Landkreis arbeitet an einer Lösung

Ekelfund in Mülltonne: Reste eines Wildschweins

+
Wildschweine können das gefährliche ASP-Virus übertragen. Deshalb schießen Jäger diese Tiere zunehmend. Doch wohin mit den Resten? Die Kreisverwaltung arbeitet an einer Lösung.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Mitarbeiter der Abfall-Wirtschafts-Gesellschaft (AWG) haben einen Ekelfund in einer Mülltonne entdeckt: Ein Unbekannter hat darin die Reste eines Wildschweins entsorgt, unter anderem den Kopf des Tieres.

Kreisrat Jens-Hermann Kleine bestätigte das. Diese Reste müssten aber nicht unbedingt von einem Jäger stammen, betonte er: „Teilweise werden Wildschweine aus anderen Bundesländern in den Landkreis gebracht.“ Deshalb könnten auch Privatpersonen für diese unerlaubte Entsorgung verantwortlich sein. Fest steht: Tierische Abfälle dürfen genauso wenig in die Tonne wie tote Katzen oder Hunde.

„Darauf sind die Entsorgungsanlagen der AWG nicht ausgerichtet!“, betonte Matthias Kühnling als Sprecher der AWG – und bestätigte, dass tote Haustiere in Einzelfällen schon in der Tonne entsorgt worden seien.

Mehr tierische Abfälle wegen Afrikanischer Schweinepest

Zuständig sei aber, so Kreisrat Kleine, die Tierkörperbeseitigungsanstalt. Mit dieser Einrichtung in Belm-Icker ist die Kreisverwaltung im Gespräch, um eine Lösung für ein dringendes Problem zu finden: Weil Jäger durch die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) immer mehr Wildschweine erlegen, fallen mehr tierische Abfälle an.

Dass genau diese Reste Jäger in Schwierigkeiten bringen können, darauf wies Dr. Bernd Stratmann aus Bruchhausen-Vilsen als Zuhörer während der Fachausschuss-Sitzung für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit hin, dessen Mitglieder unter der Leitung von Ingrid Söfty (CDU) in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Barrien tagten. „Das Problem ist jetzt akut“, bestätigte Dr. Nicolin Niebuhr, ehemals Leiterin des Landkreis-Fachdienstes Veterinärwesen, als Zuhörerin.

Kreisweite Drückjagden

„Die Jäger tun das wirklich Mögliche“, so Friedrich Iven (SPD) zu den Bemühungen, den Wildschwein-Bestand im Landkreis Diepholz zu senken – und damit die Gefahr einer Übertragung der ASP. „Die Strecken nehmen zu. Kreisweit finden Drückjagden statt“, bestätigte Alfred Domroese, Teamleiter im Fachdienst Sicherheit und Ordnung.

Torsten Abeling, stellvertretender Leiter des Landkreis-Fachdienstes Veterinärwesen, und Tierarzt Dr. Nils Roloff ließen keine Zweifel aufkommen: Die Kreisverwaltung bereitet sich intensiv auf einen möglichen ASP-Ausbruch im Landkreis Diepholz vor, in dem rund 1 000 Schweinehalter mehr als 750 000 Tiere in ihren Ställen haben.

Risikofaktor Mensch

Demnach steht das Veterinäramt nicht nur im engen Kontakt mit dem Kreisjägermeister und anderen Vertretern der Jäger, sondern informiert Saisonarbeitskräfte, Lastwagenfahrer und Busunternehmer über die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest. Zurzeit entwickelt die Kreisverwaltung eine App, über die Bürger direkte Informationen erhalten können – und umgekehrt Schwarzwild dem Landkreis melden können. Eines zeigte die Diskussion im Fachausschuss glasklar: Ein enormer Risikofaktor bei der Übertragung der gefürchteten Seuche ist das Verhalten des Menschen.

Für die FDP-Fraktion erinnerte Dr. Marco Genthe an einen Antrag der Liberalen für vorbeugende Maßnahmen in Niedersachsen, der parteiübergreifend Resonanz gefunden habe. Auf Kreisebene arbeitet Kreisrat Kleine an einer möglichst schnellen Lösung dafür, dass Jäger die Wildschweinreste sicher entsorgen können. „Die Jägerschaft ist bemüht, die Schwarzwildbestände zu reduzieren, und übernimmt das ehrenamtlich“, so der Kreisrat anerkennend. Ein Vorschlag sei, Sammelpunkte in einem Radius von je 20 Kilometern einzurichten. „Zu klären ist außerdem, welche Behälter infrage kommen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sieg gegen Real: Atlético Madrid holt UEFA-Supercup

Sieg gegen Real: Atlético Madrid holt UEFA-Supercup

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Meistgelesene Artikel

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

Highlands in Abbenhausen

Highlands in Abbenhausen

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

Kommentare