Ekkart Scholz stellt nach vielen Jahren wieder aus / Ab Samstag im Café Alte Posthalterei

Der Mann, der Bilder wachsen lässt

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Ekkart Scholz ist nächsten Samstag zur Eröffnung seiner Ausstellung anwesend. Einführende Worte soll es dabei auf seinen ausdrücklichen Wunsch nicht geben. Er steht aber gerne für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

Syke - Von Michael Walter. Fragt man Ekkart Scholz, wann er zuletzt eine Ausstellung in Syke hatte, muss er nachdenken: „Das ist schon ein paar Tage her“, sagt er. Seine letzte Ausstellung überhaupt habe er in Wildeshausen gehabt. Und das müsse 2004 gewesen sein.

Insofern höchste Zeit, dass der Mann, der einer ganzen Generation ehemaliger Abiturienten noch als Kunstlehrer vom Gymnasium bekannt ist und der im Syker Kunstverein über viele Jahre hinweg Spuren hinterlassen hat, wieder etwas von sich zeigt. „Gemalt wie geschrieben“ heißt die Ausstellung, die am Samstag um 18 Uhr im Café Alte Posthalterei eröffnet.

„Eigentlich ist das sogar so etwas wie eine Doppelausstellung“, sagt Scholz. Denn an der Stirnseite des Cafés hängen fünf Rahmen mit Buntstiftzeichnungen, die Ekkart Scholz (79) im Vorschulalter angefertigt hat. „Ich hab damals fast täglich ein Bild gemalt“, sagt er. „Das passierte einfach so. Irgendwann hat meine Mutter dann angefangen, die zu sammeln und mit einem Datum zu versehen. Fast alle sind noch erhalten.“

Etwa zwei Dutzend davon aus den Jahren 1942/43 zeigt er im Café. Sie zeigen, wie Scholz als Kind in Bremen den Krieg erlebte. Bombenangriffe, Trümmer, Ereignisse, über die damals in der Familie gesprochen wurde. „Erinnerungen kann ich nur noch wenig daran festmachen“, sagt Scholz. „Ich muss selbst auch schon vieles interpretieren, was ich darauf sehe.“ Den Krieg hat er damals eher wie ein Indianer-Spiel erlebt. Aber das ist für ihn auch nebensächlich. „Warum habe ich das gemacht? Ich bin nie zum Malen angeleitet oder gedrängt worden. Aber ich war als Kind für niemanden zu sprechen und habe immer gesagt: Ich habe keine Zeit, ich hab viel zu tun.“

Dieser Impuls zum Malen ist ihm erhalten geblieben. Bis heute. „Ich mag es noch immer, einfach drauflos zu dreschen. Am liebsten hab ich es, wenn so ein Bild in einer Stunde entsteht. Und wenn es dann nichts geworden ist, dann wird es eben nochmal übermalt.“

Den größten Teil der Ausstellung im Café und nebenan im Spieker nimmt eine kleine Auswahl von Scholz‘ Ölgemälden ein; alles Bilder, die in den letzten zehn Jahren auf diese Art entstanden sind. Inhaltlich beschreibt Scholz seine Bilder als „Beschränkung auf das Wesentliche: Formen und Farben.“ Er konzentriert sich zunehmend aufs Minimieren, aufs Erzeugen von Wirkung durch Rudimente und Relikte, und damit letztlich aufs Reduzieren durch Übermalen. „Die gegenständliche Malerei interessiert mich nicht mehr“, sagt Scholz. Ihm geht es um Kontraste und um Areale, die miteinander korrespondieren. Manche seiner Bilder haben eine regelrechte Schriftstruktur. „Dahinter steckt aber kein fertiges Konzept“, erklärt Scholz. „Ich lasse die Bilder einfach wachsen.“

Die Ausstellung ist bis Ende August während der regulären Öffnungszeiten des Cafés zu sehen.

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