant Dillertal bei Bruchhausen-Vilsen lässt sich der Nissan Leaf zügig in Schwung bringen. 

Syke - Ein Erfahrungsbericht von Marvin Köhnken. Das Ziel meiner ersten Fahrt mit einem Elektroauto liegt etwas mehr als 50 Kilometer vom Redaktionsgebäude in Syke entfernt. Im Cockpit zeigt das voll aufgeladene Auto zum Auftakt eine Reichweite von genau 150 Kilometern an. Das klingt machbar.

Allerdings hatte ich da die Rechnung noch ohne meinen nicht zu schnellen, aber auch nicht gerade langsamen Fahrstil gemacht. Beim Ziel in Ströhen angekommen, verbleiben noch 75 Kilometer auf der Habenseite. Irgendwas ist da ganz offenbar anders verlaufen als geplant.

Auf der Suche nach der Ursache, beobachte ich auf der Rückfahrt die Verbrauchsanzeige ganz genau. Bisher habe ich es mir vor allem gut gehen lassen, denn das ist ja nun mal der Anspruch an ein Auto, dass mich wie gewohnt und ohne Umwege von A nach B bringen soll. Und tatsächlich: Immer, wenn ich das Gaspedal – heißt das in einem E-Auto überhaupt noch so? – in einer 100er-Zone auf eine Geschwindigkeit bringe, die mich nicht zum fahrenden Verkehrshindernis werden lässt, steigt der Stromverbrauch deutlich an. Und das drückt natürlich auf die Gesamtreichweite.

Nun habe ich also zwei Optionen, und zwischen Ströhen und Syke auf einem Seitenstreifen zu stranden gehört ehrlich gesagt nicht dazu: Entweder, ich probier’s mal mit Gemütlichkeit, oder ich suche mir eine Tankstelle, an der ich fix aufladen kann, ohne meinen Zeitplan zu sprengen. In den 70er-Zonen und innerorts sehe ich bei Plan A keine Probleme, aber ich weiß auch, wie ärgerlich langsame Zeitgenossen auf der B 61 und der B 51 sein können, und das dort dann halsbrecherische Überholmanöver an der Tagesordnung sein würden. Also bitte, auf zum Tanken! Auch, wenn ich dadurch mehr Zeit verliere, als bei gemächlicherer Fahrweise. Dann zumindest ist die Batterie für die nächste Fahrt nicht komplett leer.

Auf halber Strecke fehlt die Planung

Der Bordcomputer des Nissan Leafs spuckt ein paar Tankstellen im Umkreis aus, die meisten liegen im Süden, aber da will ich nicht hin. Bei einer anderen fehlen Details, wer dort wann auftanken kann – nun ärgere ich mich über die fehlende Planung. Bei der Avacon habe ich zuvor immerhin erfahren, dass ich an der B 6 bei Bruchhausen-Vilsen richtig sein würde. Dort steht eine Schnelllade-Tanksäule am Restaurant Dillertal. Der Umweg ist kurz. Ich hoffe auf ein Eis, das mir die Wartezeit versüßt. Am Ende braucht es keine 20 Minuten, um das Auto aus dem roten Bereich wieder auf 80 Prozent Ladung zu bringen. Anstelle eines Eises – die Waffeln waren aus – gab es eine Cola für zwei Euro, die Tankladung war kostenlos.

Zurück in Syke bleiben mir nach dieser Fahrt zwei Erkenntnisse: Wenn man sich gut organisiert, klappt es auch mit wenig mehr Zeitaufwand, über’s Land mit dem E-Auto unterwegs zu sein. Allerdings nur, wenn der Fahrer nicht mehr als 80 Kilometer in der Stunde auf das Tacho bringt. Außerhalb von Städten und eng bebauten Gemeinden stößt der Nissan Leaf somit an seine Grenzen. Spaß macht er auf dem Land aber dennoch – mit ausgeschaltetem Eco-Modus zieht er kräftig an, und wenn der Tank noch Stromreserven hat, ziehe ich ihn gerne kraftvoll und leise über die Straßen. 

Zum Projekt: Innerhalb einiger Wochen haben Mitarbeiter der Mediengruppe Kreiszeitung den Nissan Leaf im Praxistest während der alltäglichen Arbeit genutzt. Dabei sind ihnen die Vor- und Nachteile der aktuellen E-Mobilität aufgefallen. Eine Übersicht der Erfahrungen gibt es hier.

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